Die Psychologie der Corona-Jahre (7/7): Warum viele trotzdem Nein sagten

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Sie verloren ihre Stellen, ihre Freunde und ihren guten Ruf, während Politik und Medien sie als „Schwurbler“, „Covidioten“ und Gefahr für die Gemeinschaft beschimpften. Trotzdem weigerten sich Ärzte, Wissenschaftler, Juristen, Journalisten und gewöhnliche Bürger, die Lügen und Zwangsmaßnahmen der Corona-Diktatur schweigend hinzunehmen. Die psychologische Forschung zeigt, warum schon ein einziger sichtbarer Abweichler die Macht einer geschlossenen Mehrheit erschüttern kann – und weshalb das Corona-Regime seinen entschlossensten Widerstand durch Druck, Ausgrenzung und die Missachtung persönlicher Freiheit selbst erzeugte.

Am 27. März 2019 veröffentlichte die Medizinische Universität Wien eine Mitteilung, mit der sie Andreas Sönnichsen als wissenschaftliche Autorität feierte. Der Professor für Allgemeinmedizin war zum Vorsitzenden des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin gewählt worden, einer Vereinigung mit rund 1.000 persönlichen und institutionellen Mitgliedern. Sein Fachgebiet beruhte auf einem einfachen Grundsatz: Medizinische Entscheidungen müssen sich an belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren und Patienten die Möglichkeit zur informierten Entscheidung lassen. Damals schmückte sich die Universität noch gerne mit einem Mann, der genau solche Maßstäbe vertrat.

Während der Corona-Zeit machte ihn diese Haltung zum Ziel. Sönnichsen kritisierte die übertriebene Darstellung der Gefahr für Kinder, bestimmte Maskenvorgaben und fehlende Langzeitdaten zu den neuartigen Genspritzen. Der Disziplinarrat der Wiener Ärztekammer verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro. Doch der Professor ließ sich nicht einschüchtern und zog vor das Verwaltungsgericht Wien. Die Richter stellten fest, dass seine Aussagen Werturteile auf einer faktischen Grundlage darstellten und sowohl unter die Meinungsfreiheit als auch unter die Wissenschaftsfreiheit fielen. Die Ärztekammer wollte einen Kritiker bestrafen – und bekam vor Gericht erklärt, dass Wissenschaft nicht dort endet, wo der Corona-Staat seinen Meinungskorridor zieht.

Seine Universität kündigte ihm trotzdem. Zuvor hatte die MedUni Wien auf ihrer eigenen Institutsseite sogar einen Hinweis angebracht, mit dem sie ihm die fachliche Zuständigkeit für Biologie, Diagnose und Therapie von Viruserkrankungen absprach. Als Grund für seine Entlassung nannte sie Verstöße gegen interne Corona-Vorgaben und die Missachtung von Weisungen. Aus dem gefeierten Vertreter evidenzbasierter Medizin war ein „umstrittener“ Professor geworden, dessen berufliche Existenz plötzlich an denselben Regeln hing, die er öffentlich infrage stellte. Seine Qualifikation hatte sich nicht verändert. Er hatte nur aufgehört, das zu sagen, was von ihm erwartet wurde.

Am 1. April 2026 saß Sönnichsen als Sachverständiger vor dem Corona-Untersuchungsausschuss des Südtiroler Landtages. Mit Stefan Homburg, Wolfgang Wodarg, Sucharit Bhakdi, Ulrike Kämmerer, Tom Lausen und weiteren Fachleuten hörten die Abgeordneten ausgerechnet jene Stimmen an, die Politik und Medien jahrelang an den Rand gedrängt hatten. Der Ausschuss beschäftigte sich mit Lockdowns, Schulschließungen, Maskenpflicht, Massentests, der Auslastung der Krankenhäuser und – wie der Landtag selbst schreibt – „genetischen Impfungen“. Was zuvor als gefährliche „Schwurbelei“ galt, war nun Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung.

Die Kritiker waren von Anfang an da

Nach dem Ende der schärfsten Corona-Maßnahmen erzählten Politiker und ihre medialen Unterstützer gerne, damals habe eben niemand wissen können, welche Folgen die Entscheidungen nach sich ziehen würden. Doch kritische Ärzte und Wissenschaftler warnten von Anfang an vor fehlenden Daten, fragwürdigen Modellrechnungen, übertriebenen Todesprognosen und den Schäden einer Politik, die ganze Gesellschaften herunterfuhr. Ihre Einwände scheiterten nicht an mangelnder fachlicher Substanz. Sie scheiterten an einem Machtapparat, der wissenschaftliche Zustimmung benötigte und Widerspruch entsprechend behandelte.

Am 17. März 2020 veröffentlichte der Stanford-Professor John P. A. Ioannidis den Beitrag „A fiasco in the making? As the coronavirus pandemic takes hold, we are making decisions without reliable data„. Darin kritisierte er fehlende repräsentative Daten über die Verbreitung des Virus, verzerrte Sterblichkeitsberechnungen und politische Eingriffe, deren tatsächliche Folgen niemand ausreichend untersucht hatte. Während Österreich und Deutschland bereits Schulen, Geschäfte und Grenzen schlossen, erklärte einer der bekanntesten Medizinstatistiker der Welt, dass die Datengrundlage für solche Entscheidungen löchrig war. Doch aus den politischen Konsequenzen dieser Warnung wurde nichts. Die Horrorszenarien liefen weiter.

Gemeinsam mit Sally Cripps und Martin Tanner beschrieb Ioannidis später in der im International Journal of Forecasting veröffentlichten Studie „Forecasting for COVID-19 has failed„, warum viele Corona-Prognosen versagten. Schlechte Eingangsdaten, falsche Annahmen, unzuverlässige Modelle und fehlende Transparenz führten zu Vorhersagen, deren dramatische Ergebnisse weit über das hinausgingen, was sich wissenschaftlich seriös behaupten ließ. Die Politik verwendete solche Schreckensbilder trotzdem als Begründung für Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und die Vernichtung wirtschaftlicher Existenzen. Wenn die tatsächliche Entwicklung den Modellen widersprach, folgte einfach das nächste Horrorszenario.

Im Oktober 2020 legten Martin Kulldorff von Harvard, Sunetra Gupta von Oxford und Jay Bhattacharya von Stanford mit der Great-Barrington-Erklärung einen alternativen Ansatz vor. Sie forderten einen gezielten Schutz besonders gefährdeter Menschen und warnten davor, den Rest der Gesellschaft durch pauschale Lockdowns wirtschaftlich, gesundheitlich und sozial zu beschädigen. Kinder sollten wieder zur Schule gehen, Unternehmen arbeiten und medizinische Vorsorgeuntersuchungen stattfinden können. Drei Wissenschaftler von international angesehenen Universitäten stellten damit öffentlich infrage, was Regierungen und Medien als alternativlose Strategie verkauften.

Der damalige Direktor der amerikanischen National Institutes of Health, Francis Collins, reagierte mit einer E-Mail an Anthony Fauci. Er verlangte einen schnellen und „vernichtenden“ öffentlich publizierten Angriff auf die Erklärung. Ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses veröffentlichte den Vorgang später mitsamt dem Verweis auf die entsprechende Nachricht. Anstatt unterschiedliche Ansätze offen zu prüfen, wollten führende Gesundheitsfunktionäre eine konkurrierende Position öffentlich abschießen. Das Corona-Regime brauchte keinen wissenschaftlichen Streit. Es brauchte eine einzige erlaubte Wahrheit.

Als Meinungsvielfalt plötzlich ein journalistischer Fehler war

Der deutsche Staatssender Deutschlandfunk Kultur lieferte im April 2021 die passende Begründung, um kritische Stimmen aus der öffentlichen Debatte fernzuhalten. Unter der Überschrift „False Balance ist der größte Fehler der Journalisten“ warnte die Kommunikationswissenschaftlerin Maren Urner davor, wissenschaftlichen Minderheitenmeinungen „ungebührlich viel Raum“ zu geben (etwas, das man heute übrigens auch in der Klimaberichterstattung erkennt). Wer allerdings darüber entscheidet, welche Positionen als wissenschaftlich ernstzunehmend gelten, kontrolliert auch, welche Fragen überhaupt gestellt werden dürfen. Ein ehemaliger Vorsitzender eines Netzwerks für evidenzbasierte Medizin konnte damit genauso aus dem Debattenraum verschwinden wie ein Stanford-Professor – und die Redaktion durfte sich anschließend noch für ihre angeblich verantwortungsvolle Berichterstattung feiern.

Das Prinzip funktionierte wie eine geschlossene Gesellschaft mit Türsteher. Regierungstreue Dauerwarner traten als „Experten“ auf, während man kritische Wissenschaftler zu „umstrittenen Experten“ erklärte oder gar nicht erst einlud. Wer auf die Schäden der Schulschließungen hinwies, sollte erst beweisen, dass ihm Menschenleben nicht gleichgültig waren. Wer die tatsächliche Aussagekraft von PCR-Werten hinterfragte, stand bereits mit einem Bein im Lager der „Corona-Leugner“. Der angebliche Konsens entstand nicht dadurch, dass alle Fachleute derselben Meinung waren. Er entstand dadurch, dass man den Abweichlern das Mikrofon entzog.

Michael Heyman und Yogi Hale Hendlin untersuchten dieses Verfahren 2025 in ihrer in Health, Risk & Society veröffentlichten Studie „Contaminating COVID-19 dissent: the role of epistemic quarantines in conflating scepticism with conspiracy theories in public health„. Anhand von 19 Beiträgen des britischen Guardian mit insgesamt rund 30.500 Wörtern beschrieben sie, wie Journalisten seriöse Kritik an Lockdowns, offiziellen Daten und politischen Eingriffen mit abwegigen Verschwörungserzählungen vermischten. Die Forscher nennen diesen Vorgang „epistemische Quarantäne“. Wer einen unbequemen Wissenschaftler nicht sachlich widerlegen konnte, stellte ihn neben die absurdeste auffindbare Behauptung und versah beide mit demselben Warnschild.

In Österreich, Deutschland und der Schweiz erledigten Begriffe wie „Schwurbler“, „Covidiot“, „Corona-Leugner“ und „Impfgegner“ denselben Dienst. Ein Arzt, der auf die fehlende Evidenz einer Maßnahme verwies, musste dann nicht mehr als Arzt behandelt werden. Ein Vater, der die Maskenpflicht für sein Kind ablehnte, galt nicht mehr als besorgter Elternteil. Ein Unternehmer, der sich gegen die Zerstörung seines Betriebs wehrte, erschien nicht mehr als Bürger, der seine Existenz verteidigte. Das Etikett ersetzte das Argument – und der Mensch verschwand hinter dem Feindbild.

Ein einziger Abweichler beschädigt die geschlossene Front

Solomon Asch zeigte bereits in den 1950er-Jahren, wie stark eine einstimmige Mehrheit das Urteil eines einzelnen Menschen beeinflusst. Seine Versuchspersonen sollten die Länge verschiedener Linien vergleichen, während mehrere eingeweihte Teilnehmer nacheinander dieselbe offensichtlich falsche Antwort gaben. Viele schlossen sich der Gruppe an, obwohl ihre eigenen Augen etwas anderes sahen. Doch sobald auch nur ein weiterer Teilnehmer widersprach, brach der Konformitätsdruck auf ungefähr ein Viertel seines vorherigen Niveaus ein. Eine einzige abweichende Stimme reichte aus, um die Macht der angeblich geschlossenen Mehrheit zu erschüttern.

Der Verbündete musste nicht einmal dieselbe richtige Antwort nennen. Schon der sichtbare Bruch mit der Gruppe veränderte die Situation für alle anderen. Der nächste Teilnehmer stand plötzlich nicht mehr allein gegen eine scheinbar geschlossene Front. Er konnte erkennen, dass Widerspruch möglich blieb und dass die Mehrheit ihre Macht vor allem aus dem Eindruck vollständiger Einstimmigkeit bezog.

Während der Corona-Zeit machte das jeden öffentlich auftretenden Kritiker gefährlich. Ein einzelner Arzt konnte die Impfpflicht nicht abschaffen. Ein einzelner Lehrer konnte die Maskenvorschriften an seiner Schule nicht aufheben. Doch beide zeigten ihren Kollegen, Patienten und Schülern, dass man die staatlichen Vorgaben nicht zwangsläufig für vernünftig halten musste. Ihre bloße Existenz zerstörte die politische Behauptung, alle verantwortungsbewussten Menschen seien sich einig.

Deshalb reichte es dem Corona-Staat nicht, abweichenden Stimmen zu widersprechen. Ärztekammern eröffneten Disziplinarverfahren, Universitäten distanzierten sich von ihren eigenen Professoren, Arbeitgeber setzten Mitarbeiter unter Druck und soziale Netzwerke löschten unbequeme Beiträge. Jede sichtbare Gegenstimme gefährdete die Erzählung einer angeblich geschlossenen Gesellschaft. Wer öffentlich Nein sagte, gab anderen die Erlaubnis, ihre eigenen Zweifel ebenfalls ernst zu nehmen.

Charlan Nemeth, Keith Brown und John Rogers beschrieben 2001 in ihrer im European Journal of Social Psychology veröffentlichten Studie „Devil’s advocate versus authentic dissent: stimulating quantity and quality„, warum echter Widerspruch eine besondere Wirkung entfaltet. Eine tatsächlich vertretene Gegenposition zwingt Menschen stärker zum Nachdenken als ein künstlich eingesetzter „Advocatus Diaboli“. Eine Talkshow, in der fünf Gäste grundsätzlich denselben Corona-Kurs unterstützten und lediglich darüber diskutierten, ob der nächste Lockdown früher beginnen sollte, war deshalb keine offene Debatte. Sie war die Kulisse einer Debatte, deren Grenzen die Beteiligten längst akzeptiert hatten. Wie hätte es wohl ausgesehen, wenn ein oder gar zwei Maßnahmenkritiker an der Diskussion beteiligt gewesen wären?

Der Moment, in dem Menschen den Befehl verweigern

Das Milgram-Experiment gilt bis heute als Beweis dafür, wie weit Menschen unter dem Druck einer Autorität gehen. Ein Versuchsleiter wies die Teilnehmer an, einer anderen Person angeblich immer stärkere Stromschläge zu verabreichen. Viele gehorchten, obwohl das vermeintliche Opfer protestierte und um Hilfe bat. Doch die gewöhnliche Darstellung konzentriert sich fast ausschließlich auf die Mitläufer. Die Geschichte jener Menschen, die den Befehl verweigerten, erzählt etwas anderes.

Nick Haslam, Steve Loughnan und Gina Perry werteten für ihre 2014 in PLOS ONE veröffentlichte Studie „Meta-Milgram: An Empirical Synthesis of the Obedience Experiments“ insgesamt 21 Versuchsbedingungen mit 740 Teilnehmern aus. Über alle untersuchten Varianten hinweg gehorchten 43,6 Prozent bis zur höchsten Stromstufe. Die übrigen 56,4 Prozent brachen vorher ab. Der Widerstand nahm vor allem dann zu, wenn andere Teilnehmer ebenfalls den Gehorsam verweigerten, das angebliche Opfer näher war oder die Autorität widersprüchliche Anweisungen gab. Sobald der Mensch auf der anderen Seite nicht mehr als abstrakte Figur erschien, verlor der Befehl an Macht.

Dominic Packer untersuchte den entscheidenden Augenblick genauer. In seiner 2008 in Perspectives on Psychological Science veröffentlichten Studie „Identifying Systematic Disobedience in Milgram’s Obedience Experiments: A Meta-Analytic Review“ wertete er acht Varianten des Experiments aus. Am häufigsten verweigerten die Teilnehmer den weiteren Gehorsam bei 150 Volt. An diesem Punkt verlangte das angebliche Opfer erstmals ausdrücklich, aus dem Experiment entlassen zu werden. Für die Widerständigen wog das Recht des anderen, Nein zu sagen, schwerer als die Anweisung des Versuchsleiters.

Während der Corona-Zeit tauchte dieselbe Grenze in anderer Form auf. Ein ungeimpfter Kollege wollte seinen Arbeitsplatz behalten, ohne sich einer Genspritze zu unterwerfen. Ein Kind wollte ohne Maske am Unterricht teilnehmen. Eine alte Frau wollte ihre Familie sehen, statt allein im Pflegeheim zu sitzen. Ein Patient wollte selbst über einen medizinischen Eingriff entscheiden. Wer diese Menschen nur als „Gefährder“ betrachtete, konnte staatliche Befehle bequem weiterreichen. Wer sie als konkrete Personen wahrnahm, musste sich entscheiden, ob die Anweisung von oben wirklich mehr galt als ihre Würde und ihre Freiheit.

Viele Ärzte, Lehrer, Pflegekräfte, Unternehmer und Eltern zogen diese Grenze. Sie weigerten sich, Kindern sinnlose Belastungen aufzuzwingen, Patienten nach ihrem Impfstatus zu beurteilen oder Freunde und Angehörige aus dem gesellschaftlichen Leben auszusortieren. Das Corona-Regime bezeichnete solche Menschen als verantwortungslos. Tatsächlich übernahmen sie Verantwortung dort, wo andere sie hinter Dienstvorschriften, Verordnungen und dem Satz „Ich mache auch nur meinen Job“ verschwinden ließen.

Die beharrliche Minderheit verändert die Mehrheit

Serge Moscovici, Elisabeth Lage und Martine Naffrechoux untersuchten 1969, wie eine kleine Minderheit die Urteile einer größeren Gruppe beeinflusst. Für ihre in Sociometry veröffentlichte Studie „Influence of a Consistent Minority on the Responses of a Majority in a Color Perception Task“ setzten sie zwei eingeweihte Teilnehmer mit vier weiteren Versuchspersonen zusammen. Die Minderheit bezeichnete blaue Dias konsequent als grün. In 8,42 Prozent der Durchgänge übernahmen die übrigen Teilnehmer die abweichende Antwort; rund ein Drittel tat dies mindestens einmal. Sobald die beiden Abweichler ihre Position nicht mehr beständig vertraten, brach ihre Wirkung ein.

Die entscheidende Kraft lag in der Beharrlichkeit. Eine kleine Gruppe, die ihre Haltung trotz sozialem Druck nicht aufgibt, zwingt die Mehrheit immer wieder dazu, ihre eigene Position zu überprüfen. Während der Corona-Zeit geschah dies mit jeder gescheiterten Prognose, jedem gebrochenen politischen Versprechen und jeder neuen Studie, die den offiziellen Behauptungen widersprach. Der Arzt, der gestern noch als „Schwurbler“ galt, wirkte plötzlich weniger verrückt, wenn die Regierung eine Maßnahme zurücknahm, die er bereits Monate zuvor kritisiert hatte.

Wendy Wood und ihre Kollegen werteten für die 1994 im Psychological Bulletin veröffentlichte Studie „Minority Influence: A Meta-Analytic Review of Social Influence Processes“ insgesamt 97 Experimente aus. Minderheiten beeinflussten andere Menschen besonders stark auf privater und indirekter Ebene. Viele übernahmen eine abweichende Position nicht sofort öffentlich, sondern begannen zunächst im Stillen, ihre bisherige Überzeugung zu hinterfragen. Nach außen trugen sie vielleicht weiter die Maske, zeigten ihren QR-Code oder schwiegen im Betrieb. Innerlich verlor der politische Konsens trotzdem an Halt.

Unabhängige Medien, kritische Ärzte und öffentliche Proteste erfüllten dabei eine gemeinsame Aufgabe. Sie hielten den Widerspruch sichtbar, während die großen Redaktionen und staatlichen Stellen ihn verschwinden lassen wollten. Jeder dokumentierte Widerspruch zwischen politischen Versprechen und tatsächlicher Entwicklung fraß ein Stück aus der behaupteten Einstimmigkeit heraus. Die Corona-Diktatur konnte Menschen beschimpfen, ausgrenzen und unter Druck setzen. Sie konnte aber nicht verhindern, dass immer mehr Bürger begannen, die offizielle Geschichte mit ihren eigenen Erfahrungen zu vergleichen.

Der Staat erschuf seinen eigenen Widerstand

Wer einem Menschen eine Entscheidung wegnimmt, verändert nicht nur dessen Handlungsmöglichkeiten. Er verändert auch dessen Haltung zur Entscheidung selbst. Aus anfänglicher Offenheit kann entschlossener Widerstand entstehen, sobald eine Regierung den Bürger unter Druck setzt und seine persönliche Freiheit angreift. Psychologen nennen diesen Vorgang Reaktanz. Während der Corona-Zeit konnte man ihn millionenfach beobachten.

Katrin Schmelz und Samuel Bowles untersuchten für ihre 2022 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie „Opposition to voluntary and mandated COVID-19 vaccination as a dynamic process: Evidence and policy implications of changing beliefs“ wiederholte Befragungen in Deutschland. Nur 3,3 Prozent der Teilnehmer lehnten eine freiwillige Corona-Impfung über sämtliche Befragungszeitpunkte hinweg konsequent ab. Eine gesetzlich vorgeschriebene Impfung verweigerten dagegen 16,5 Prozent dauerhaft. Der harte Widerstand verfünffachte sich, sobald der Staat die persönliche Entscheidung durch Zwang ersetzen wollte.

Drei Viertel jener Personen, die sich einer Impfpflicht konsequent widersetzten, hatten sich zuvor grundsätzlich offen für eine freiwillige Impfung gezeigt. Die übliche Erzählung von einem festen Block unbelehrbarer „Impfgegner“ zerfällt damit in ihre Einzelteile. Ein großer Teil des Widerstands richtete sich nicht zuerst gegen die Spritze, sondern gegen die staatliche Anmaßung, über den eigenen Körper bestimmen zu wollen. Aus Bürgern, die ihre Entscheidung selbst treffen wollten, machte die Politik durch Druck und Drohungen entschlossene Gegner.

Schmelz und Bowles hatten bereits am 7. Juni 2021 in ihrer ebenfalls in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie „Overcoming COVID-19 vaccination resistance when alternative policies affect the dynamics of conformism, social norms, and crowding out“ vor diesen Folgen gewarnt. Ihre Untersuchung zeigte, dass eine Pflicht freiwillige Bereitschaft verdrängen und das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen verschärfen kann. Die Warnung lag Monate vor dem österreichischen Sonder-Lockdown für Ungeimpfte, vor der Eskalation der 2G-Regeln und vor der gesetzlichen Impfpflicht öffentlich vor. Regierungen mussten nicht erst mühsam herausfinden, was ihre Zwangspolitik anrichten würde. Sie hätten es nachlesen können.

Auch Philipp Sprengholz, Cornelia Betsch und Robert Böhm beschrieben den Effekt bereits am 25. Mai 2021 in ihrer in Applied Psychology: Health and Well-Being veröffentlichten Studie „Reactance revisited: Consequences of mandatory and scarce vaccination in the case of COVID-19„. Anhand einer deutschen Untersuchung mit 973 und einer amerikanischen Untersuchung mit 1.394 Teilnehmern zeigten sie, dass eine Impfpflicht besonders bei skeptischen Menschen starken Widerstand auslöste. Dieser konnte sich sogar auf andere medizinische Maßnahmen ausweiten. Wer Bürger zur Spritze treiben wollte, riskierte damit, ihr Vertrauen in gesundheitliche Entscheidungen insgesamt zu beschädigen.

Am 6. September 2021 folgte im Journal of Health Psychology die Studie „Vaccination policy reactance: Predictors, consequences, and countermeasures„. Sprengholz, Lisa Felgendreff, Böhm und Betsch werteten Befragungen und Experimente mit insgesamt 4.629 Teilnehmern aus Deutschland und den Vereinigten Staaten aus. Der staatliche Zwang erhöhte Ärger und Widerstand, stärkte die Bereitschaft zu Petitionen, Demonstrationen und Klagen und verringerte die Bereitschaft zu anderen gesundheitlichen Maßnahmen. Selbst Forscher aus dem Umfeld der Corona-Verhaltenssteuerung hatten den politischen Bumerang damit längst beschrieben. Die Verantwortlichen warfen ihn trotzdem mit voller Wucht.

Das Corona-Regime entzog Menschen ihre Rechte, sperrte sie aus Restaurants und Geschäften aus, bedrohte ihre berufliche Existenz und erklärte ihren anschließenden Widerstand zum Beweis einer gefährlichen Radikalisierung. Jede neue Schikane stärkte den Zusammenhalt der Ausgeschlossenen. Jede Beschimpfung bestätigte ihnen, dass sie von Politik und Medien keine faire Behandlung zu erwarten hatten. Die Regierung schlug auf den Bürger ein – und empörte sich anschließend darüber, dass er überhaupt wütend wurde.

Die Protestbewegung kam aus der Mitte der Gesellschaft

Politik und Leitmedien verkauften den Widerstand gerne als Sammelbecken ungebildeter Rechtsextremisten und wirrer Verschwörungstheoretiker. Doch die Universität Basel untersuchte mehr als 1.150 Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz und fand eine ganz andere Zusammensetzung. Das Durchschnittsalter lag bei 47 Jahren, 31 Prozent hatten Abitur, 34 Prozent einen Studienabschluss und 25 Prozent arbeiteten selbstständig. Bei der vorherigen deutschen Bundestagswahl hatten 23 Prozent die Grünen, 18 Prozent die Linke und 15 Prozent die AfD gewählt. Wer diese Menschen geschlossen als rechte Randgruppe abstempelte, ignorierte nicht nur ihre tatsächliche soziale Herkunft. Er log über eine Bewegung, die sich quer durch die Gesellschaft zog. Doch vielleicht war dies auch beabsichtigt – welcher Grüne oder Linke will sich schon als „Rechter“ abgestempelt sehen?

Unter den Kritikern fanden sich Eltern, Ärzte, Unternehmer, Lehrer, Künstler, Handwerker, Liberale, Konservative und enttäuschte frühere Wähler linker Parteien. Viele von ihnen hatten zuvor kaum miteinander zu tun. Doch sie erlebten, wie Regierungen Grundrechte einschränkten, Medien abweichende Fachleute aussortierten und Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Mitarbeiter kontrollierten. Das gemeinsame Nein entstand aus einer gemeinsamen Erfahrung: Wer nicht gehorchte, sollte gesellschaftlich bezahlen.

Jolanda Jetten, Nyla Branscombe, Michael Schmitt und Russell Spears beschrieben bereits 2001 in ihrer im Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlichten Studie „Rebels with a Cause: Group Identification as a Response to Perceived Discrimination from the Mainstream„, wie Diskriminierung den Zusammenhalt einer ausgegrenzten Gruppe verstärkt. Menschen, die sich von der dominanten Mehrheit abgewertet fühlen, suchen andere mit ähnlichen Erfahrungen und entwickeln dadurch eine neue gemeinsame Identität. Auf die Corona-Zeit übertragen heißt das: Der Staat isolierte seine Kritiker nicht, indem er sie beschimpfte und entrechtete. Er lieferte ihnen überhaupt erst den Anlass, sich zusammenzuschließen.

Aus vereinzelten Zweiflern entstanden Bürgerinitiativen, Demonstrationen, juristische Netzwerke, alternative Medien und neue politische Bündnisse. Wer seine bisherigen Freunde verlor, fand neue. Wer in den etablierten Zeitungen keine Antworten erhielt, suchte sie bei unabhängigen Journalisten. Wer seine Fragen im Betrieb nicht stellen durfte, stellte sie auf der Straße, vor Gericht oder in parlamentarischen Petitionen. Jede Form der Ausgrenzung lieferte der Gegenbewegung weitere Mitglieder.

Linda Skitka und ihre Kollegen erklärten 2021 in ihrer in der Annual Review of Psychology veröffentlichten Arbeit „The Psychology of Moral Conviction„, warum bestimmte Überzeugungen dem Druck von Autoritäten und Gleichaltrigen besonders hartnäckig widerstehen. Wer eine Frage als grundlegende Entscheidung über Recht und Unrecht betrachtet, lässt sich schwerer durch Mehrheiten, Titel oder gesellschaftliche Sanktionen umstimmen. Die Regierung erklärte den Gehorsam zur moralischen Pflicht. Ihre Gegner verstanden körperliche Selbstbestimmung, informierte Zustimmung, den Schutz ihrer Kinder und die Gleichheit vor dem Gesetz als ihre eigene moralische Verpflichtung. Sie verweigerten sich nicht trotz ihres Gewissens, sondern gerade wegen ihres Gewissens.

Der Widerstand zwang den Staat zum Rückzug

Schon am 15. April 2020 musste das Bundesverfassungsgericht die Behörden daran erinnern, dass die Versammlungsfreiheit nicht einfach mit einer Corona-Verordnung verschwindet. Ein Bürger aus Gießen wollte unter dem Motto „Gesundheit stärken statt Grundrechte schwächen – Schutz vor Viren, nicht vor Menschen“ demonstrieren. Die Behörden behandelten die damaligen Vorgaben faktisch wie ein allgemeines Versammlungsverbot. Das Gericht verlangte eine konkrete Prüfung des Einzelfalls. Ein einzelner Bürger hatte den Staat damit bereits wenige Wochen nach Beginn der Corona-Diktatur gezwungen, ein Grundrecht wieder als Grundrecht zu behandeln.

Am 7. April 2022 scheiterte im Deutschen Bundestag die geplante Corona-Impfpflicht ab 60 Jahren. Für den Gesetzentwurf stimmten 296 Abgeordnete, 378 lehnten ihn ab und neun enthielten sich. SPD und Grüne trugen den Zwangskurs mehrheitlich mit, während die meisten Abgeordneten von Union, FDP, AfD (als einzige Partei komplett) und Linken dagegen votierten. Zuvor hatten Politiker über eine umfassendere allgemeine Impfpflicht diskutiert. Am Ende fanden sie nicht einmal mehr für die abgespeckte Variante ab 60 eine Mehrheit. Die angeblich unvermeidbare Pflicht zerbrach an einer Gesellschaft, die sich nicht mehr geschlossen hinter den politischen Befehl stellen ließ.

Österreich hatte die Grenze bereits überschritten. Am 4. Februar 2022 veröffentlichte die Bundesregierung ihr Gesetz zur allgemeinen Corona-Impfpflicht (einzig die FPÖ war geschlossen dagegen) und erklärte einen medizinischen Eingriff zur staatlich vorgeschriebenen Bürgerpflicht. Fünf Monate später hob der Nationalrat das Gesetz wieder auf. Gesundheitsminister Johannes Rauch räumte ein, man schaffe „etwas, das nicht funktioniert und nicht verhältnismäßig ist“ wieder ab. Dieselbe Politik, die Millionen Menschen mit Geldstrafen und sozialer Ausgrenzung bedroht hatte, musste am Ende selbst das Scheitern ihres Zwangsprogramms eingestehen.

In der Schweiz stimmten am 28. November 2021 mehr als 1,36 Millionen Bürger gegen das Covid-19-Gesetz. Rund 38 Prozent der Abstimmenden verweigerten der offiziellen Corona-Politik ihre Zustimmung. Politik und Medien behandelten die Gegner der Maßnahmen trotzdem regelmäßig wie eine kleine Ansammlung wirrer Außenseiter. Fast zwei von fünf Wählern waren aber keine Randerscheinung. Die angebliche gesellschaftliche Geschlossenheit existierte vor allem in den Redaktionen, Regierungserklärungen und den Köpfen jener Menschen, die den Widerspruch nicht sehen wollten.

Schweden zeigte unterdessen, dass auch ein ganzer Staat den internationalen Gleichschritt nicht vollständig mitmachen musste. Der frühere Staatsepidemiologe Anders Tegnell beschrieb den schwedischen Ansatz 2026 in einer schriftlichen Stellungnahme für die Corona-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Die Strategie berücksichtigte ausdrücklich gesellschaftliche Kollateralschäden, die Bedürfnisse von Kindern, Eigenverantwortung und Vertrauen. Anstelle des deutsch-österreichischen Durchregierens setzte Stockholm wesentlich stärker auf Empfehlungen und persönliche Verantwortung. Die Alternative zu Lockdowns, Schulschließungen und einem allgegenwärtigen staatlichen Kontrollapparat existierte also längst. Man musste nur bereit sein, sie wahrzunehmen.

Jeder schwedische Schüler im Klassenzimmer stellte die Behauptung infrage, deutsche und österreichische Kinder müssten zwangsläufig zu Hause bleiben. Jede offene Gaststätte beschädigte die Erzählung, gesellschaftliches Leben und Gesundheitsschutz schlössen einander grundsätzlich aus. Gerade deshalb behandelten viele Medien den schwedischen Weg als ständigen Rechtfertigungsfall. Denn wenn ein anderes Land mit weniger Zwang auskam, stand plötzlich die Frage im Raum, warum die eigenen Regierungen so viel davon benötigten.

Wenn aus „Schwurblern“ Sachverständige werden

Heute diskutieren parlamentarische Ausschüsse über Probleme, für deren Benennung Menschen während der Corona-Zeit ihre berufliche Existenz riskierten. Bei einer Anhörung des Deutschen Bundestages im Mai 2026 erklärte eine Sachverständige, Schulschließungen hätten bei Kindern und Jugendlichen psychische, soziale und gesundheitliche Schäden verursacht. Die Gesundheitskommunikationsforscherin Doreen Reifegerste stellte fest, dass „abwertende Bewertungen“ abweichender Meinungen Widerstand provozierten und Furchtappelle Menschen dazu bringen konnten, Informationen zu meiden. Der Bundestag schrieb außerdem selbst, Schweden sei mit deutlich weniger Einschränkungen als Deutschland vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Zeit gekommen. Plötzlich sprechen offizielle Stellen über jene Zusammenhänge, die sie zuvor als gefährliche Abweichung vom politischen Konsens behandelt hatten.

Fabrizio Butera, John Levine und Jean-Pierre Vernet beschrieben dieses Muster in ihrer bei Cambridge University Press veröffentlichten Arbeit „Influence without credit: How successful minorities respond to social cryptomnesia„. Gesellschaften übernehmen Positionen, die eine ausgegrenzte Minderheit zuvor gegen heftigen Widerstand vertreten hat. Gleichzeitig vergessen sie, wer diese Einwände ursprünglich vorbrachte, oder verweigern den damaligen Kritikern weiterhin jede Anerkennung. Die Warnung setzt sich durch, doch der Warner soll gefälligst draußen bleiben.

Während der Corona-Jahre beschimpften Politiker und Journalisten Menschen, die vor Schulschäden, fragwürdigen Testzahlen, sozialer Ausgrenzung und übergriffiger Impfpolitik warnten. Heute greifen Ausschüsse und Behörden dieselben Themen auf, ohne die damalige Verfolgung ihrer Kritiker ernsthaft aufzuarbeiten. Kein gekündigter Arzt erhält seinen verlorenen Ruf automatisch zurück. Kein Arbeitnehmer bekommt die unter Druck erzwungene medizinische Entscheidung ungeschehen gemacht. Keine Familie erhält die verlorenen Monate mit einem isolierten Angehörigen zurück, nur weil dieselben Institutionen ihre frühere Politik inzwischen mit etwas höflicheren Worten hinterfragen.

Tom Lausen analysierte während der Corona-Zeit Daten des Paul-Ehrlich-Instituts, des Robert Koch-Instituts, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des DIVI-Registers. Seine Kritik brachte ihm jahrelang öffentliche Angriffe ein. Heute führt ihn der Deutsche Bundestag offiziell als Sachverständigen und Mitglied seiner Corona-Enquete-Kommission. Was gestern noch als störende Außenseitermeinung galt, landet heute als fachliche Stellungnahme auf den Tischen der Abgeordneten. Die Zahlen haben sich nicht plötzlich in etwas anderes verwandelt. Geändert hat sich lediglich, wer gezwungen ist, sie zur Kenntnis zu nehmen.

Der Widerstand brauchte keine geschlossene Mehrheit. Er brauchte Ärzte, die ihren Patienten statt dem Gesundheitsministerium verpflichtet blieben; Eltern, die ihre Kinder nicht der nächsten politischen Panikkampagne opferten; Wissenschaftler, die echte, verifizierte Daten höher bewerteten als staatlich bestellte Wahrheiten; und Journalisten, die Dokumente veröffentlichten, welche die großen Redaktionen lieber unter „Das passt nicht in unsere Linie“ begruben. Jeder einzelne Widerspruch erinnerte andere daran, dass sie ebenfalls noch eine Wahl hatten.

Doch die Aufarbeitung allein verhindert keinen neuen Ausnahmezustand. Helge Braun, während der Corona-Zeit Kanzleramtsminister unter Angela Merkel, schlug bei der Bundestagsanhörung im Mai 2026 vor, bei einer künftigen „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ die Zuständigkeit für Eindämmungsmaßnahmen stärker beim Bund zu konzentrieren. Während viele Opfer der Corona-Politik noch immer auf Anerkennung, Entschädigung und politische Konsequenzen warten, denken ihre früheren Verwalter bereits darüber nach, wie sie beim nächsten Mal noch effektiver gegen die Interessen der Bevölkerung durchregieren können.

Die wichtigste Lehre der Corona-Jahre lautet deshalb nicht, dass Regierungen ihre Zwangsmaßnahmen künftig freundlicher verkaufen sollten. Kein Minister, keine Behörde, kein Ärztekammerfunktionär und kein handverlesener „Expertenrat“ darf darüber bestimmen, welche wissenschaftliche Kritik erlaubt ist, welchen medizinischen Eingriff ein Bürger hinnehmen muss und welche Grundrechte im Ausnahmezustand übrig bleiben. Ohne die damals beschimpften Außenseiter wäre von der Freiheit am Ende nur noch das geblieben, was der Staat seinen gehorsamen Untertanen gnädig zurückzugeben bereit war.

Ich hoffe jedenfalls, dass diese Artikelserie einen Beitrag zum Verständnis über die grundlegenden Mechanismen leisten konnte, die während der Corona-Zeit für so viel Unheil sorgten. Nur wenn wir diese Entwicklungen ab 2020 auch wirklich verstehen, können wir vielleicht auch verhindern, dass sich ähnliche Szenarien auch in Zukunft wiederholen. Das Motto der „Borg“ in Star Trek lautete „Widerstand ist zwecklos“ – und die regierenden Politiker glaubten, ähnlich agieren zu können. Doch jene Menschen, die trotz des unermesslichen Drucks standhaft blieben und Widerstand leisteten, haben bewiesen, wie wichtig es ist, sich nicht zu unterwerfen. Und vielleicht werden auch viele Menschen, die während der Corona-Jahre den Psychotricks von Politik, Wissenschaft und Medien zum Opfer fielen, beim nächsten Mal wachsamer sein und sich dann auf die richtige Seite stellen.

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