Vergewaltigungsvorwürfe: FBI-Razzia bei Trump-Jäger Swalwell

(C) Report24/KI

Jahrelang gehörte Eric Swalwell zu den lautesten Trump-Jägern der Demokraten und saß sogar im Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses. Nun nahmen ihm FBI-Agenten am Flughafen von San Francisco sein iPhone und sein MacBook ab, einen Tag später wurde sein Haus in Washington durchsucht. Im Zentrum der Ermittlungen stehen schwere Vorwürfe sexueller Übergriffe – und offenbar die Frage, ob der frühere Kongressabgeordnete dabei auch seine politische Stellung missbraucht haben könnte.

Es war Samstagabend am Flughafen von San Francisco, als Eric Swalwell plötzlich eine ganz andere Bekanntschaft mit dem FBI machte, als es dem ehemaligen Staatsanwalt und langjährigen Kongressabgeordneten lieb gewesen sein dürfte. Die Bundesagenten präsentierten einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss und stellten schlussendlich unter anderem ein Apple iPhone, ein MacBook Pro und elektronisches Zubehör sicher. Am folgenden Tag rückten Ermittler bei seinem Haus in Washington, D.C., an und durchsuchten auch dieses. Swalwell wurde weder festgenommen noch angeklagt, doch die Ermittlungen gegen den einstigen demokratischen Politstar haben damit offensichtlich eine neue Stufe erreicht.

Besonders interessant ist dabei, was in den öffentlich zugänglichen Unterlagen zu dem Durchsuchungsbeschluss steht. Demnach ermittelt das FBI wegen möglicher Verstöße gegen 18 U.S.C. § 242 und weiterer Straftaten. Dieser Paragraph stellt es unter Strafe, wenn ein Amtsträger seine staatlich verliehene Macht dazu benutzt, einem Menschen verfassungsmäßig oder bundesgesetzlich geschützte Rechte zu nehmen. Das Gesetz wird häufig gegen Polizisten, Gefängniswärter oder Richter eingesetzt, gilt jedoch ebenso für andere Amtsträger. Das US-Justizministerium nennt körperliche und sexuelle Übergriffe ausdrücklich als typische Anwendungsfälle. Was die Ermittler Swalwell konkret vorwerfen beziehungsweise wonach sie auf seinen Geräten suchen, bleibt bislang unter Verschluss.

Vom demokratischen Hoffnungsträger zum Rücktritt

Noch vor wenigen Monaten wollte Swalwell Gouverneur von Kalifornien werden. Dann veröffentlichten CNN und andere US-Medien die Aussagen von zunächst vier Frauen, die dem verheirateten Demokraten sexuelles Fehlverhalten vorwarfen. Die schwersten Anschuldigungen stammen von einer ehemaligen Mitarbeiterin, die als 21-Jährige zunächst Praktikantin und später Junior-Mitarbeiterin in seinem Büro gewesen war. Sie beschuldigt Swalwell unter anderem eines sexuellen Übergriffs im Jahr 2019 sowie einer Vergewaltigung im Jahr 2024, als sie nicht mehr für ihn arbeitete. Bei dem späteren Vorfall sei sie stark alkoholisiert gewesen, habe ihn weggedrückt und „Nein“ gesagt – er habe dennoch nicht aufgehört.

Es handelt sich dabei auch nicht bloß um eine Jahre später erstmals aufgetauchte Behauptung. CNN sprach mit ihrer Mutter und Freunden und sichtete Nachrichten, die sie nach dem behaupteten Übergriff verschickt hatte. Darin schrieb sie bereits damals, von Eric sexuell angegriffen worden zu sein. Zudem legte sie medizinische Unterlagen über eine Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten und eine mögliche Schwangerschaft eine Woche später vor. Das beweist den Tatvorwurf nicht, erklärt aber, weshalb die Geschichte nicht einfach wieder in der üblichen Gerüchteküche Washingtons verschwand. Die Staatsanwaltschaft von Manhattan leitete wegen des mutmaßlichen Vorfalls von 2024 Ermittlungen ein.

Andere Frauen berichteten von unerwünschten sexuellen Nachrichten, Nacktbildern sowie nicht einvernehmlichen Berührungen. Ally Sammarco erklärte gegenüber CNN beispielsweise, Swalwell habe ihr zunächst immer anzüglichere Nachrichten und schließlich ungefragt ein Bild seiner Genitalien geschickt. Swalwell weist die Vorwürfe sexueller Übergriffe zurück. Interessant war allerdings seine damalige Wortwahl: Er sei zwar kein „Heiliger“ und habe in seiner Vergangenheit „Fehler im Urteilsvermögen“ begangen, diese beträfen jedoch ihn und seine Ehefrau. Worin genau diese Fehler bestanden, ließ er offen.

Wenige Tage später trat mit Lonna Drewes eine weitere Frau öffentlich vor die Kameras. Sie behauptet, Swalwell habe sie bereits 2018 in einem Hotel in West Hollywood unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Nach nur einem Glas Wein sei sie plötzlich nahezu bewegungsunfähig gewesen. Während des behaupteten Übergriffs habe Swalwell sie zudem gewürgt, bis sie das Bewusstsein verlor. Drewes erstattete damals keine unmittelbar folgende Anzeige und es existiert kein entsprechender Vergewaltigungs-Test; sie erklärte jedoch, anderen Menschen davon erzählt und den Vorfall in ihrem Kalender vermerkt zu haben. Auch diese Anschuldigungen werden untersucht.

Für Swalwells politische Karriere ging es danach rasend schnell bergab. Er beendete seine Kandidatur für das Gouverneursamt, während Demokraten und Republikaner gleichermaßen seinen Rücktritt aus dem Kongress forderten. Am 13. April eröffnete der Ethikausschuss des Repräsentantenhauses eine Untersuchung wegen möglichen sexuellen Fehlverhaltens, ausdrücklich auch gegenüber einer Mitarbeiterin unter seiner Aufsicht. Noch am selben Tag kündigte Swalwell seinen Rücktritt an. Damit war die politische Karriere eines Mannes praktisch beendet, der 2019 selbst kurz für das Präsidentenamt kandidiert hatte.

Ausgerechnet Fang Fang

Als wäre die Geschichte damit nicht schon pikant genug, holte Swalwell wenige Tage vor Bekanntwerden der FBI-Razzia noch eine alte Affäre ein. Am Montag wurden FBI-Unterlagen über Christine Fang, besser bekannt als „Fang Fang“, veröffentlicht. Die Chinesin war jahrelang Teil eines politischen Netzwerkes in Kalifornien und wurde vom FBI wegen mutmaßlicher Verbindungen zum chinesischen Geheimdienst untersucht. Bekannt waren ihre engen Beziehungen zu Swalwell schon lange. Neu ist nun allerdings, was dieser selbst gegenüber dem FBI eingeräumt hatte.

Nach den freigegebenen Unterlagen erklärte Swalwell den Ermittlern bereits 2015, mit Fang bei mehreren Gelegenheiten „körperliche Beziehungen“ gehabt zu haben. Bei einer weiteren Befragung 2016 beschrieb er einen konkreten sexuellen Kontakt. Das FBI untersuchte damals zudem, ob Fang über Mittelsmänner illegale Wahlkampfspenden organisierte und Personen in Swalwells politischem Umfeld unterbrachte. Gegen Swalwell wurde letztlich keine Anklage erhoben, auch der Ethikausschuss des Repräsentantenhauses stellte seine Untersuchung der Fang-Verbindungen 2023 ohne weitere Maßnahmen ein.

Die politische Ironie ist trotzdem kaum zu übersehen. Swalwell gehörte während der ersten Trump-Amtszeit zu jenen Demokraten, die jahrelang wegen einer angeblichen russischen Einflussnahme Alarm schlugen. Er saß im Geheimdienstausschuss, war einer der Anklagevertreter beim zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und präsentierte sich regelmäßig als Verteidiger der amerikanischen Demokratie gegen ausländische Einflussnahme. Gleichzeitig unterhielt er selbst sexuelle Beziehungen zu einer Frau, die das FBI wegen möglicher Verbindungen zum chinesischen Geheimdienst im Visier hatte.

Mit den aktuellen Ermittlungen wegen der Sexualvorwürfe hat die Fang-Affäre nach bisherigem Stand nichts zu tun. Doch auch ohne diesen Zusammenhang ist der Absturz bemerkenswert. Aus dem ambitionierten Gouverneurskandidaten, ehemaligen Präsidentschaftsbewerber und jahrelangen Trump-Jäger wurde innerhalb weniger Monate ein zurückgetretener Ex-Abgeordneter, dessen Handy und Laptop nun beim FBI liegen. Und da ein Bundesrichter offenbar genügend Anhaltspunkte sah, um nicht nur die Geräte sicherzustellen, sondern auch Swalwells Haus durchsuchen zu lassen, dürfte die Geschichte noch längst nicht zu Ende sein.

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