Während die Welt vor allem auf die Marktpreise für Rohöl blickt, tut sich insbesondere bei den Raffinerieprodukten eine wachsende Lücke auf. Diesel wird mittlerweile so knapp, dass dieser sogar teurer verkauft wird als Kerosin. Und schon dort ist die Lage kritisch. Wie geht es weiter?
Große Teile unserer Wirtschaft würden ohne Dieselmotoren gar nicht mehr funktionieren. Von Traktoren und Mähdreschern in der Landwirtschaft über Bagger und andere Baumaschinen, hin zu Lastkraftwagen und Schiffen für den Transport von Gütern – sie alle benötigen ihren Kraftstoff. Doch während die Wirtschaftsportale alle paar Sekunden ihre Preisticker für die verschiedenen Rohölsorten wie Brent oder WTI anpassen, muss man für Produkte wie Benzin, Diesel oder Kerosin schon etwas weiter suchen. Dabei sind diese für die Realwirtschaft von größerer Bedeutung.
Auch dort spielen Angebot und Nachfrage eine wichtige Rolle bei der Preisbildung. Und derzeit sieht es gerade in Sachen Angebot ziemlich düster aus. Die aktuellen Ölpreise sind nämlich nur die halbe Geschichte. Das eigentliche Problem liegt nicht nur in den Störungen der globalen Ölversorgung durch den Iran-Krieg samt der faktischen Blockade der Straße von Hormus, oder den Angriffen der Ukrainer auf die russische Energieinfrastruktur – sondern eben auch in der Verarbeitung des schwarzen Goldes in den Raffinerien selbst. Denn viele Kapazitäten wurden entweder stillgelegt, durch kriegerische Akte zerstört oder eben wegen der Hormus-Blockade produktionstechnisch eingeschränkt.
Der Dieselmarkt befindet sich im Krisenmodus
Dies zeigen auch aktuelle Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Im vergangenen Juli lag die globale Raffinerieverarbeitung demnach um fast fünf Millionen Barrel pro Tag (bpd) unter dem Vorjahresniveau. Der seeseitige Handel mit Ölprodukten brach gegenüber Juli 2025 um 3,8 Millionen Barrel täglich ein. Besonders deutlich zeigt sich die Misere beim Diesel: Russland, der Nahe Osten und Asien exportierten zusammen 1,3 Millionen Barrel pro Tag weniger als ein Jahr zuvor. Das entspricht ungefähr einem Fünftel des weltweiten Dieselhandels auf See. Entsprechend weniger kam in Europa an – im Juli waren es 1,56 statt der noch 1,97 Millionen bpd im Januar. Diesel kostete deshalb mit Aufschlägen von teils mehr als 76 Dollar pro Barrel zeitweise sogar mehr als Kerosin.
Die Raffineriemargen – der sogenannte Diesel-Crack – lagen in den Vereinigten Staaten am 17. August zum ersten Mal über 100 Dollar je Barrel. Das heißt, bei einem Rohölpreis von 80 Dollar kostete der Dieseltreibstoff bereits mehr als 180 Dollar – also mehr als das Doppelte. Gleichzeitig lagen die amerikanischen Destillatbestände auf dem niedrigsten August-Niveau seit 1996. Die US-Raffinerien laufen nahezu unter Volllast und exportieren enorme Mengen. Trotzdem schrumpfen die Vorräte, weil die Nachfrage angesichts der Ausfälle aus Russland und dem Nahen Osten weltweit geradezu explodiert.
Für die Europäer, die besonders stark auf Importe angewiesen sind, ist die derzeitige Lage alles andere als rosig. Selbst wenn sich die Situation in Sachen Rohöllieferungen wieder normalisieren sollte, bleibt das Problem der Importabhängigkeit von den Destillaten. Denn seit 2009 verschwanden laut Angaben des Branchenverbandes FuelsEurope ganze 35 Raffinerien vom europäischen Markt – ein Fünftel der damaligen Kapazität ist weg. Doch der Bedarf ist seitdem nicht gesunken. Aber was will man erwarten, wenn die sich im Klimawahn befindliche Politik mit hohen Energiepreisen, CO2-Abgaben und immer strengeren Auflagen den Betrieb einfach unwirtschaftlich macht? Die Wertschöpfung findet nun woanders statt und die Europäer müssen darauf hoffen, auf den Märkten überhaupt noch genügend Sprit zusammenkratzen zu können.
Brüssel im Realitätsverweigerungsmodus
Die Brüsseler Eurokraten üben sich derweil jedoch lieber in der Realitätsverweigerung. Noch am 24. Juli behauptete man nach einer Sitzung ihrer Oil Coordination Group, dass es „zu diesem Zeitpunkt kein Versorgungsproblem“ gebe. Man beachte den Politikersprech: „zu diesem Zeitpunkt“. Nun ja, man wusste aber schon damals, dass weiterhin eine kritische Versorgungslage besteht, die so schnell nicht wieder verschwindet. Das Ergebnis zeigt sich schon wenige Wochen später deutlich in extrem hohen Raffineriemargen, sinkenden Importvolumina und steigenden Preisen an den Tankstellen.
Besonders problematisch ist dies auch deshalb, weil der von Brüssel vorangetriebene „European Green Deal“ samt Energiewende zwar viel Geld kostet, aber effektiv nicht viel bringt. Ein paar Elektroautos mehr auf den Straßen reichen nicht aus, um den Bedarf an Diesel deutlich zu drücken. Vor allem auch deshalb, weil gerade die anderen wichtigen Bereiche (Landwirtschaft, Baumaschinen, Schwerverkehr) nicht elektrisch betrieben werden können. Doch die Eurokraten und deren Helfershelfer in den Hauptstädten reißen lieber die bestehenden fossilen Brücken hinter sich ab, bevor die gewünschten elektrischen Brücken überhaupt aufgebaut wurden und tatsächlich nutzbar sind.





