Kulturkampf um Ketchup: Man kann „Jesus“ jetzt ausdrücken und in den Müll werfen

Symbolbild: KI

Für soziale Medien braucht man gute Nerven – nicht ohne Grund boomt der „Detox“ von X und Konsorten. Als Konservativer kann man sich über manchen viralen Trend schon wundern: So wurde es zum Beleg für den Untergang des Abendlandes erklärt, dass man den Namen Jesu nicht auf Ketchupflaschen drucken lassen konnte. Es würde helfen, sich die links-woke Empörungssucht nicht zum Vorbild zu nehmen.

Ein Kommentar von Vanessa Renner

Allah ist bei der Ketchup-Marke Heinz herzlich willkommen, Jesus dagegen muss leider draußen bleiben – zumindest, wenn man nach der UK-Website des Unternehmens geht, auf der man seine Ketchupflaschen mit Wunsch-Namen personalisieren kann. Dort war „Jesus“ blockiert. „Allah“ nicht.

Das kann man durchaus bemerkenswert finden. Wer „Jesus“ sperrt und „Allah“ zulässt, darf sich über die naheliegende Frage nach zweierlei Maß nicht wundern. Offen bleibt nur, wer hier „diskriminiert“ wird. Warum sollten Menschen ihren Gott oder Erlöser auf einem Lebensmittel sehen wollen?

Dass das Christentum nicht nur in islamischen Ländern unter Beschuss steht, sondern auch im Westen, wo man sich zunehmend dem Islam anbiedert und unterwirft, ist keine Neuigkeit. Für Links-Woke sind Scharia-Morde schon okay, aber das Christentum die Wurzel allen Übels. Bei der „Bild„, die über die Ketchup-Story berichtete, verstieg man sich glatt dazu, Jesus in eine Reihe mit Hitler zu stellen: „BILD machte den Test: Zunächst war die Eingabe von Jesus auf der Bestell-Website tatsächlich nicht möglich – genau wie Hitler oder Nazi“, liest man da. Für die Journalistenden ist das wahrscheinlich alles dasselbe.

Unternehmen lenkte ein: Jesus-Ketchup für alle?

Die ungleiche Filterung kochte in den sozialen Netzen hoch und das Unternehmen Heinz sah sich daraufhin genötigt, einzulenken. „Jesus“ wurde inzwischen entblockt. Sicher, das kann man als Gewinn im Kulturkampf und als neuerlichen Beweis betrachten, dass Unternehmen die Macht des Verbrauchers durchaus fürchten. Gut so.

Es fragt sich nur: Was genau haben wir eigentlich gewonnen? „Jesus“ darf aufs Etikett. Hurra? Dann können wir nun also den Namen Jesu Christi auf eine (ausgerechnet) blutrote Flasche Tomatensoße drucken lassen, sie neben die Grillwürstchen stellen, ein paar Wochen lang benutzen und anschließend zusammen mit „Allah“ in den Müll schmeißen. Ist das ein Sieg des Christentums?

Die Frage muss erlaubt sein, ob der ursprüngliche Filter – aus welchen Gründen auch immer er eingerichtet worden sein mag – nicht doch zu einem Ergebnis führte, das einem gewissen christlichen Ernst näherkam als der erfolgreiche Protest dagegen. Muss der Name Jesu wirklich auf Ketchupflaschen stehen können? Wird die Würde des christlichen Glaubens ernsthaft dadurch verteidigt, dass der Name seines Erlösers zwischen Markenname, Nährwertangaben und Mindesthaltbarkeitsdatum gedruckt werden darf?

Aber die Wokeria bekommt ja auch Schaum vorm Mund, wenn sie ihre Lieblingspronomina in irgendeinem Formular nicht anwählen darf, könnte man sagen. Die Wokeria sollte aber kein Maßstab sein, denn die ist für Intelligenz ohnehin nicht bekannt. Die Dauerempörung in den sozialen Netzen bündelt Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist endlich. Warum mit dröger Politik befassen, wenn ich mich über Ketchup aufregen kann? Warum Rechercheartikel, Studien, Transparenzdatenbanken oder Anträge sichten, wenn ich auf einer Website mit drei Klicks eine Ketchupflasche personalisieren und mich über die Filterung aufplustern kann?

Wer Jesus auf seinem Tomatenketchup von Heinz stehen haben will, kann das jetzt realisieren (allerdings muss er die Flasche im Vereinigten Königreich bestellen). Ob er damit zum Kämpfer für das Christentum und westliche Werte wird, darf aber hinterfragt werden.

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