Friedrich Merz findet die Deutschen bekanntlich zu faul. Das in den vergangen Monaten bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu betonen, war wohl reichlich anstrengend: Zumindest will der Kanzler aller Voraussicht nach stolze vier Wochen Sommerurlaub machen. Im „faulen“ Volk kommt das schlecht an.
„Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten – und deswegen müssen wir mehr arbeiten“, konstatierte Friedrich Merz im Januar in einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. Das war nicht die einzige Gelegenheit, zu der er die Faulheit der Deutschen beklagte. Schon im Mai 2025 hatte er gefordert: „Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten.“
Gestern verbreitete die Hase-Post nun eine dts-Meldung unter dem Titel: „Merz bleibt eine weitere Woche im Urlaub“.
Das Kabinett soll demnach erst am 26. August wieder regulär zusammentreten: Friedrich Merz will wohl, sollte er nicht doch früher wiederkommen, volle vier Wochen Urlaub genießen. Zuletzt öffentlich in Erscheinung trat er am 29. Juli. Beim Bundespresseamt betonte man vor dem Urlaubsantritt, dass der Kanzler ein paar Tage versuche, „auszuspannen“, aber „natürlich immer im Dienst“ sei. Wie dieser Dienst aussieht? Das bleibt offen.
Sagte der Mann, der gerade seinen Urlaub verlängert hat, während Deutschland im wahrsten Sinne brennt.🙄 pic.twitter.com/yJigSqvTAS
— Mel Aura (@mel__aura) August 16, 2026
Ist Merz sein Urlaub wichtiger als die Menschen in Waldbrandgebieten?
Eine kuriose Doppelmoral wird beim Blick auf einen alten Tweet von Merz aus dem Jahr 2022 deutlich, als er den vierwöchigen Urlaub der grünen Ministerin Anne Spiegel trotz der Flutkatastrophe im Ahrtal anprangerte. „Für Frau Spiegel waren Urlaub und das eigene Image wichtiger als das Schicksal der Menschen an der Ahr“, schimpfte er damals und forderte ihre Entlassung.
„Es beweist sich erneut: Für Frau #Spiegel waren Urlaub und das eigene Image wichtiger als das Schicksal der Menschen an der Ahr. Der #Bundeskanzler muss sie entlassen.“ ™ https://t.co/1cO5Uynd2k
— Friedrich Merz (@_FriedrichMerz) April 10, 2022
Und heute? Die Republik ist nicht krisenfrei, wie etliche Nutzer in den sozialen Netzen anprangern. Statt einer Flut machen Deutschland aktuell beispielsweise mehrere Waldbrände zu schaffen. Das jüngste Feuer im Hürtgenwald etwa gilt als größter Waldbrand, den Nordrhein-Westfalen je gesehen hat. NRW-Innenminister Herbert Reul (der vor Ort war, nicht im Urlaub) sieht die Verantwortung bei „irgendeinem Idioten“, der das Feuer verursacht habe: „Darum muss man nachdenken, wie verantwortungslos die Leute in der Gegend rumrennen und einfach irgendwas wegwerfen. Das ist das eigentliche Problem.“ Ein Problem, das zwischenzeitlich eine vierstellige Anzahl von Einsatzkräften und Helfern beschäftigte.
Friedrich Merz beließ es derweil bei einer kurzen Wortmeldung aus dem Urlaub:
In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände. Ich werde über die Entwicklung laufend unterrichtet. Wo immer möglich, leisten Bundespolizei und Bundeswehr Hilfe. Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz.
Man hätte nach seinem Hacken gegen Spiegel wohl etwas mehr erwarten können. Neben zahlreichen Einsatzkräften unterstützen übrigens genau wie bei der Ahrtal-Flut auch wieder Hunderte Landwirte diese und weitere Löscharbeiten. Sie holen beispielsweise Wasser aus Talsperren und bringen es an den Einsatzort. „In erster Linie füllen wir Wasser nach, das von den Hubschraubern oder den anderen Feuerwehrleuten benutzt wird“, erörterte Markus Wipperfürth aus Pulheim gegenüber dem WDR. Und auch Privatleute helfen, wo sie können. Der NRW-Innenminister hatte die große Hilfsbereitschaft immerhin gelobt: „1400 Leute aus Bund und Ländern, alle helfen mit – ich finde das grandios.“ Merz nimmt dieses Engagement in der Bevölkerung offenkundig nicht einmal wahr.
Das kann man durchaus als Signal werten, dass die Menschen sich auf Hilfe aus der Politik besser nicht verlassen sollten. Am Ende sind es neben Einsatzkräften die Bauern und eigenen Nachbarn, die in der Krise zur Tat schreiten. Die Obrigkeit sendet lieber leere Floskeln aus dem Urlaub und belässt es – wenn überhaupt – bei einem nachträglichen „Danke für Ihren Einsatz“. Gemessen daran, wie die politische Kaste die brennenden Probleme im besten Deutschland ignoriert, könnte man ohnehin glatt meinen, der Kanzler befinde sich im Dauerurlaub.






