Der Trick mit dem billigen Ökostrom: Die Milliardenrechnung landet im Netz und beim Steuerzahler

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Die eigentlich günstige Kohle wird mit politischem Druck aus Europas Stromversorgung gedrängt, doch von den seit Jahren versprochenen dauerhaft billigen Strompreisen ist bei den Verbrauchern wenig angekommen. 2025 sank der Anteil von Stein- und Braunkohle an der EU-Stromerzeugung auf historisch niedrige 9,2 Prozent, während die Haushalte noch immer deutlich mehr für Elektrizität bezahlen als vor der Energiekrise von 2022. Denn die Rechnung der Energiewende verschwindet nicht mit Kohlekraftwerken und Kernreaktoren – sie wandert in Netzentgelte, Förderzahlungen, Redispatch, Abregelungsentschädigungen, Reservekraftwerke und schließlich immer öfter direkt in den Staatshaushalt.

Eurostat vermeldet bei der europäischen Kohleverstromung inzwischen einen historischen Tiefstand. Gerade einmal 105.601 Gigawattstunden oder 3,7 Prozent der EU-Bruttostromerzeugung kamen 2025 noch aus Steinkohle, weitere 154.186 Gigawattstunden beziehungsweise 5,5 Prozent aus Braunkohle. Zusammen waren es nur noch 9,2 Prozent. 1990 lieferte Kohle mehr als ein Drittel des europäischen Stroms, im Jahr 2000 waren es noch 30,4 Prozent. Windkraft zog 2023 an beiden Kohlearten vorbei, Solarenergie 2024. Die politische Richtung ist damit umgesetzt worden: Konventionelle, regelbare Kraftwerke werden zurückgedrängt, die wetterabhängige Stromproduktion übernimmt einen immer größeren Teil des Systems. Nur die Rechnung des Verbrauchers weigert sich beharrlich, der politischen Werbebroschüre zu folgen.

Im zweiten Halbjahr 2025 kosteten 100 Kilowattstunden Haushaltsstrom in der EU durchschnittlich 28,96 Euro und damit sogar etwas mehr als in den ersten sechs Monaten des Jahres. Eurostat stellt ausdrücklich fest, dass die Preise weiterhin deutlich über dem Niveau vor der Energiekrise von 2022 liegen. Deutschland brachte es mit 38,69 Euro je 100 Kilowattstunden auf den zweithöchsten Haushaltsstrompreis der Europäischen Union; nur Irland war noch teurer. Es ist jenes Land, das seine Kernkraftwerke gesprengt, seine Kohlekraftwerke politisch zum Auslaufmodell erklärt und seine Landschaft mit Windrädern und Solaranlagen vollgepflastert hat, das damit weiterhin zur europäischen Strompreis-Spitze gehört.

Der Börsenpreis ist nicht die Stromrechnung

Der politische Trick beginnt schon bei der Frage, was überhaupt als „billiger Ökostrom“ verkauft wird. Wenn an einem windreichen Sonntag große Mengen Windstrom gleichzeitig ins Netz drücken oder im Hochsommer tausende Solaranlagen zur selben Mittagsstunde produzieren, kann der Großhandelspreis kräftig fallen. Mitunter wird er sogar negativ – also man muss sogar noch Geld dafür bezahlen, dass die Elektrizität überhaupt noch abgenommen wird. Und eben diese Stunden werden dann gerne herausgegriffen, um zu demonstrieren, wie angeblich konkurrenzlos günstig Wind und Sonne seien. Für den Verbraucher sagt dieser Preis jedoch nur sehr begrenzt etwas darüber aus, was die Stromversorgung tatsächlich kostet. Die Kilowattstunde aus der Steckdose besteht eben nicht nur aus jenem Preis, der während einer bestimmten Viertelstunde an der Börse aufgerufen wird.

Schon auf der Erzeugerseite endet die Rechnung nicht zwangsläufig beim Marktpreis. Für geförderte Anlagen in der Direktvermarktung existiert die Marktprämie. Ihre Berechnung orientiert sich am sogenannten anzulegenden Wert und am Marktwert des erzeugten Stroms. Sinkt der Marktwert, steigt grundsätzlich die Differenz, die über die Förderung aufgefüllt werden muss. Der von den Klimafanatikern gerne gefeierte niedrige Börsenpreis kann damit gleichzeitig dazu führen, dass an anderer Stelle mehr Geld fließt. Einschränkungen bei negativen Preisen ändern am Grundmechanismus nichts: Der Börsenpreis ist nicht identisch mit dem tatsächlichen Erlös des Anlagenbetreibers und schon gar nicht mit den Gesamtkosten des Stromsystems.

Besonders bequem wurde diese Rechnung in Deutschland seit 2023 organisiert. Die EEG-Umlage verschwand von der Stromrechnung – und damit aus dem direkten Blickfeld des Konsumenten. Verschwunden ist die Förderung der erneuerbaren Energien selbstverständlich nicht. Sie wird nun aus dem Bundeshaushalt bezahlt. Für 2026 errechneten die Übertragungsnetzbetreiber einen EEG-Finanzierungsbedarf von 16,152 Milliarden Euro. Anstelle des Stromkunden wird damit der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Die linksgrüne Planwirtschaft hat nicht aufgehört, Milliarden in ihr bevorzugtes Energiesystem zu pumpen; sie hat lediglich die Kasse gewechselt.

Der Unterschied ist politisch ausgesprochen praktisch. Sinkt die sichtbare Belastung auf der Stromrechnung, kann von „Entlastung“ gesprochen werden. Werden dafür Milliarden aus Steuereinnahmen verwendet, verschwindet dieses Geld in einem Haushalt mit hunderten Milliarden Euro Volumen und lässt sich wesentlich schlechter einer einzelnen Kilowattstunde zurechnen. An den realen Kosten ändert das nichts. Der Bürger bezahlt weiterhin – nur eben über eine andere Rechnung.

Flatterstrom verlangt nach immer mehr Netz

Noch größer wird die Differenz zwischen Börsenpreis und tatsächlichen Kosten, sobald der Strom das Kraftwerk oder Windrad verlassen hat. Ein konventionelles Kraftwerk kann seine Leistung gezielt bereitstellen und seine Produktion dem Bedarf anpassen. Ein Windpark produziert dann, wenn das Wetter es erlaubt. Eine Solaranlage produziert dann, wenn die Sonne scheint. Ob der Strom gerade gebraucht wird, ob tausende andere Anlagen gleichzeitig dasselbe tun oder ob die Leitungen überhaupt genügend Kapazität besitzen, interessiert weder Wind noch Sonne. Aus diesem ganz einfachen physikalischen Problem entsteht ein gewaltiger infrastruktureller Aufwand, der in der politischen Erzählung vom angeblich billigen Ökostrom gerne unter den Tisch fällt.

Die Bundesnetzagentur verwendet dafür eine deutliche Bezeichnung: „Mehrkosten in Netzen aus der Integration von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien“. Netzbetreiber in Regionen mit besonders viel Wind- und Solarstrom müssen Leitungen verstärken, Umspannwerke ausbauen und ihre Netze auf Strommengen ausrichten, die zu bestimmten Zeiten gleichzeitig anfallen. Diese Kosten werden inzwischen bundesweit verteilt. Für 2026 dürfen 238 Netzbetreiber über diesen Mechanismus 2,725 Milliarden Euro umlegen. Der ideologische Irrsinn bekommt damit sogar eine eigene amtliche Kostenposition: Erst wird die wetterabhängige Erzeugung politisch forciert, anschließend müssen Milliarden ausgegeben werden, damit die Netze mit den Folgen dieses Umbaus überhaupt zurechtkommen.

Die Vorstellung, Windstrom koste lediglich das, was an der Börse für ihn bezahlt wird, wird spätestens hier zur Milchmädchenrechnung. Leitungen entstehen nicht kostenlos, Netzverstärkungen ebenso wenig. Offshore-Windparks benötigen kilometerlange Anschlüsse durch Nord- und Ostsee, der Strom aus windreichen Regionen muss in industrielle Verbrauchszentren transportiert und immer stärkere Schwankungen zwischen Überangebot und Knappheit müssen technisch ausgeglichen werden. Die Energiewende verlagert ihre Kosten damit systematisch aus der unmittelbaren Stromerzeugung in die Infrastruktur. Genau diese Zusammenhänge stehen auch im Mittelpunkt meines neuen Buches „Der Windkraft-Wahn„. Denn wer die Kosten der Windkraft nur am Börsenpreis misst und Netzausbau, Förderung, Reserveleistung oder Eingriffe in den Kraftwerksbetrieb ausblendet, rechnet sich das gewünschte Ergebnis selbst herbei.

Strom wegwerfen – und dafür bezahlen

Besonders grotesk wird die Klimawahnpolitik, wenn bereits erzeugter Strom wegen überlasteter Netze gar nicht erst eingespeist werden kann. Dann werden Anlagen heruntergeregelt, andere Kraftwerke an anderer Stelle hochgefahren und anschließend sämtliche Beteiligte für ihre Eingriffe entschädigt. Die Bundesnetzagentur beziffert die vorläufigen Kosten des deutschen Netzengpassmanagements für 2025 auf 3,071 Milliarden Euro. Allein 1,176 Milliarden Euro entfielen auf Einsatzkosten beim Redispatch konventioneller Anlagen, weitere 433 Millionen Euro wurden als finanzieller Ausgleich für abgeregelte erneuerbare Energien fällig.

Der Mechanismus könnte kaum absurder sein. Wind- oder Solarstrom wird produziert, kann aber wegen eines Netzengpasses nicht aufgenommen werden. Die Anlage wird abgeregelt, der Betreiber erhält einen finanziellen Ausgleich, während andernorts ein regelbares Kraftwerk hochfahren muss, damit das Stromsystem stabil bleibt. Der Verbraucher bezahlt damit nicht nur für die Anlage, sondern auch dafür, dass sie zeitweise nicht produziert, sowie für jene Kraftwerke, die anschließend einspringen müssen. Anschließend zeigt ein Klimafanatiker auf den niedrigen Börsenpreis derselben Stromart und erklärt den Leuten auch noch, erneuerbare Energien seien unschlagbar billig.

2025 wurden in Deutschland insgesamt 15,55 Terawattstunden Erzeugung heruntergeregelt, davon 9,38 Terawattstunden aus erneuerbaren Anlagen. Gleichzeitig mussten an anderer Stelle Kraftwerke hochgefahren werden. Steinkohlekraftwerke lieferten für den positiven Redispatch 3,14 Terawattstunden zusätzlich, Gaskraftwerke 4,14 Terawattstunden. Mit anderen Worten: Die Politik lässt Windräder und Solaranlagen aufbauen, deren Strom teilweise nicht durch das Netz passt, regelt sie gegen Entschädigung ab und lässt anschließend ausgerechnet fossile Kraftwerke hochfahren, um die Netzstabilität zu sichern. Dass dieses System Milliarden verschlingt, ist die logische Konsequenz.

Die Kraftwerke sollen verschwinden – verfügbar bleiben müssen sie trotzdem

Damit endet die Rechnung noch immer nicht. Ein Stromsystem braucht nicht nur Energie, sondern jederzeit an den Bedarf anpassbare verfügbare Leistung. Hundert Gigawatt installierte Windkraft können während einer großflächigen Flaute eben auch nur einen Bruchteil dieser Leistung liefern. Nachts fällt Solarenergie vollständig aus. Wer regelbare Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke aus dem Markt drängt, muss deshalb anderweitig dafür sorgen, dass genügend Leistung bereitsteht, wenn Wind und Sonne nicht liefern. Genau deshalb existieren Netzreserve, Reservekraftwerke, Regelenergie und inzwischen immer intensivere Diskussionen über zusätzliche Kapazitätsmechanismen.

Allein die Vorhaltekosten für Reservekraftwerke lagen 2025 nach Angaben der Bundesnetzagentur bei rund 952 Millionen Euro, weitere 407 Millionen Euro entfielen auf deren Einsatz. Zusammen waren das rund 1,359 Milliarden Euro. Diese Kraftwerke laufen nicht ständig. Sie müssen aber betriebsbereit gehalten, gewartet, bemannt und mit Brennstoff versorgt werden, damit sie einspringen können, sobald die wetterabhängige Erzeugung oder das Netz versagt. Die Klimawahnpolitik verdrängt konventionelle Anlagen damit aus dem regulären Markt und bezahlt anschließend dafür, dass ein Teil derselben Kraftwerkskapazität trotzdem in Reserve bereitsteht.

Deutschland lieferte 2025 ein geradezu lehrbuchhaftes Beispiel dafür, wie wenig installierte Wind- und Solarleistung mit gesicherter Stromversorgung zu tun hat. Erneuerbare Energien stellten im letzten Jahr bereits 57,3 Prozent der Bruttostromerzeugung. Trotzdem stieg die Stromproduktion aus Steinkohle gegenüber dem historisch niedrigen Vorjahr um 10,9 Prozent, die Erzeugung aus Erdgas um 5,8 Prozent. Die AG Energiebilanzen nennt als einen wesentlichen Grund ausdrücklich die schlechten Windbedingungen. Wenn der Wind nicht mitspielt, dann müssen jene Kraftwerke liefern, deren Abschaffung politisch längst beschlossen wurde.

Gleichzeitig erzeugte Deutschland 2025 insgesamt nur 509,2 Milliarden Kilowattstunden Strom und blieb im dritten Jahr in Folge Nettoimporteur (wobei man den Strom zumeist billig exportierte und teuer importierte). Im Jahr 2000 waren noch 576,6 Milliarden Kilowattstunden erzeugt worden. Nach einem Vierteljahrhundert Energiewende, hunderttausenden Solaranlagen, zehntausenden Windrädern und einem gigantischen politischen wie finanziellen Aufwand produziert Deutschland also weniger Strom als damals – und verlangt von seinen Haushalten gleichzeitig einen der höchsten Strompreise Europas. Und dies, obwohl die Wirtschaft und der Verkehr dem Wunsch der Klimawahnpolitiker zufolge noch weiter elektrisiert werden sollen.

Selbst die Netzkosten brauchen inzwischen Steuermilliarden

Wie groß das Kostenproblem inzwischen geworden ist, zeigt die nächste Verschiebung. Für 2026 erhalten die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, damit die Netzentgelte nicht noch stärker auf die Strompreise durchschlagen. Ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch soll dadurch rechnerisch etwa 100 Euro sparen. Das verkauft die Bundesregierung als Entlastung. Tatsächlich bezahlt der Bürger die Netzkosten weiterhin – nur diesmal über Steuern und den Bundeshaushalt.

Diese Art der politischen Buchführung zieht sich inzwischen durch die gesamte Energiewende. EEG-Umlage zu teuer? Ab in den Bundeshaushalt. Netzentgelte zu hoch? Milliarden aus dem Klima- und Transformationsfonds. Netze durch Wind- und Solarzubau besonders belastet? Kosten bundesweit verteilen. Erneuerbare wegen Überproduktion oder Netzengpässen abregeln? Betreiber entschädigen. Konventionelle Kraftwerke aus dem Markt drängen, aber weiterhin benötigen? Als Reserve bezahlen. Auf diese Weise kann man an zahlreichen Stellen behaupten, einzelne Komponenten seien billiger geworden, während die Gesamtrechnung weiter wächst.

Eurostat zeigt dasselbe Problem auf europäischer Ebene. Im zweiten Halbjahr 2025 bestanden 28,9 Prozent der durchschnittlichen Haushaltsstromrechnung in der EU aus Steuern und Abgaben. Der Preis vor Steuern sank gegenüber dem ersten Halbjahr sogar leicht – doch höhere staatliche Belastungen fraßen diese Senkung vollständig auf. Der Verbraucher zahlte am Ende mehr.

Die Kohle geht, die Rechnung steigt

Der Absturz der Kohleverstromung auf nur noch 9,2 Prozent des europäischen Strommixes ist angesichts dieser Tatsachen ein Beweis dafür, wie gründlich sich die Kostenstruktur der Stromversorgung verändert hat. Beim konventionellen Kraftwerk waren große Teile der Rechnung noch vergleichsweise einfach zu erkennen: Kraftwerk, Brennstoff, Personal, Wartung und Netzanschluss. Im linksgrün umgebauten Stromsystem verteilen sich Milliarden dagegen auf Förderkonten, Netzausbau, Offshore-Anbindungen, Redispatch, Abregelungen, Reservekraftwerke, Regelenergie, staatliche Zuschüsse und immer neue Umlagemechanismen.

An der Strombörse kann Windstrom während eines Sturms trotzdem für wenige Euro oder sogar zu negativen Preisen gehandelt werden. Das ist kein Beweis für eine billige Stromversorgung, sondern häufig ein Signal dafür, dass gerade mehr Strom angeboten wird, als Markt und Netz sinnvoll aufnehmen können. Ein Land benötigt Elektrizität aber nicht nur dann, wenn Wind und Wetter den politischen Wunschvorstellungen entsprechen. Krankenhäuser, Fabriken, Bahn, Rechenzentren und Haushalte brauchen sie 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Und eben diese Fähigkeit zur jederzeitigen Versorgung kostet Geld. Je stärker die Politik regelbare Kraftwerke durch wetterabhängigen Flatterstrom ersetzt, desto mehr dieser Kosten wandern aus der eigentlichen Stromproduktion in Netze, Reserven, Speicher, Fördermechanismen und staatliche Haushalte. Wer anschließend nur auf den momentanen Börsenpreis zeigt und daraus „billigen Ökostrom“ macht, präsentiert dem Bürger lediglich einen kleinen Ausschnitt der Rechnung.

Der eigentliche Trick der Energiewende besteht nicht darin, Strom billig gemacht zu haben. Er besteht darin, immer größere Teile seiner Kosten so zu verteilen, dass kaum noch jemand auf den ersten Blick erkennt, wie teuer das gesamte System tatsächlich geworden ist.

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