Seit 27 Jahren „kurz vor der Zerstörung“: Das Great Barrier Reef erholt sich schon wieder

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Seit Jahrzehnten dient das Great Barrier Reef als eines der beliebtesten Symbole für die angeblich unmittelbar bevorstehende Klimakatastrophe. Noch 2025 sorgte ein Rückgang der Korallenbedeckung nach starken Bleichen für Schlagzeilen über einen angeblichen „Kipppunkt“ und ein Riff, das sich womöglich bald nicht mehr erholen könne. Ein Jahr später sind die Korallen wieder gewachsen – im Norden sogar um fast 17 Prozent, obwohl die Wassertemperaturen erneut deutlich über dem langjährigen Durchschnitt lagen.

Das Great Barrier Reef hält sich hartnäckig nicht an seinen von den Klimafanatikern festgelegten Sterbeplan. Das Australian Institute of Marine Science (AIMS) hat für seinen jüngsten „Annual Summary Report of Coral Reef Condition 2025/26“ insgesamt 121 Riffe entlang des riesigen australischen Korallenriffs untersucht. Das Ergebnis fällt denkbar schlecht für all jene aus, die nach der Bleiche der vergangenen Jahre bereits die nächste ökologische Todesanzeige formuliert hatten. Im nördlichen Abschnitt des Great Barrier Reef stieg die durchschnittliche Bedeckung mit Hartkorallen innerhalb eines Jahres von 30,0 auf 35,1 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 16,7 Prozent. Damit liegt die Korallenbedeckung dort wieder deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 27 Prozent.

Auch im zentralen Bereich ging es kräftig nach oben: von 28,6 auf 31,6 Prozent. Der langfristige Durchschnitt liegt dort gerade einmal bei 20 Prozent. Lediglich im südlichen Abschnitt sank der Wert geringfügig von 26,9 auf 26,4 Prozent. Diese Veränderung liegt laut AIMS innerhalb der statistischen Unsicherheit. Von einem großflächigen weiteren Zusammenbruch, wie er nach den alarmistischen Meldungen der vergangenen Jahre zu erwarten gewesen wäre, kann also keine Rede sein.

Überdurchschnittlich warm – und trotzdem wächst das Riff

Besonders unangenehm für die Narrative der Klimafanatiker sind die Temperaturen. Während des australischen Sommers lagen die Meeresoberflächentemperaturen entlang des Great Barrier Reef rund 0,7 bis 1,2 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Trotzdem registrierten die Wissenschaftler über weite Teile des Riffs nur geringe Bleiche. Bei 56 Prozent der untersuchten Riffe blieb die Korallenbedeckung im Wesentlichen unverändert. 28 Prozent legten zu, lediglich 16 Prozent verloren Korallen. AIMS selbst schreibt, dass die Ergebnisse die Fähigkeit vieler Riffe demonstrierten, Störungen zu überstehen und sich davon zu erholen, wenn der Stress begrenzt bleibt und die Bedingungen günstig sind.

Doch eben genau diese erstaunliche Widerstandsfähigkeit des Riffs kommt in der öffentlichen Erzählung seit Jahren regelmäßig zu kurz. Fällt die Korallenbedeckung, ist der Klimawandel schuld und der ökologische Kollaps angeblich einen weiteren Schritt näher. Steigt sie wieder, ist das plötzlich keine Nachricht über die Robustheit eines jahrmillionenalten Ökosystems, sondern bestenfalls eine kurze Atempause vor der nächsten Katastrophe.

Dabei könnte die Entwicklung kaum anschaulicher sein. Nach der starken Bleiche 2024 ging die Korallenbedeckung in der Erhebung für 2024/25 tatsächlich deutlich zurück. Im Norden fiel sie beispielsweise von 39,8 auf 30 Prozent. Und schon war wieder von einem angeblichen „Kipppunkt“ die Rede – jenem Zustand, von dem sich das Riff zwischen großen Störungen angeblich nicht mehr schnell genug erholen könne. Nun, ein Jahr später, erholt es sich bereits wieder.

1999 sollte die vollständige Zerstörung „unmittelbar bevorstehen“

Noch interessanter wird die Geschichte mit einem Blick in die Archive. Am 26. Juni 1999 veröffentlichte der britische Guardian einen Artikel des Umweltaktivisten und Kolumnisten George Monbiot. Seine damalige Aussage hätte kaum eindeutiger ausfallen können: Die unmittelbar bevorstehende vollständige Zerstörung der Korallenriffe der Welt sei „keine Panikmache, sondern eine Tatsache“. Das war vor 27 Jahren. Kinder, die damals geboren wurden, nähern sich inzwischen ihrem 30. Geburtstag. Das Great Barrier Reef ist immer noch da. Mehr noch: Die Korallenbedeckung erreichte in den vergangenen Jahren zeitweise die höchsten Werte seit Beginn der systematischen AIMS-Messungen in den 1980er-Jahren.

Dazwischen ereigneten sich immer wieder schwere Bleichen. Große Ereignisse wurden unter anderem 1998, 2002, 2016, 2017, 2020, 2022, 2024 und 2025 registriert. Jedes Mal lief dieselbe mediale Maschine an. Weiße Korallen lieferten spektakuläre Bilder, und die Medien mit „beispiellos“, „Katastrophe“, „Kipppunkt“ und „sterben“ die passenden Schlagworte. Nur ist Bleiche nicht gleich Tod. Korallen stoßen unter Stress die mit ihnen lebenden symbiotischen Algen ab und verlieren dadurch ihre Farbe. Hält die Belastung zu lange an, können sie sterben. Verbessern sich die Bedingungen rechtzeitig, können sie ihre Algen wieder aufnehmen und sich erholen. Eben diese Erholung findet am Great Barrier Reef immer wieder statt.

Aus Rekordständen wurde binnen eines Jahres das angeblich „instabile System“

Wie schnell sich die Interpretation der gleichen Messreihe verändern kann, zeigte das vergangene Jahr besonders deutlich. Obwohl die Korallenbedeckung nach dem Rückgang 2024/25 noch immer auf einem historisch hohen Niveau lag, sprach AIMS-Forscher Mike Emslie von einem „ziemlich ernüchternden Jahr“ und erklärte die starken Schwankungen zu einem wahrscheinlichen Zeichen eines „instabilen Systems“. Das Problem dieser Argumentation ist offensichtlich: Steigen die Korallenbestände auf Rekordniveau, beweist das offenbar nicht die Widerstandsfähigkeit des Systems. Fallen sie anschließend, beweist der Rückgang dagegen dessen Instabilität. Erholen sie sich im nächsten Jahr wieder, bleibt die vermeintliche Klimabedrohung selbstverständlich bestehen. So lässt sich praktisch jedes Messergebnis in dieselbe Richtung interpretieren.

Der australische Meeresforscher Peter Ridd weist seit Jahren auf diesen Widerspruch hin. Weil AIMS inzwischen keinen einzelnen Gesamtwert für die Korallenbedeckung des gesamten Great Barrier Reef mehr veröffentlicht, hat Ridd die regionalen Daten zusammengeführt. Seine Auswertung zeigt, dass die reefweite Korallenbedeckung in jedem der vergangenen fünf Jahre höher lag als während sämtlicher vorausgegangener 35 Jahre der Messreihe.

Damit muss man nicht behaupten, das Great Barrier Reef könne niemals wieder schwere Schäden erleiden. Korallenriffe sind dynamische Ökosysteme. Zyklone zertrümmern Korallenstöcke, Dornenkronenseesterne fressen ganze Riffabschnitte leer, Krankheiten treten auf, Meerestemperaturen schwanken und Bleichen gehören seit langem zur bekannten Geschichte des Riffs. Gerade deshalb ist die seit Jahrzehnten gepflegte Untergangserzählung einfach nur falsch.

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