Im sächsischen Plauen fand am Samstag eine Großkundgebung gegen die Politik der Bundesregierung statt. Unter dem Motto „Merz muss weg“ trugen rund 10.000 Teilnehmer im Vogtland ihren Protest auf die Straße. Gefordert wurden unter anderem der Rücktritt der Regierung, Neuwahlen, niedrigere Energiesteuern, die Ausweisung straffälliger und illegaler Migranten sowie eine ÖRR-Reform. Formiert sich endlich sichtbarer Widerstand?
Man sagt den Deutschen gern nach, sie würden viel meckern, wären zugleich aber extrem obrigkeitshörig. Der 8. August fiel hier immerhin aus dem Rahmen, denn da erstrahlte Plauen in Schwarz-Rot-Gold. Mit Rufen wie „Merz muss weg!“ und „Wir sind das Volk!“ zogen Tausende Menschen durch die Stadt. Auch blaue Flaggen mit Friedenstauben waren zu sehen.
Der Albertplatz in Plauen ist überfüllt – überall 🇩🇪-Fahnen und die Menge donnert „Wir sind das Volk. Merz muss weg". Es fühlt sich an wie im Oktober 1989, als 15.000 Menschen hier zusammenkamen und den Einsturz der DDR-Diktatur einleiteten.
— Deutscher Schäferhund (@DeutscherSchfe3) August 8, 2026
Demo „Projekt M1llion“. 🔥 pic.twitter.com/d2PRmsqeRI
Die Protestler orientierten sich an der friedlichen DDR-Bürgerrechtsbewegung: In Plauen fand im Oktober 1989 die erste Großdemo gegen das SED-Regime statt, die von der Staatsmacht nicht mehr aufgelöst werden konnte. Am Samstag kam nun wieder eine fünfstellige Zahl an Bürgern zusammen, um ihren Unmut gegen die aktuelle Regierung zu zeigen.
Dieser Unmut scheint in den sozialen Netzen längst allgegenwärtig zu sein. Auch hinter vorgehaltener Hand im Kreise von Menschen mit gleichen Ansichten schimpft es sich gut. Doch öffentlichkeitswirksamer Protest? Das liegt den Bürgern gemeinhin nicht.
Liegt’s am erwartbaren Framing derartiger Demos als rechts bis rechtsextrem? Das blieb auch nach Plauen nicht aus. Absurd mutete auch das Vorgehen gegen die Trommler an, die den Aufzug begleiteten: Als sie sich während der Demo zusammenschlossen und gemeinsam spielten, stoppte die Polizei prompt den Demonstrationszug und kesselte die Trommler ein. Tatsächlich störten die Behörden sich an der „militärischen Wirkung“ des Trommelns – kurios, wenn man bedenkt, wie kriegsbegeistert sich die Bundesregierung im Hinblick auf den Ukrainekrieg gibt.
🇩🇪Plauen, Vogtland.
— Grokograph (@Rocko_Graf) August 8, 2026
Friedliche Demo.
Deutsche Fahnen.
Trommeln.
Und die Polizei kesselt die Trommler ein.
Grund?
Ihr Rhythmus hätte militärischen Charakter.
Ernsthaft?🤬
Während anderswo Steine fliegen, Autos brennen und Polizisten angegriffen werden, ist in Plauen… pic.twitter.com/4KL0XXdQil
Dass die Bilder des Meeres von Deutschlandfahnen am Wochenende nicht in Tagesschau und Co. zu sehen waren, wo sie ein großes Publikum erreicht hätten, war erwartbar. Demos gegen Rechts – und somit für die brandmauernde Regierung – werden selbst dann behandelt, wenn sie nur einen Bruchteil der Teilnehmerzahl erreichen. Aber in Plauen wurde nun überdeutlich, dass die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung inzwischen ganz ohne NGO-Unterstützung Busse füllen, Autokonvois organisieren und mit 10.000 Menschen eine Innenstadt fluten und in Schwarz-Rot-Gold hüllen kann.
Das sollte nicht nur der Regierung ein Signal sein, sondern auch all den anderen Unzufriedenen in der Bevölkerung. Jammerei und Schwarzmalerei führen nirgendwohin. Es reicht nicht, sich über Missstände nur zu beschweren und in der privaten Blase zu verharren. Wer seine Überzeugungen ernst nimmt, muss sie sichtbar vertreten. Auf der Straße bei Demonstrationen, aber auch im Alltag im Gespräch mit Nachbarn, Kollegen und Freunden. Anders als von Linken (die am Samstag übrigens nur 400 Gegenprotestler zusammenbekamen) behauptet, stehen die bösen Regierungskritiker keineswegs allein…





