Sie hatte gerade erst ihre eigene Praxis als Physiotherapeutin eröffnet: Die Notwendigkeit der Corona-Impfung stand für Christiane Anfang 2021 außer Frage. Rückblickend gibt sie sogar zu: Sie selbst trug das Impfnarrativ anfangs mit. Heute ist sie erschüttert über ihr eigenes Verhalten und schämt sich. Sie selbst kam ihr Vertrauen teuer zu stehen, denn sie erlitt einen schweren Impfschaden. Im Interview mit Johannes Clasen vom MWGFD lässt sie die Corona-Jahre Revue passieren und berichtet unter anderem, wie sie als offiziell „Ungeimpfte“ mit Impfschaden zwischen alle Fronten geriet.
Der folgende Artikel erschien zuerst beim MWGFD:
Sie wollte Leben schützen – und verlor fast ihr eigenes. Die Physiotherapeutin Christiane Gund war eine überzeugte Befürworterin der Corona-Impfung. Heute lebt sie mit den Folgen eines schweren Impfschadens: doppelte Hirnvenenthrombose, Hirnblutung, Hemiparese, Epilepsie, dauerhafte Einschränkungen. In der Interviewreihe „geimpft, geschädigt, geleugnet“ sprach sie mit Johannes Clasen über Angst, Vertrauen, Druck – und darüber, wie allein sie sich seit ihrem Zusammenbruch fühlt.
Sie wollte damit die Welt retten
Als Christiane Gund am 20. Februar 2021 im Impfzentrum Mannheim ihre AstraZeneca-Impfung erhielt, war für sie völlig klar: Das ist der richtige Weg. Sie glaubte an die Impfung. Sie vertraute Ärzten, Politik und Behörden. Und sie empfand die Impfung fast als Pflicht. Denn eine echte Entscheidungsfreiheit habe sie damals nicht gehabt.
Die Physiotherapeutin gehörte zur höchsten Priorisierungsgruppe. Ohne Impfung hätte sie nicht mehr arbeiten dürfen. Gerade erst hatte sie ihre eigene Praxis eröffnet – mit Kredit und langfristigem Mietvertrag. Gleichzeitig war ihre Mutter schwer an Krebs erkrankt. Die Angst, sie mit Corona anzustecken, saß tief. Zudem sei das für sie „eine ganz normale Impfung, dass man dann gesund bleibt“ gewesen.
Rückblickend beschreibt sie sich selbst als starke Impfbefürworterin. Sie habe Menschen vom Impfen überzeugen wollen, habe Druck weitergegeben, den sie selbst gespürt und von den Behörden auferlegt bekommen habe. Auf Ungeimpfte habe sie mit dem Finger gezeigt: „Hier, der ist es.“ Zu Johannes Clasen sagt sie heute erschüttert:
„Ich hätte dich praktisch auch zum Scheiterhaufen geführt.“
Heute ist sie fassungslos über sich selbst.
Stunden später beginnt der Albtraum
Schon kurz nach der Impfung reagierte ihr Körper massiv. Innerhalb von zwei Stunden bekam sie über 40 Grad Fieber. Sie versuchte, sich zu beruhigen: „Ja, das gibt’s mal, das kennen wir ja auch von kleinen Kindern, wenn die geimpft werden.“
Doch das Fieber blieb. Am nächsten Tag brachte ihr Mann sie ins Krankenhaus. Sie konnte kaum noch laufen.
„Es musste auch jemand mithelfen, auf dem Parkplatz, mich aus dem Auto zu holen.“
Ihr Mann durfte sie nicht begleiten. In der Notaufnahme bekam sie Medikamente. Eine Ärztin beruhigte sie:
„Frau Gund, Sie haben eine Impfreaktion, Sie sind nicht die erste, aber das gibt es mal.“
Nach einigen Stunden wurde sie wieder nach Hause geschickt – trotz hohem Fieber, Erschöpfung und Herzrhythmusstörungen.
Heute wirkt dieser Moment wie der Beginn einer fatalen Fehleinschätzung. Denn später wird man massive Hirnschäden und sogar einen Thrombus im Herzen finden.
Fehlende Meldung ans PEI
Heute weiß sie: Bereits damals hätte ihr Fall von den Ärzten als schwere Impfnebenwirkung gemeldet werden müssen. Christiane Gund meldete ihre Beschwerden selbst an das Paul-Ehrlich-Institut – zunächst direkt am 21. Februar aus der Notaufnahme heraus, später am 24. Februar erneut per Handy. Eine Rückmeldung auf diese Meldungen erhielt sie nicht.
Erst zwei Wochen später, als sie schon in einem lebensbedrohlichen Zustand war, wurde ihr Fall am 5. März 2021 seitens der Klinik ans Paul-Ehrlich-Institut gemeldet.
Arbeiten trotz Fieber – aus Angst um die Existenz
Christiane Gund schleppte sich weiter durch den Alltag. Ihre Praxis war erst kurz zuvor eröffnet worden. Patienten warteten. Rechnungen mussten bezahlt werden.
Also nahm sie Fiebersenker und arbeitete weiter:
„Ich hab Fiebersenker genommen, um arbeiten zu können.“
Erneut suchte sie ärztliche Hilfe. Doch auch ihr Hausarzt erklärte ihr, eine Impfreaktion könne „schon fünf Tage dauern“. Fatalerweise veranlasste er keine weiteren Untersuchungen. Zudem vertraute sie weiterhin den Ärzten:
„Ich war der Meinung, ich brauch nicht mehr zum Arzt gehen, warum soll ich zum Arzt gehen, wenn es nur eine Impfreaktion ist, wenn ich untersucht worden bin.“
Doch Christianes Beschwerden wurden schlimmer. Massive Kopfschmerzen kamen hinzu, arbeiten war nicht mehr möglich. Mit vermeintlicher Migräne ging sie zur Osteopathin, erbrach sich dort vor Schmerzen. Trotzdem ging sie nicht mehr in die Klinik – weil ihr immer wieder gesagt wurde, es sei „nichts“.
„Gelähmt zusammengebrochen“
Am elften Tag nach der Impfung alarmierten ihre Kinder den Vater, da Christiane Gund kaum noch reagierte. Doch sie weigerte sich vehement, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, da sie glaubte, ausreichend untersucht worden zu sein.
Zwei Tage später brach sie morgens gelähmt zusammen.
Ihr Mann alarmierte den Rettungswagen. Doch die Antwort schockierte ihn: Bei einer Impfreaktion müsse man zum Hausarzt gehen.
Erst als die Praxis des Hausarztes öffnete und dieser selbst den Rettungsdienst rief, kam Hilfe. Im Krankenhaus stellten die Ärzte schließlich fest, wie dramatisch ihr Zustand war: doppelte Hirnvenenthrombose, geplatzte Gefäße, eine 7,5 Zentimeter große Hirnblutung. Das Gehirn war so massiv angeschwollen, dass man ihr nicht helfen konnte.
„Egal, was sie mir gegeben haben, es wurde immer schlimmer.“
Immer weitere Thrombosen entstanden –
„in vielen Organen, im Herz, in der Lunge, in der Leber, im Bein, im Bauchraum“.
Dabei war ihre Gerinnungsstörung bereits vor der Impfung bekannt und dokumentiert worden.
In der Nacht entfernten Ärzte einen Teil ihrer Schädeldecke, um den Druck zu senken. Ihrem Mann hatte man gesagt, dass das wahrscheinlich „nicht klappen“ werde.
„Es war […] leider so, dass ich dem Tod sehr nahe stand.“
Zwischen Leben und Tod
Vieles aus dieser Zeit weiß sie nicht mehr. Sie lag mit gestörten Blutgerinnungsfaktoren auf der Intensivstation, verlor viel Blut, erhielt Blutkonserven, kämpfte ums Überleben.
Und doch erinnert sie sich an einen Gedanken: Sie habe nie geträumt zu sterben, sondern dass sie vielen Menschen helfe. Und tatsächlich: Sie überlebt. Doch ihr Leben wird nie wieder dasselbe sein.
Kurz nach ihrem Fall traten auch in Österreich ähnliche Fälle auf. AstraZeneca geriet zunehmend in Verruf. Die Universität Greifswald warnte davor, Heparin in Verbindung mit dem Impfstoff einzusetzen, weil dadurch Thrombosen verstärkt werden könnten. Der Impfstoff wurde für zwei Wochen ausgesetzt.
Am 30. März 2021 traten Angela Merkel und Jens Spahn vor die Öffentlichkeit und erklärten, dass es nach AstraZeneca-Impfungen zu Hirnvenenthrombosen gekommen sei, das Nutzen-Risiko-Profil aber weiterhin positiv bewertet werde. AstraZeneca solle fortan nur noch für Menschen über 60 Jahren eingesetzt werden. Zweitimpfungen mit AstraZeneca wurden nur noch auf freiwilliger Basis empfohlen, gleichzeitig riet man zu sogenannten Kreuzimpfungen mit anderen Herstellern.
Für Christiane Gund ist das bis heute schwer zu ertragen. Denn sie kennt mehrere Menschen mit ähnlichem Schicksal, die erst später geimpft wurden. Menschen, deren Schäden ihrer Ansicht nach hätten verhindert werden können, wenn Politik und Behörden früher anders reagiert hätten.
Als sie das Krankenhaus verließ, trug sie einen Helm, da ein Teil ihres Schädels und „viel Hirnmasse“ fehlten. Später erhielte sie ein Implantat aus Hartschaumplastik. Danach begannen schwere epileptische Anfälle.
Heute leidet sie neben der Halbseitenlähmung unter schwerer Epilepsie und Sehstörungen. Gleich mehrere Faktoren erhöhen das Risiko für einen epileptischen Anfall: die fehlende Hirnmasse, das Implantat aus Hartschaumplastik mit den tiefen Narben am Kopf und die massive Vorschädigung des Gehirns.
Dinge, die früher selbstverständlich waren, sind nun gefährlich oder unmöglich geworden: in der Badewanne liegen, das Fahrradfahren mit Helm, einfache Alltagswege wie „ins Auto setzen und Klopapier kaufen“ seien heute eine große Herausforderung.
„Es ist so gruselig, aber das ganze Leben ist ja jetzt gruselig.“
„Wir werden nicht versorgt“
Besonders schmerzhaft ist für sie nicht nur der körperliche Schaden – sondern vor allem das Gefühl, nach all dem allein gelassen worden zu sein: von Freunden, vom System, von der Gesellschaft und von der Politik.
Über Kontakte zur SPD versuchte Christiane Gund immer wieder, Politiker auf ihr Schicksal und das vieler anderer Betroffener aufmerksam zu machen. Denn:
„Es darf nicht mehr passieren! Es darf nicht mehr passieren!“
Heute klingt in ihrer Stimme vor allem Resignation mit.
„Es wird nicht dokumentiert, es wird auch in meinem Fall einfach gesagt: Ist halt so, gewöhnen Sie sich dran.“
Ein Satz, der sie tief trifft.
Besonders schwer wiegt für sie, dass sie sich „auf das Versprechen des Staates verlassen“ hatte, „dass einem bei Impfschäden geholfen wird.“ Doch genau das erlebt sie bis heute nicht. Obwohl ihr Impfschaden offiziell anerkannt wurde, muss sie bis heute um Therapien, Rezepte und Medikamente kämpfen:
„Es ist jedes Mal ein Kampf.“
Dabei hätte sie nach ihrer Entlassung intensive Unterstützung gebraucht. Sie musste wieder sprechen lernen, gehen lernen, essen lernen. Halbseitig gelähmt saß sie im Rollstuhl – und erhielt dennoch nicht die Therapien, die sie dringend gebraucht hätte.
„Ich hätte ein halbes Jahr alles kriegen müssen. Ergotherapie, Logopädie, Reha, Physiotherapie.“
Doch als Selbstständige fiel sie durch viele Raster des Versorgungssystems. Selbst in ihrer eigenen Praxis bekam sie keine Therapie.
Dass sie heute überhaupt wieder arbeiten kann, verdankt sie vor allem ihrem eigenen Kampfgeist.
„Ich hab jeden Tag trainiert und geübt.“
Immer wieder habe sie eingefordert, dass mit ihr gearbeitet werde.
„Ich war da sehr renitent.“
Der Druck, zu impfen
Besonders bitter und aus heutiger Sicht unverständlich: Trotz ihrer schweren Reaktion ließ sie sich später erneut impfen – zweimal mit BioNTech. Auch ihre Kinder und ihr Mann erhielten weitere Impfungen.
Warum?
Weil sie nach nur einer AstraZeneca-Impfung offiziell weiterhin als ungeimpft galt. Weil sie Angst hatte, beruflich erneut ausgegrenzt zu werden. Weil ihr niemand eine Impfbefreiung attestieren wollte. Und weil sie erleben musste, dass Ungeimpfte teilweise keine Behandlung erhielten:
„Hattest du keine Impfung, keine Behandlung. Krank. Das ist krank.“
Hinzu kam die Angst, die Ärzte ihr und ihrer Familie vermittelt hatten: Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands könne sie an einer Corona-Infektion sterben.
„Diese Angst, jemanden zu verlieren, war so schlimm.“
Auch ihre Berufsverbände hätten massiven Druck aufgebaut. So kopierte sie Impf-Ausweise ihrer Mitarbeiter, archivierte sie und kontrollierte Vorgaben – aus Angst, ihre Praxis zu verlieren.
„Ich hab gedacht, dass ich das machen muss. Dass ich die Welt weiterhin retten kann.“
Dann stockt sie.
„Und hab gedacht, die Welt rettet mich. Aber es war halt nicht so.“
Zwischen allen Fronten
Nach ihrem öffentlichen Auftreten in RTL und SWR bekam sie Hass und Anfeindungen von beiden Seiten zu spüren:
Impfgegner schrieben ihr, sie sei selbst schuld an ihrem Schicksal. Impfbefürworter drohten ihr, die sie mit nur einer Impfung als ungeimpft galt, ebenfalls: „Zu viele Ungeimpfte, zu wenig Sensen“, so der Post eines Patienten.
Christianes Verletzungen sitzen tief. Denn sie war selbst lange Teil genau dieses Systems aus Druck und Ausgrenzung gewesen. Schuldbewusst erinnert sie sich an ihre ungeimpfte Reinigungskraft, der sie den Zutritt zur Praxis verweigern musste. Als diese schwanger war, sagte sie zu ihr:
„Wenn du dich nicht impfen lässt, du bringst dein Kind um.“
Heute schämt sie sich für diese Sätze.
„Es war leider so. Ich hab das alles so gedacht.“
Ein Trauma, das bleibt
Trotz allem arbeitet Christiane Gund heute zeitweise wieder als Physiotherapeutin. Seit ihrem Wiedereinstieg organisiert ihr Mann die Praxis, übernimmt Bürokratie und vieles im Alltag. Nach außen funktioniert sie. Doch innerlich ist vieles zerbrochen. Sie ist schwer traumatisiert.
Besonders beschäftigt sie die Frage, warum ihrer Meinung nach bis heute keine umfassende Aufarbeitung stattfindet.
„Für jeden Scheiß gibt es einen Untersuchungsausschuss, aber für diese Sache nicht.“
Auch beruflich beobachtet sie Entwicklungen, die ihr Sorgen machen. Seit Jahrzehnten arbeitet sie als Physiotherapeutin – doch das Ausmaß schwerer Erkrankungen, das sie heute erlebt, erschüttert sie. Denn inzwischen sehe sie zunehmend Darmkrebs, Brustkrebs, Schlaganfälle, Guillain-Barré-Syndrom oder ALS – auch bei jungen Menschen – wie sie es in dieser Häufigkeit früher nicht erlebt habe. Denn das seien
„eigentlich alles so Erkrankungen gewesen, wo du dann gesagt hast, so was gibt’s mal. […] . Aber dass ich das so massiv hab, auch bei uns hier im Ort, dass wir drei ALS-Erkrankte haben, bei denen zwei verstorben sind und jung, ja mitten im Leben. […] Das ist ungewöhnlich.“
Vor allem aber macht ihr Angst, wie eine ähnliche Krise künftig gehandhabt werden könnte. „Ich mach mir ganz große Sorgen, was wir beim nächsten Mal machen.“
Denn nachträgliche Erkenntnisse helfen ihr und ihrer Familie nicht mehr.
„Es hilft mir nicht, das nachträglich zu bemerken. Mir ist es passiert, meiner Familie.“
Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte? Christiane antwortet zunächst erschreckend ehrlich: Wenn sie bei diesem Zeitsprung so wäre wie damals, würde sie es wieder genauso machen. Weil sie wieder funktioniert hätte. Weil sie wieder vertraut hätte. Weil sie wieder Teil des Systems gewesen wäre.
Doch mit dem Wissen von heute sagt sie unter Tränen zwei Worte:
„Nie mehr.“
Und sie ergänzt:
„So lang die mir nicht beweisen können, was der Fehler war […] und solange nichts offengelegt und dokumentiert wird, wäre ich raus.“
Für Christiane Gund bleibt deshalb vor allem diese Hoffnung: Dass Menschen mit schweren Nebenwirkungen künftig früher ernst genommen werden und dass das Geschehene gründlich aufgearbeitet wird, damit nicht erneut aus Warnzeichen Tragödien werden, die ein Leben und ganze Familien für immer verändern. Möge diese Hoffnung wahr werden.





