Der schwere Waldbrand, der seit dem 31. Juli 2026 westlich von Athen tobt und die Stadt Megara mit rund 36.000 Einwohnern bedroht, hat nach Erkenntnissen der griechischen Behörden eine technische Ursache. Die Direktion für Brandstiftungskriminalität (DAEE) kommt zu dem Schluss, dass ein Stromkabel einer Windkraftanlage das Feuer ausgelöst hat. Zwei Ingenieure sollen schuld sein – sie sitzen in Untersuchungshaft.
Nach Auswertung von Videoaufnahmen, Zeugenaussagen und der Untersuchung des Brandortes kamen die Ermittler zu dem Ergebnis, dass es im privaten Netz, das den Strom von einem Windpark mit fünf Turbinen zum öffentlichen Versorgungsnetz transportiert, zu Schwingungen der Leitungen kam. Diese erzeugten Funken, die auf die trockene Vegetation fielen und den Brand entfachten.
Das Feuer brach am Freitagmorgen, 31. Juli 2026, in der Region Böotien aus und griff durch starke Winde rasch auf Westattika über. Die Flammen sind bis auf wenige Kilometer an die Stadt Megara (ca. 36.000 Einwohner, rund 50 km westlich von Athen) herangerückt.
10.000-12.000 Hektar Wald, Buschland und landwirtschaftliche Flächen wurden vernichtet, Dutzende Häuser beschädigt oder zerstört. Mehrere Ortschaften und der Industriepark von Megara mussten evakuiert werden. Der Bürgermeister von Megara beschrieb die Lage als „chaotisch“.
Im Zuge der Ermittlungen nahmen die Behörden am Sonntag (2. August) zwei Personen fest: den Elektroingenieur, der die Bauleitung des Projekts geführt hatte, und den Bauunternehmer, der für den Bau des Stromübertragungsnetzes zuständig war. Gegen beide wurde ein Verfahren wegen Brandstiftung mit mutmaßlichem Vorsatz als schweres Verbrechen eingeleitet. Auch gegen den Betreiber der Windkraftanlage wird ermittelt.
Besonders brisant: Die Windkraftanlage wurde im Mai an das Stromnetz angeschlossen, die Stromübertragung begann Anfang Juni und am 27. Juni brach an nahezu derselben Stelle ein kleinerer Brand aus. Er konnte damals noch relativ schnell gelöscht werden.
Den von den Brandermittlern der Feuerwehr zusammengestellten Akten zufolge ergaben Sachverständigengutachten, dass Schwingungen der Freileitungen aufgrund von Konstruktionsmängeln Funken erzeugten. Die Ermittler werfen den Verantwortlichen zudem die Nichteinhaltung der technischen Vorschriften für den Bau, die Inspektion und die Wartung der Übertragungsleitung sowie das Fehlen der gesetzlich vorgeschriebenen Freihaltung von Vegetation unterhalb der Kabelverbindungen und um den Stützmast herum vor.
Während die Ermittlungen weiterlaufen, kämpfen Hunderte Feuerwehrleute, unterstützt von Einsatzkräften aus Frankreich und Rumänien sowie Löschflugzeugen und Hubschraubern, weiterhin gegen die Flammen. Starke und unberechenbare Winde erschweren die Löscharbeiten massiv. Bei einem Zusammenstoß zweier Löschhubschrauber kamen zudem zwei Besatzungsmitglieder ums Leben.
Dieser Fall wirft die Frage auf, warum eine Windkraftanlage in einer stark brandgefährdeten Region errichtet wurde. In derartigen Gebieten (trockene, windige, schwer zugängliche Regionen) steigt das Risiko erheblich, wenn Vorschriften und Sicherheitsauflagen nicht strikt eingehalten und überwacht werden. Dabei liegt die Verantwortung nicht nur bei den Betreibern, sondern auch bei den Genehmigungsbehörden und den Stellen, die die Anlagen kontrollieren.






