Rechtsextreme tragen ganz normale Kleidung und sind nicht als Rechtsextreme erkennbar. Für diese Feststellung einer über Jahre laufenden „Modestudie“ blecht der österreichische Steuerzahler knapp 400.000 Euro.
Ein Kommentar von Vanessa Renner
393.972 €: Das ist die Bewilligungssumme des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF für die sogenannte Studie „Fashion and the Far Right: The New Complexity in Style“ von einer „Modeforscherin“ der Wiener Akademie der bildenden Künste. Der FWF wird von Steuergeldern finanziert – verantwortlich ist Eva-Maria Holzleitner (SPÖ), Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung. Rund 340 Millionen Euro „investierte“ der FWF laut eigenen Angaben im Jahr 2025, 77 Millionen davon in „Geistes- und Sozialwissenschaften“.
Das Forschungsprojekt zu Mode und Rechtsextremismus soll von Oktober 2023 bis Juli 2027 laufen und beschäftigt sich mit der Kleidung der gefürchteten „extremen Rechten“. Mode wäre zur Waffe geworden, heißt es in der Beschreibung. Doch schon dort liest man heraus, dass man die bösen Extremisten eben nicht an der Kleidung erkennen kann: „Aktuell zeichnet sich die rechtsextreme Modeästhetik durch Polysemie (Mehrdeutigkeit) aus, die hier als ’neue stilistische Unübersichtlichkeit bezeichnet wird (Gaugele 2019; Gaugele/Held 2021; Habermas 1985).'“
Ein Schelm, wer hier mutmaßt, dass man ein offenkundiges Nicht-Ergebnis einer Studie als strategische „Unübersichtlichkeit“ deklariert, um weiterhin Forschungsgelder erhalten zu können. Das Forschungsteam sammle Daten „durch lokale und Online- Feldforschung sowie durch Archivrecherchen in Deutschland, den USA und in Europa“, heißt es in der Beschreibung weiter. Wer oder was als „rechtsextrem“ identifiziert wird, erörtert man leider nicht. Warum auch? Das Prinzip „Jeder, den ich nicht mag, ist Hitler“ funktioniert für Linke seit jeher, da muss man sich nicht mit Definitionen aufhalten. Die Studie arbeite jedenfalls „mit einer feministisch-materialistischen Forschungsmethode der Situationsanalyse (Clarke 2005)“, so berichtet man.
Man setze nicht nur auf Workshops, Symposien und Veröffentlichungen für die akademische Fachgemeinschaft (wer immer das sein mag), sondern auch auf das Informieren der Öffentlichkeit durch eine Reihe von Podcasts. Auch international sei man vernetzt:
International arbeitet das Forschungsteam der Akademie der bildenden Künste Wien mit dem Polarization and Extremism Research and Innovation Lab (PERIL) der American University in Washington zusammen. Begleitet wird es von einem internationalen Beirat, bestehend aus fünf renommierten Rechtsextremismusexpert:innen vom C-Rex, dem Zentrum für Extremismusforschung, Oslo; vom Archiv der Jugendkulturen, Berlin; vom Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM); von der Guglielmo Marconi Fernuniversität, Rom; und aus der National Commission for Countering Extremism, UK.
Mainstream berichtet brav
Auf der Website des Projekts finden sich allerhand Medienberichte zu der „Forschung“. Jüngst berichtete der „Standard“ über „Extrem-Kleidung“: „Rechtsextreme Stile sind extrem parasitär“, ließ man die oberste Modeforscherin schon in der Titelzeile zu Wort kommen. Rechtsextreme Gruppen würden sich Stile aus dem gesamten Modespektrum aneignen, so fasst man zusammen. Diese sogenannte Diversifizierung habe Methode! Das ist bestimmt keine Verschwörungstheorie!
Unfreiwillig komisch wirkt ein Sujet des Standards in den sozialen Netzen, das Martin Sellner im Polo-Shirt zeigt. Darunter steht der Text: „Weil sie [Anmk: die rechtsextremen Stile] auf ‚Kopieren und Klauen‘ basieren, ähneln sie oft auch linken Kleidungstrends.“ Soll Martin Sellner das gepflegte Erscheinungsbild der Linken „kopiert und geklaut“ haben? Die Linke wird gemeinhin eher mit einer gewissen Verwahrlosung assoziiert.
Tatsächlich hat der Standard aber schon im November 2024 über die Modestudie berichtet. Schon damals wies man auf Labels wie „Phalanx Europe“ hin, das auf „fremdenfeindliche Slogans“ setze. Doch was genau tragen die bösen Rechten denn? Ganz normale Kleidung, musste man eingestehen. Rechtsextreme würden sich „unauffällig im Normcore kleiden“. Skandalös!
In der FAZ griff man das Thema im Oktober 2024 auf und titelte mit „Extrem normal“. „Erst gab es Skinheads mit Springerstiefeln, dann Nazi-Hipster mit Vollbart. Heute gibt es Normies. Das sind Rechtsextreme, die sich durch nichts vom Durchschnitt unterscheiden – außer durch ihre Gesinnung“, so die Zusammenfassung des Artikels. Man könnte fast zu dem Schluss kommen: Diese sogenannte Modestudie lief schon vor zwei Jahren ins Leere. Die Förderung floss offenkundig trotzdem weiter.
Neue Erkenntnisse scheint es seither nicht gegeben zu haben. Im aktuellen Bericht des Standard werden Streetwear, Polohemden mit „Old Money“-Ästhetik und „Tradwife“-Mode genannt. Ist also jeder Polohemden-Träger ein Rechtsextremer? So weit will man nicht gehen: „Insgesamt ist rechtsextreme Mode mittlerweile nur noch dann von der Durchschnittsperson als solche zu erkennen, wenn Symbole präsent getragen werden“, so das Fazit im Standard. „Ich glaube aber nicht, dass alle dieser Symbole bekannt sind, weil ich selbst nicht alle lesen kann“, räumt die Forscherin ein und verweist auf eine linke Plattform, die vermeintliche Nazi-Codes sammeln will.
„From the River to the Sea“ ist Nazi
Wer nun die verlinkte Plattform sichtet, staunt nicht schlecht: Für die Linken hinter dieser Website sind sogar Palästinenser rechtsextrem und „Nazi“. „Fashion against Fascism“ identifiziert sich selbst als „offenes Bündnis der größten deutschen Mode- und E-Commerce-Plattformen, das menschenverachtende Kürzel in der größten Datenbank für Nazi Codes sammelt und so dafür sorgt, dass sie nicht mehr aus Unwissenheit weiterverbreitet werden“. Sogenannte rechtsextreme Codes sind demnach beispielsweise:
- „ASAB“: „All Salafists are Bastards“ – eine eindeutige Diskriminierung armer Salafisten und laut Datenbank rechtsextrem.
- „FAFO“: Fuck around and find out ist ein bekannter Spruch ohne festen Politikbezug, wird hier aber kurzerhand als „Nazi“ gehandelt.
- „From the River to the Sea“: Hamas-Freunde und Palästinenser sind jetzt ebenfalls Rechtsextreme.
- „Let’s Go Brandon“: Biden-Kritik ist anscheinend nach wie vor „Nazi“.
- „USA“: Das stehe für „Unser seliger Adolf“. (Freundlicherweise wird darauf hingewiesen, dass es auch für die United States of America stehen könne. Bleibt zu hoffen, dass die Antifa diese Anmerkung liest.)
- „Wenn dich diese Flagge stört, dann helfe ich dir packen“: Bei der Argumentation bekam wohl jemand Schnappatmung. Dort heißt es:
Auch wenn dieser Satz auf den ersten Blick scheinbar harmlos wirkt, verbirgt sich hinter ihm eine zutiefst antidemokratische, autoritäre, fast schon faschistische Weltansicht. Andersdenkenden und als nicht-deutsch gelesenen Personen wird indirekt (über ein oberflächlich freundliches Hilfsangebot) mit Ausweisung bzw. Vertreibung gedroht.
Auch allerhand Zahlencodes will man enttarnt haben. „192“ stehe ganz bestimmt für „Adolf is back“, so postuliert man beispielsweise. „191“ derweil bedeute „SA“.
Damit ist über die Objektivität und Aussagekraft der „Datenbank“ viel gesagt. Die Tabelle auf der Website wirkt ähnlich gehaltvoll wie die steuergeldfinanzierte „Modestudie“, deren Autorin auf sie verweist. Ob den Österreichern die Erkenntnis, dass vermeintliche „Rechtsextreme“ wie ganz normale Menschen aussehen, 400.000 Euro Steuergeld wert war? Wenn man so weit links steht, dass der Rest der Welt rechtsextrem erscheint, wird früher oder später vielleicht jedes Kleidungsstück irgendwie „Nazi“…





