Indiens Premierminister Narendra Modi unterstützt den Ausbau der Kernenergie im Land. Innerhalb der nächsten 10 Jahre soll die Atomstromproduktion mehr als verzehnfacht werden. Das erhöht den Druck auf die globalen Uranmärkte. Wer sich keine langfristigen Lieferungsgarantien sichert, wird bald schon enorme Probleme bekommen.
Indien braucht mehr verlässlichen und steuerbaren Strom. Die Wirtschaft des Subkontinents wächst unaufhaltsam weiter und damit auch der Energiebedarf. Doch wie auch in den Industriestaaten ist der Flatterstrom aus Wind- und Solarenergie keine praktikable Lösung für das mittlerweile bevölkerungsreichste Land der Welt. Denn die Stromnetze Indiens sind noch weniger dafür ausgelegt als jene in Europa. Weil aber die Verbrennung von Kohle wegen des global grassierenden Klimawahns zusehends verpönt ist, soll der Atomstrom dies regeln.
Zur Erreichung des Ziels von 100 Gigawatt an nuklearer Kraftwerksleistung (derzeit sind es gerade einmal 8 Gigawatt) bis zum Jahr 2047 betreibt die indische Regierung deshalb eine aktive Rohstoffdiplomatie. Bei einem Besuch in Australien hat die Regierung in New Delhi die letzten bürokratischen Hürden genommen, um australisches Uran zu importieren – auf Basis eines Abkommens von 2014. Unter Aufsicht der IAEO fließt der dringend benötigte Kernbrennstoff künftig nach Südasien. Für Australien ist das ein Riesengeschäft, schließlich sitzt das Land auf knapp 28 Prozent der weltweiten Uranreserven.
Doch man verlässt sich in New Delhi nicht auf einzelne Lieferanten. Erst im März schloss Indien einen Mega-Vertrag mit dem kanadischen Branchenriesen Cameco. Fast 22 Millionen Pfund U3O8 wurden für die Jahre 2027 bis 2035 gesichert. Der Marktwert liegt bei rund 2,6 Milliarden kanadischen Dollar. Dazu kommen bestehende Lieferungen aus Russland und Usbekistan sowie eine überschaubare heimische Förderung.

Doch die indischen Ambitionen in Sachen Kernenergie stoßen auch auf Limits. Denn der Weltmarkt ist bereits jetzt schon überhitzt – und der anhaltende Nuklearboom in immer mehr Ländern erhöht den Druck. Die globale Minenförderung kann mit dem wachsenden Bedarf durch neue Atomkraftwerke nicht mehr mithalten. Analysten von Goldman Sachs mussten ihre Modelle kürzlich anpassen, weil der globale Boom bei kleinen modularen Reaktoren (SMR) die Nachfrage zusätzlich anheizt. Die Versorgungslücken wachsen.
Die Rohstoffsicherung wird zum Wettlauf gegen die Zeit. Staatliche Käufer sichern sich weltweit Volumina, solange der Markt überhaupt noch Material hergibt. Selbst der weltgrößte Förderer Kasachstan baut inzwischen eigene strategische Reserven auf, in der Hoffnung, diese in Zukunft zu deutlich höheren Preisen verkaufen zu können. Gleichzeitig betreiben viele Betreiber bestehender Reaktoren kaum eine langfristige Vorsorge, so dass diese künftig mit Versorgungsschwierigkeiten rechnen müssen.
Gerade in Zeiten wie diesen wird deutlich, dass mit dem Bau von neuen Atomkraftwerken die gleichzeitige Sicherung von langfristigen Lieferverträgen unerlässlich ist. Ohne ausreichend Brennstäbe nützt nämlich auch das modernste Kernkraftwerk nichts.





