Nach mehrjährigen Verzögerungen und einer peinlichen Absage im Februar hat die Technische Aufsichtsbehörde endlich grünes Licht für den ersten Urbanliner gegeben. Doch der Start der neuen XXL-Straßenbahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verläuft holprig: Ab Mitte Juli darf sie ausschließlich auf der Tramlinie M4 fahren – und das auch nur eingeschränkt. Berlin versenkte Millionen für Fahrzeuge, auf die die Infrastruktur überhaupt nicht ausgelegt ist.
„Die zuständige Technische Aufsichtsbehörde (TAB) hat für das erste Fahrzeug die Inbetriebnahmegenehmigung erteilt“, heißt es in einer Pressemitteilung der BVG. Die ersten Test- und Schulungsfahrten mit dem Urbanliner beginnen am 8. Juli. Mitte Juli soll die Tram dann in den Fahrgastbetrieb gehen.
Der Urbanliner von Alstom ist mit fast 51 Metern Länge, 2,40 Metern Breite und Platz für bis zu 312 Fahrgäste (92 Sitz- und 220 Stehplätze) die längste Straßenbahn Berlins. Er soll auf stark genutzten Strecken für Entlastung sorgen. Insgesamt sind bis zu 117 Urbanliner (inklusive kürzerer Varianten) bestellt. Fünf Fahrzeuge wurden bislang ausgeliefert.
Nur auf einer Linie und nur in eine Richtung
Allerdings wird der Urbanliner vorerst nicht auf dem gesamten Berliner Straßenbahnnetz eingesetzt. Die Zulassung ist zunächst auf die Tramlinie M4 – mit rund 100.000 Fahrgästen täglich die meistbefahrene Tram-Linie der Hauptstadt – zwischen Falkenberg/Hohenschönhausen und Mitte beschränkt. Bis Ende 2026 sollen auf der Strecke etwa 15 Fahrzeuge im Einsatz sein, bis 2028 rund 30. Dann könnte die BVG den gesamten Verkehr auf der M4 mit dem Urbanliner fahren. Perspektivisch sei laut BVG der Einsatz der neuen Trams auch auf anderen Linien denkbar.
Und es gibt noch eine weitere Einschränkung: Laut einer internen Dienstanweisung, über die der „Tagesspiegel“ berichtet, darf der Urbanliner im Fahrgasteinsatz vorerst nur in eine Richtung eingesetzt werden – er darf nur mit Fahrerstand A voran fahren. Die Tram muss also die Möglichkeit haben, zu wenden. Die BVG hat sich nicht zu dieser Einschränkung geäußert, sie hat lediglich erklärt, dass jedes Fahrzeug einzeln und pro Linie zugelassen werden müsse.
Zulassungsbehörde sagte Nein
Der Weg zur Inbetriebnahme war ein Desaster. Zunächst war ein Einsatz im Fahrgastbetrieb für das erste Quartal 2025 angekündigt. Im Februar 2026 musste eine mit großem Tamtam angekündigte Premierenfahrt mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner kurzfristig abgesagt werden – ein peinliches PR-Fiasko für die BVG. Grund: Fehlende Zulassung wegen Uneinigkeiten mit der Zulassungsbehörde. Es gab Bedenken wegen des hohen Gewichts des Urbanliners (leer ca. 63,5 Tonnen, voll besetzt bis zu 100 Tonnen).
Erst 2025 wurde überprüft, ob die Brücken nach den geltenden Normen ausreichend tragfähig sind. Für die Falkenberger Brücke gilt nun eine verringerte Höchstgeschwindigkeit. Besonders problematisch war der Bereich Alexanderplatz, wo die Tram über alte U-Bahn-Tunnel fährt. Die Infrastruktur war offenbar nicht ausreichend auf die neuen Belastungen vorbereitet. Nach statischen Nachberechnungen wurden zur Absicherung zwei zusätzliche Stützen im U-Bahn-Tunnel eingebaut.
Im Dezember 2020 erhielt der Schienenfahrzeughersteller Bombardier (jetzt Alstom) den Zuschlag von der BVG für die Beschaffung von bis zu 117 neuen Zweirichtungsfahrzeugen. Das Mindestvergabevolumen beträgt rund 350 Millionen Euro.
Ob der Urbanliner langfristig das hält, was er verspricht, oder weiterhin mehr Probleme als Lösungen bringt, wird sich zeigen. Bisher steht er nur für jahrelange Verzögerungen, mangelnde Abstimmung zwischen BVG und Behörden sowie teure Nachbesserungen an der bestehenden Infrastruktur.






