Niederösterreich: Windräder auf Kosten der Bürger – hier formiert sich der Widerstand

Collage - Foto Angelika Starkl: zVg. Hintergrund: EyeEm. Stopp-Schild: juicy_fish / freepik

Viele Niederösterreicher fragen sich, warum der Ausbau der Windräder gerade jetzt mit einer fast schon rücksichtslosen Geschwindigkeit vorangetrieben wird. Die Antwort liegt nicht in der Vernunft, sondern im massiven Druck aus Brüssel. Die EU-Vorgaben sind der Treiber. Doch der Widerstand wächst: Zahlreiche Bürgerinitiativen kämpfen bereits für den Erhalt von Heimat und Naturlandschaft.

Gastbeitrag von Angelika Starkl

Unter der Führung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wurden der „Green Deal“ und das Paket „Fit for 55“ geschnürt. Diese verordnen den Mitgliedstaaten drakonische Ziele: Bis 2030 muss der Anteil erneuerbarer Energien massiv steigen. Österreich drohen bei Nicht-Erreichung dieser Quoten Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

Kritiker sehen darin eine Erpressung der Nationalstaaten: Um das Budget zu schonen, opfert die Politik in Wien und St. Pölten die ländliche Lebensqualität. Da Österreich seine selbstgesteckten Klimaziele bisher verfehlt hat, wurde das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) verabschiedet. Bürgerinitiativen kritisieren, dass dieses Gesetz wie ein Beschleuniger wirkt, der demokratische Mitsprache aushebelt: Vorrang für Konzerne durch die Einstufung der Windkraft als „überragendes öffentliches Interesse“.

Umweltverträglichkeitsprüfungen werden so (UVP) oft zum bloßen Formalakt degradiert. Während Brüssel von Klimaschutz spricht, profitieren vor allem staatliche Energiekonzerne wie die EVN oder Wien Energie, oder Verbund von den hohen Förderungen, die letztlich aber über die Stromrechnung der Bürger finanziert werden. Die Energiewende ist zu einem politischen Prestigeprojekt verkommen, das von der EU-Spitze verordnet wurde. Lokale Besonderheiten, der Schutz von Anrainern vor Bisphenol-Abrieb und der Erhalt gewachsener Naturlandschaften werden dabei den statistischen Tabellen der EU-Kommission untergeordnet.

Um diese Milliarden-Löcher im Budget zu stopfen, wird die Windkraft im Eiltempo durchgepeitscht. Die Kosten dieser Panik-Politik tragen die Menschen in den betroffenen Regionen. Durch die Zerstörung ihrer Heimat, und durch die indirekte Finanzierung dieser Strafzahlungen über Steuern und Abgaben.

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt

Während die Politik in Wien und Brüssel mit Milliarden-Strafzahlungen pokert, kämpfen die Menschen vor Ort mit allen rechtlichen Mitteln um das, was ihnen am wichtigsten ist: eine gesunde, unversehrte Heimat ohne industrielle Belastung. In ganz NÖ kämpfen Bürger gegen Windradausbau. Von den dichten Wäldern des Waldviertels bis in die weiten Ebenen des Weinviertels, bis zum Industrieviertel regt sich jetzt massiver Widerstand.

Was die Landesregierung als Energiewende tituliert, empfinden immer mehr Niederösterreicher als einen industriellen Angriff auf ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit und ihre unberührte Natur. Quer durch das Bundesland formieren sich Bürgerinitiativen, um den radikalen Ausbau der Windkraft zu stoppen. Der Druck auf die ländlichen Regionen in Niederösterreich wächst stetig. Mit dem neuen Sektoralen Raumordnungsprogramm (SekROP) wurden die Weichen für eine Expansion gestellt, die vor kaum einer Grenze haltmacht. Besonders schmerzhaft für viele Anwohner: Die Windkraft dringt nun massiv in die sensiblen Waldökosysteme vor.

  • Bezirk Waidhofen an der Thaya: In Gemeinden wie Karlstein, Thaya und Waidhofen-Stadt gibt es positive Grundsatzbeschlüsse für neue Parks.
  • Bezirk Zwettl & Gmünd: Hier laufen Untersuchungen für Windräder in forstwirtschaftlich genutzten Flächen, was auf starken Widerstand stößt. 
  • Bezirk Gänserndorf: Ein Brennpunkt ist Groß-Schweinbarth (Hochleithenwald), wo Windräder mitten im Wald geplant sind. Auch in Spannberg entstehen bis 2027/28 elf neue, leistungsstarke Anlagen.
  • Bezirk Mistelbach: In Wilfersdorf wurde kürzlich ein großer Park eröffnet; die Region bleibt Kernzone für Erweiterungen.
  • Bezirk Hollabrunn: Im Pulkautal (Wullersdorf/Guntersdorf) sind Anlagen mit Rekordhöhen von bis zu 245 Metern in Planung oder Genehmigung. 
  • Bezirk Bruck an der Leitha: Die Region um Trautmannsdorf und Bruck sieht massives Repowering vor – alte, kleine Windräder werden durch deutlich höhere und leistungsstärkere Modelle ersetzt.
  • Bezirk Baden: Auch hier wurden im neuen Zonenplan Flächen für den “geordneten Ausbau” bestätigt. 

Brennpunkt Waldviertel: Schutz der letzten Rückzugsräume

Lange Zeit galt das Waldviertel als landschaftliches Juwel, verschont von Industrie-Giganten am Horizont. Doch damit soll Schluss sein. Dort befinden sich aktuell nur etwa 20 bis 30 Anlagen (z. B. in den Regionen Japons, Vitis oder Gföhl). Genau deshalb ist der Widerstand gegen die nun geplanten Großprojekte in den dortigen Nutzwäldern besonders heftig. 

In den Bezirken Waidhofen an der Thaya, Zwettl und Gmünd formiert sich erbitterter Widerstand gegen Pläne, riesige Anlagen in Nutzwälder zu bauen. Die IG Waldviertel und die Plattform Lebenswertes Waldviertel warnen vor einer „Industrialisierung des Waldes“. Hier geht es nicht nur um die Optik, sondern um den Erhalt wertvoller Lebensräume für geschützte Vogelarten und die Sorge um den Tourismus, der von der unberührten Stille lebt.

Weinviertel: Ein Land im Windschatten der Rotoren

Im Weinviertel, das bereits jetzt die Hauptlast der Windenergie in Österreich trägt, ist für viele das Maß voll. Hier stehen bereits über 500 Windräder. In den Bezirken Gänserndorf, Mistelbach und Bruck an der Leitha (Wiener Becken) ist die Dichte so hoch, dass Initiativen von einer „vollständigen Industrialisierung der Landschaft“ sprechen. In Groß-Schweinbarth kämpft eine lokale Bürgerinitiative verzweifelt gegen das Vorhaben, Windräder in den Hochleithenwald zu stellen, und fordert vehement eine Volksbefragung. Die Menschen fühlen sich von der Politik übergangen. Ähnlich die Situation im Pulkautal: Rund um das Buchbergmassiv bei Wullersdorf sollen Anlagen mit einer gigantischen Höhe von bis zu 245 Metern entstehen – Dimensionen, die das Landschaftsbild für Generationen zerstören. Die Initiative Zukunft Pulkautal vernetzt hier die Betroffenen und setzt sich gegen die optische Bedrängung zur Wehr.

Für das laufende Jahr und 2027 befinden sich Dutzende weitere Windräder in der Genehmigungsphase oder im Bau, wie etwa das Projekt in Spannberg mit insgesamt 11 neuen Anlagen.

Kritikpunkte: Gesundheit, Abstände und Ortsbild

Der Widerstand ist dabei kein blindes Nein-Sagen, sondern stützt sich auf handfeste Sorgen:

  • Mangelnde Abstände: In Maria Jeutendorf und Pottenbrunn wehren sich Anwohner gegen die Unterschreitung von Mindestabständen zu Wohngebieten. Die Angst vor Infraschall und nächtlichem Schattenwurf ist groß. Je höher die Anlage, desto weiter tragen Schall und der gefährliche Infraschall. Die Gegner fordern daher die 10-H-Regel (Abstand = 10-fache Gesamthöhe). Bei einem 245-Meter-Rad müssten dies 2,5 Kilometer sein – die aktuelle Verordnung halbiert diesen Schutzraum jedoch faktisch.
  • Verlust des Ortsbildes: In Herzogenburg hat die Bürgerliste Gegenwind (BGS) bereits durch Petitionen gezeigt, dass die Bevölkerung Mitsprache fordert, wenn das gewohnte Heimatbild radikal verändert werden soll.
  • Demokratiedefizit: Viele Initiativen, die oft ohne große Budgets oder eigene Homepages in Facebook-Gruppen oder über Mundpropaganda agieren, kritisieren, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.

Die Fronten verhärten sich

Der Widerstand in Niederösterreich ist kein lokales Phänomen mehr, sondern ein landesweites. Ob im Industrieviertel durch Repowering-Projekte oder im hohen Norden durch Wald-Windparks, die Bürger fordern einen Stopp des ungebremsten Ausbaus. Sie verlangen den Erhalt ihrer Naturlandschaften und echten Schutz für die Anrainer, anstatt einer Politik, die den Profit von Energiekonzernen über das Wohl der eigenen Bevölkerung zu stellen scheint.

  1. 10-H-Regel: Forderung nach Abständen, die dem Zehnfachen der Gesamthöhe eines Windrades entsprechen (wie teils in Bayern praktiziert).
  2. Wald-Tabu: Absolutes Bauverbot für Windkraftanlagen in geschützten oder forstwirtschaftlich wertvollen Waldgebieten.
  3. Veto-Recht: Verbindliche Volksbefragungen in allen betroffenen Gemeinden vor Widmungsbeginn.

Das unsichtbare Gift: Mikroplastik und Bisphenol A

Ein oft unterschätztes, aber für Anrainer und Landwirte alarmierendes Problem ist der sogenannte Kantenabrieb (Erosion) der Rotorblätter. Da die Spitzen der Windräder Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichen, wirkt jeder Regentropfen, jedes Hagelkorn und jedes Staubkorn wie Schmirgelpapier auf das Material. Aus Sicht der Windkraftgegner ist dies eine tickende Zeitbombe für unsere Böden und das Grundwasser:

  • Bisphenol A (BPA): Die Rotorblätter bestehen zum Großteil aus mit Glas- oder Kohlefasern verstärkten Epoxidharzen. Diese enthalten Bisphenol A – eine Chemikalie, die bereits in geringsten Mengen hormonell wirksam ist. Kritiker warnen davor, dass dieser giftige Abrieb direkt in die Nahrungskette gelangt, wenn die Anlagen über Äckern, Weiden oder in Wasserschutzgebieten stehen.
  • PFAS – Die „Ewigkeitschemikalien“: Um die Oberflächen der riesigen Flügel wetterfest zu machen, werden oft Beschichtungen verwendet, die Per- und Polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) enthalten. Diese Stoffe werden in der Natur praktisch nie abgebaut (daher der Name „Ewigkeitschemikalien“). Sie reichern sich im menschlichen Körper an und stehen im Verdacht, schwere Krankheiten zu verursachen.
  • Tonnenweise Sondermüll: Hochrechnungen von Initiativen zeigen, dass ein einziges Windrad über seine Laufzeit hunderte Kilogramm an Mikroplastik-Partikeln in die Umgebung abgibt. Für die Gegner ist klar: Während die Betreiber von „sauberer Energie“ sprechen, hinterlassen sie in Wahrheit eine Spur aus giftigem Abrieb in den heimischen Böden. 

Bürgerinitiativen weisen verstärkt darauf hin, dass die Entsorgung der Rotorblätter nach Ende der Laufzeit von ca. 20 Jahren ein ungelöstes Problem darstellt. Die Verbundstoffe können kaum recycelt werden und müssen oft als Sondermüll deponiert oder verbrannt werden. „Wir tauschen CO2-Emissionen gegen eine dauerhafte chemische Verseuchung unserer Äcker und Wälder ein“, so die einhellige Kritik der Experten aus den Reihen der Windindustrie-Gegner.

Aktuelle Initiativen (Stand 2026)

  • Groß-Schweinbarth (Bezirk Gänserndorf): Eine lokale Bürgerinitiative kämpft gegen geplante Windräder in einem Waldgebiet und fordert eine Volksbefragung. Das Projekt sorgt auch im Landtag für politische Debatten.
  • Herzogenburg: Die Bürgerliste Gegenwind (BGS) hat erfolgreich eine Petition eingereicht. Die Bürger wurden hier bereits zur Abstimmung über die Windkraftpläne aufgerufen.
  • Maria Jeutendorf / Pottenbrunn: Hier wehren sich Anwohner gegen die Erweiterung des bestehenden Windparks. Hauptkritikpunkte sind die Mindestabstände von 1.200 m zu Wohngebieten und die Sorge um das Ortsbild der Wallfahrtskirche.
  • Pulkautal (Bezirk Hollabrunn): Die Initiative Zukunft Pulkautal bekämpft ein Projekt am Buchbergmassiv (Wullersdorf), wo Windräder mit einer Höhe von 245 m genehmigt wurden.
  • Die IG Waldviertel sowie die Plattform Lebenswertes Waldviertel koordinieren den regionalen Widerstand. Sie fokussieren sich auf den Schutz sensibler Waldökosysteme vor einer “Industrialisierung”. Hier finden Sie die Bürgerinitiativen: https://www.igwaldviertel.at/beispiel-seite/kontakt/

Es gibt in Niederösterreich zahlreiche Bürgerinitiativen (BI), die keine klassische Homepage betreiben, sondern sich über Facebook-Gruppen, Messenger-Dienste oder rein über lokale Vernetzung (Stammtische, Info-Abende) organisieren. Hier sind einige prominente Beispiele für Initiativen, die primär auf Social Media oder durch Petitionen präsent sind:

  • BI “Unser Waldviertel – Unsere Stimme”: Diese sehr aktive Gruppe ist primär auf Facebook organisiert. Sie vernetzt Gegner von Wald-Windparks im gesamten Waldviertel und dient als Plattform für Informationsaustausch und Protest-Aufrufe.
  • BI “Groß-Schweinbarth”: Die Initiative im Bezirk Gänserndorf kämpft aktuell gegen Windräder im Hochleithenwald. Sie hat keine eigene Webseite, ist aber durch intensive Medienarbeit in der NÖN (Niederösterreichische Nachrichten) und lokale Flugblatt-Aktionen präsent.
  • BI “Stoppt den Windpark Gnadendorf – Stronsdorf”: Diese Initiative nutzt vor allem Petitionsplattformen wie OpenPetition, um Unterstützer zu sammeln, statt eine eigene Web-Infrastruktur zu pflegen.
  • Lokale Gruppen in Wullersdorf / Mailberg: Im Pulkautal gibt es ortsspezifische Gruppen (z.B. rund um den Buchberg), die sich meist über die Plattform Zukunft Pulkautal koordinieren, aber intern über WhatsApp-Gruppen kommunizieren.
  • BI “Gegenwind Lichtenegg / Bucklige Welt”: In Regionen mit bereits hohem Windrad-Bestand bilden sich oft kurzfristige BI-Zusammenschlüsse gegen Repowering (Ersetzung durch größere Anlagen), die oft nur über Aushänge im Ort und Mundpropaganda funktionieren.

Rechtshilfe für betroffene Bürger

Wenn in Ihrer Gemeinde ein Windpark geplant wird, bleiben Sie nicht tatenlos. Die Bürgerinitiativen empfehlen folgende Schritte:

  1. Akteneinsicht nutzen: Sobald das Projekt öffentlich aufliegt (meist im Gemeindeamt), haben Sie das Recht auf Akteneinsicht. Prüfen Sie die Gutachten zu Lärm, Schattenwurf und Artenschutz.
  2. Stellungnahme abgeben: Nutzen Sie die Begutachtungsfristen (z. B. aktuell in Groß-Schweinbarth bis 06.03.2026). Sachliche Einwände zu Bisphenol-Abrieb oder Immobilien-Wertverlust müssen protokolliert werden.
  3. Parteistellung prüfen: Als direkter Anrainer (oft innerhalb von 1.200 m) haben Sie im Genehmigungsverfahren Parteistellung. Das ermöglicht Ihnen den Einspruch gegen Bescheide.
  4. Umweltanwaltschaft einschalten: Kontaktieren Sie die NÖ Umweltanwaltschaft, um ökologische Bedenken (z. B. Schwarzstorch-Habitate) fachlich untermauern zu lassen.
  5. Bürgerinitiativen beitreten: Einzelkämpfer haben es schwer. Vernetzen Sie sich mit Bürgerinitiativen, die bereits über erfahrene Anwaltsteams verfügen.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: