Brüssel wollte Europa von der russischen Energie unabhängig machen – und hat dabei die nächste strategische Abhängigkeit geschaffen. 98 Prozent der 2024 aus Drittstaaten importierten Solarpaneele kamen aus China, bei Lithium-Ionen-Batterien lag der chinesische Anteil bei 88 Prozent. Nun warnt selbst die EU-Kommission vor einer Entwicklung, die sie mit ihrer eigenen Energie- und Industriepolitik jahrelang vorangetrieben hat.
Europa sollte weg von russischem Gas, vom Öl und von der Kohle und stattdessen immer stärker auf Photovoltaik, Windkraft, Batteriespeicher und Elektromobilität setzen. Während die dadurch zusätzlich in die Höhe getriebenen Energiepreise, CO2-Kosten und immer neue Vorschriften die Produktion in Europa verteuerten, konnten chinesische Hersteller die benötigte Technik deutlich günstiger liefern. Die Unabhängigkeit von Moskau führte damit nur zu einer neuen Abhängigkeit – diesmal von Peking. Nach Angaben von Eurostat importierte die EU 2024 Solarpaneele im Wert von 11,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 10,9 Milliarden Euro auf China. Der chinesische Anteil lag damit bei 98 Prozent. Der Wert der Einfuhren sank gegenüber dem Vorjahr zwar deutlich, doch das lag vor allem am Preisverfall. Nach Gewicht gerechnet stiegen die importierten Mengen sogar um zwei Prozent.
Wie stark diese Abhängigkeit gewachsen ist, zeigt eine Analyse des Loom Strategy Centre gemeinsam mit Experten des Oxford Institute for Energy Studies. Vor zehn Jahren kamen noch 68 Prozent der nach Europa importierten Solarpaneele aus China. 2024 waren es 98 Prozent. Bei Lithium-Ionen-Batterien stieg Chinas Anteil an den Importen von 75 Prozent im Jahr 2019 auf 88 Prozent im Jahr 2024, bei Wechselrichtern waren es zuletzt 61 Prozent. Rund 95 Prozent der weltweiten Wafer-Produktion für Solarzellen befinden sich ebenfalls in China.
Nun warnt ausgerechnet EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra vor den Folgen. Die Abhängigkeit von China sei „gefährlich und unangenehm“, erklärte er Ende August gegenüber Euronews. Europa hätte bereits vor fünf oder zehn Jahren handeln müssen. Jetzt müsse die EU eigene Produktionskapazitäten aufbauen – auch wenn dies höhere Kosten verursache. Von den marktwirtschaftlichen Mechanismen versteht der Klimafanatiker dabei offensichtlich nicht viel. Warum sollte jemand sündhaft teure europäische Solarmodule kaufen, wenn jene aus China viel billiger sind? Und mehr noch: Importzölle würden zwar die Importanreize senken, gleichzeitig jedoch für ein extrem hohes Preisniveau in Europa sorgen.
Die Eurokraten haben es verbockt
Dass diese Entwicklung absehbar war, zeigte sich längst bei Europas Solarindustrie. Report24 berichtete bereits 2023 über den zunehmenden Preisdruck durch chinesische Billigimporte und die Schwierigkeiten europäischer Hersteller, unter den hiesigen Energie- und Produktionskosten konkurrenzfähig zu bleiben. Mit Meyer Burger folgte später eines der sichtbarsten Beispiele dafür, wie die gehypte europäische „grüne Industrie“ unter diesen Bedingungen gegen China den Kürzeren zog.
Selbst der EU-Kommission war das Problem längst bekannt. Trotzdem wurde der Ausbau der Photovoltaik weiter forciert, während Europas eigene Produktion Marktanteile verlor. Auch bei den benötigten Rohstoffen kommt Brüssel kaum voran. Der Europäische Rechnungshof stellte Anfang 2026 fest, dass die bisherigen Bemühungen zur Diversifizierung der Importe keine greifbaren Ergebnisse gebracht hätten. Engpässe behindern die heimische Produktion, Recycling spielt weiterhin nur eine geringe Rolle und viele geförderte (also durch Steuergeld subventionierte) Projekte dürften ihre Ziele bis 2030 verfehlen.
Die Eurokraten und deren Minions in den europäischen Hauptstädten haben damit eine Abhängigkeit bekämpft und gleichzeitig die nächste aufgebaut. Die billige russische Energie wurde aus politischen und ideologischen Gründen zurückgedrängt, während die eigene Industrie unter steigenden Energie- und Produktionskosten an Wettbewerbsfähigkeit verlor. Gleichzeitig trieb Brüssel mit der sogenannten „Energiewende“ die Nachfrage nach chinesischen Solarmodulen, Batterien und Komponenten immer weiter nach oben.
Jetzt soll mit Subventionen, Förderprogrammen und industriepolitischen Eingriffen repariert werden, was dieselbe Politik zuvor zerstört hat. Die Bürger bezahlen damit doppelt: zuerst für teure Energie und die „grüne Transformation“, danach für den Versuch, jene Industrie wieder irgendwie nach Europa zu holen, die unter den von Brüssel geschaffenen Bedingungen kaum noch gegen China bestehen kann.
