35 Gramm Tomatenmark am Tag: Studie misst bessere Hirnleistung

(C) Report24/KI

Tomatenmark könnte mehr können, als Pizza und Pasta Geschmack zu geben. Schon rund 35 Gramm täglich verbesserten in einer randomisierten Studie mehrere messbare Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit. Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Gedächtnis legten zu – und selbst bei der Hirnaktivität fanden die Forscher auffällige Veränderungen.

Wissenschaftler der Universität Barcelona untersuchten dafür 47 gesunde Erwachsene zwischen 40 und 55 Jahren, 42 davon schlossen die Studie vollständig ab. Jeder Teilnehmer durchlief sowohl eine dreimonatige Tomatenphase als auch eine dreimonatige Kontrollphase, getrennt durch einen Monat Pause. So konnten die Forscher direkt vergleichen, wie dieselben Menschen mit und ohne die zusätzliche Portion Tomatenmark abschnitten. Die Arbeit erschien im Mai 2026 im Fachjournal Antioxidants unter dem Titel „Tomato Intake Improves Cognitive Performance and Modulates Functional Brain Networks in Healthy Adults: A Randomized Crossover Clinical Trial“.

Auf dem täglichen Speiseplan standen 0,5 Gramm konzentriertes Tomatenmark pro Kilogramm Körpergewicht. Im Schnitt kamen die Teilnehmer damit auf 34,6 Gramm pro Tag. Diese Menge lieferte ungefähr 38 Milligramm Lycopin – jenes rote Carotinoid, das Tomaten ihre typische Farbe gibt. Die Lycopinwerte im Blut stiegen während der Tomatenphase deutlich an. Die Forscher konnten damit auch überprüfen, dass die Intervention im Körper tatsächlich ankam.

Aufmerksamkeit und Gedächtnis profitieren

Bei den kognitiven Tests zeigte sich nach drei Monaten ein messbarer Unterschied. Die Konzentrationsleistung lag während der Tomatenphase im Mittel um 7,2 Punkte höher als in der Kontrollphase, bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit waren es 8,3 Punkte. Auch beim assoziativen Gedächtnis, etwa beim Zuordnen von Gesichtern und Namen, schnitten die Teilnehmer besser ab. Die Effektgrößen lagen im mittleren Bereich. Bei der Exekutivfunktion zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Vorteil. Noch interessanter wird der Befund durch die Blutwerte. Teilnehmer, bei denen das Lycopin besonders deutlich anstieg, zeigten teilweise auch stärkere Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Das beweist zwar noch nicht, dass Lycopin allein für den Effekt verantwortlich ist, macht einen biologischen Zusammenhang aber plausibel.

Lycopin ist für die Hirnforschung deshalb spannend, weil es im menschlichen Gehirngewebe nachgewiesen wurde. Experimentelle Studien bringen den Stoff zudem mit antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen in Verbindung. Gerade im Gehirn könnten solche Effekte eine Rolle spielen, weil oxidativer Stress und chronische Entzündungsprozesse die Funktion von Nervenzellen beeinträchtigen können. Verarbeitetes Tomatenmark hat dabei einen Vorteil gegenüber der rohen Tomate. Durch Erhitzen und Verarbeitung wird Lycopin für den Körper leichter verfügbar. Frühere Humanstudien zeigten, dass dieselbe Lycopinmenge aus Tomatenmark deutlich besser aufgenommen werden kann als aus frischen Tomaten. Weil Lycopin fettlöslich ist, verbessert etwas Fett in der Mahlzeit die Aufnahme zusätzlich.

Auffällige Veränderungen auch im Gehirn

Die Forscher untersuchten einen Teil der Teilnehmer zusätzlich mit funktioneller Magnetresonanztomographie. Dabei zeigte sich nach der Tomatenphase eine veränderte funktionelle Vernetzung innerhalb bestimmter Hirnnetzwerke, darunter im frontoparietalen und auditiven Bereich. Teilweise nahm die gemessene Verbindung zwischen einzelnen Regionen ab. Eine geringere Vernetzung wirkt zunächst wie ein Nachteil. Die Forscher deuten sie jedoch als Hinweis darauf, dass die beteiligten Hirnnetzwerke effizienter arbeiten und mit weniger unnötiger Kommunikation auskommen. Dazu passt, dass einige dieser Veränderungen mit besseren Gedächtniswerten einhergingen.

Der Grund dafür liegt vor allem in der Größe dieses Studienteils: Nur 14 Personen nahmen an den Hirnscans teil, bei einzelnen Vergleichen standen noch weniger vollständige Datensätze zur Verfügung. Die fMRI-Ergebnisse liefern damit einen interessanten Hinweis, während die deutlich stärkeren Daten aus den kognitiven Tests stammen. Auch beim sogenannten BDNF fanden die Forscher ein Signal. Dieser „brain-derived neurotrophic factor“ unterstützt unter anderem Wachstum, Erhalt und Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen. Während der Tomatenphase lag der gemessene BDNF-Wert im Durchschnitt höher. Die Schwankungen waren allerdings groß, weshalb dieser Befund weitere Untersuchungen braucht.

Die Studie bleibt mit 42 Teilnehmern klein und lief nur über wenige Monate. Trotzdem hat sie gegenüber vielen Ernährungsstudien einen wichtigen Vorteil: Die Forscher beobachteten nicht einfach Menschen mit unterschiedlichen Essgewohnheiten, sondern veränderten die Ernährung gezielt und verglichen die Ergebnisse innerhalb derselben Teilnehmer.

Damit bleibt eine erstaunlich einfache Erkenntnis: Rund 35 Gramm konzentriertes Tomatenmark täglich reichten in dieser Studie aus, um nach drei Monaten messbare Verbesserungen bei Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und Teilen des Gedächtnisses zu zeigen. Ob daraus langfristig auch ein Schutz für das alternde Gehirn entsteht, müssen größere Studien klären. Für ein alltägliches Lebensmittel ist das Ergebnis schon jetzt bemerkenswert.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: