Die EU-Kommission hält an ihrer Frist zum 1. November fest: Bestimmte EU-geförderte Energieprojekte müssen künftig auf Wechselrichter von chinesischen Anbietern verzichten. Trotz Beschwerden aus der Branche wegen fehlender Alternativen lehnt Brüssel einen Aufschub aus Sicherheitsgründen ab. US-Präsident Donald Trump hat wegen möglicher ausländischer Eingriffe in das amerikanische Stromnetz bereits den nationalen Notstand erklärt.
Ab dem 1. November sollen bestimmte EU-geförderte Energieprojekte keine Wechselrichter von Hochrisikoanbietern mehr verwenden beziehungsweise schrittweise auf andere Hersteller umstellen. Die EU-Kommission hält an diesem Zeitplan fest, obwohl Investoren und Vertreter der Erneuerbaren-Branche wegen möglicher Lieferengpässe und steigender Kosten einen Aufschub gefordert hatten.
Im Fokus stehen vor allem chinesische Hersteller wie Huawei. Brüssel befürchtet, dass ausländische Unternehmen über ihre Geräte Zugriff auf kritische Teile des europäischen Stromnetzes erhalten könnten. Ein allgemeines Verbot sämtlicher chinesischer Wechselrichter ist die Maßnahme allerdings nicht: Hier geht es nur um die Verwendung europäischer Fördermittel bei betroffenen Energieprojekten. Wenn teurerer Ersatz gefördert wird, bedeutet das nicht zuletzt, dass die grüne Energiewende die Steuerzahler noch teurer kommt. Die Märchen des günstigen grünen Stroms wirken inzwischen wie ein Hohn.
Trump rief Notstand aus
Mit einer Executive Order des Weißen Hauses erklärte Donald Trump bereits am 26. August die Risiken durch bestimmte ausländische Komponenten im amerikanischen Stromnetz zum nationalen Notstand. Künftig können unter anderem Transformatoren, Batteriespeicher, Steuerungssysteme und Wechselrichter ausgeschlossen werden, wenn sie ein Risiko für Sabotage, unerlaubten Zugriff oder eine Störung der Stromversorgung darstellen.
Besonders im Fokus stehen auch hier Wechselrichter. Ein Wechselrichter wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um, steuert die Anlage, enthält Software und Firmware und kann für Wartung oder Updates mit dem Internet verbunden sein.
Auch in den USA warnt man vor möglichen digitalen Hintertüren, über die ausländische Akteure Geräte aus der Ferne beeinflussen könnten. Der Energieminister erhält deshalb weitreichende Möglichkeiten, verdächtige Technik überwachen, isolieren oder ersetzen zu lassen.
Dass diese Sorge nicht aus der Luft gegriffen ist, belegte bereits eine Reuters-Recherche aus dem Jahr 2025: Amerikanische Experten fanden demnach in chinesischen Solarwechselrichtern Kommunikationskomponenten, die in den Produktunterlagen nicht angegeben waren. Das beweist zwar noch keine chinesische Sabotage, es stellt sich aber die Frage, ob man bei kritischer Infrastruktur dieses Risiko eingehen darf.
70 Prozent der installierten Wechselrichter aus China
Ausgerechnet die Energiewende, die uns doch alle unabhängig von russischem Gas machen sollte, hat Europa in eine neue Abhängigkeit geführt. Laut einer Risikoanalyse der EU-Kommission stammten 2023 rund 70 Prozent der in Europa installierten Wechselrichter von chinesischen Herstellern. Von 350 Gigawatt Wechselrichterleistung, die zwischen 2015 und 2023 nach Europa geliefert wurden, kamen 225 Gigawatt aus China. Allein Huawei stand für 114 Gigawatt. Zwei chinesische Anbieter verfügten laut Kommission über Fernzugriffsmöglichkeiten auf Wechselrichter mit zusammen 168 Gigawatt Photovoltaikleistung.
Die Kommission beschreibt selbst, was im schlimmsten Fall möglich wäre: Werden Wechselrichter massenhaft aus der Ferne abgeschaltet oder manipuliert, könnten Stromnetze destabilisiert, Infrastruktur beschädigt und großflächige Blackouts ausgelöst werden. Trumps Sorge ist also selbst aus EU-Sicht berechtigt. Dass die Kommission nun trotz des Widerstands aus der Energiebranche an ihrer Frist festhält, verdeutlicht das abermals. Die Sache ist nur: Die Konsequenzen müssen bezahlt werden. Von wem wohl?
Brüssel reagiert… halbherzig
Im vergangenen Jahr lenkte bereits die FPÖ die Aufmerksamkeit auf mögliche Risiken nicht dokumentierter Funkmodule in chinesischen Wechselrichtern. In einer parlamentarischen Anfrage wurde ausdrücklich nach möglichen Netzabschaltungen, Manipulationen und Blackout-Risiken gefragt.
Das grüne Deutschland, zuletzt schon genug durch Sabotage durch Linksextremisten gebeutelt, steht vor derselben Herausforderung. Wenn hunderttausende einzelne Anlagen über dieselben Hersteller, Cloud-Dienste oder Fernzugriffssysteme erreichbar sind, entsteht eine neue Form der Konzentration – und damit ein Angriffsziel. Dabei wollte man doch unabhängig werden?
Doch so klar die Risiken auch sind, chinesische Hersteller dominieren den Markt natürlich nicht zufällig. Die Produkte sind günstig, in großen Mengen verfügbar und technisch konkurrenzfähig. Ein Umsatteln wird Projekte nicht nur verteuern, sondern könnte die forcierte Energiewende erheblich verlangsamen, und das ist politisch nicht gewollt.
Dass Brüssel die Sicherheit der europäischen Energieinfrastruktur nicht gänzlich aus dem Blick verliert, ist positiv, doch der Weg über Fördermittel als Hebel reicht nicht aus. Am bereits bestehenden Sicherheitsproblem in den alten Anlagen ändert das nichts; hierfür sind noch weitere Maßnahmen notwendig (wie die EU auch einräumt). In Summe heißt das: Die Probleme nehmen zu, die Kosten steigen. Wofür?
