Tanker in Flammen – Iran droht mit weiteren Angriffen!

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Brennende Tanker, iranische Angriffsdrohungen und explodierende Transportkosten: Im Persischen Golf spitzt sich der Krieg um die wichtigsten Energierouten der Welt weiter zu. Die Revolutionsgarden melden einen Angriff auf einen Flüssiggastanker und drohen nun auch Schiffen außerhalb der Straße von Hormus mit militärischer Gewalt. Der Ölpreis liegt über 100 Dollar pro Barrel, auf wichtigen Handelsrouten vervielfachen sich die Frachtkosten. Die Gefahr eines weiteren gewaltigen Energieschocks wächst.

Die iranischen Revolutionsgarden haben am Freitag einen Angriff auf den Flüssiggastanker „NV Sunshine“ gemeldet. Das Schiff des Unternehmens Nhat Viet soll versucht haben, die Straße von Hormus auf einer von Teheran nicht genehmigten Route zu durchqueren. Daraufhin wurde der Tanker beschossen. Nach eigenen Angaben trafen die Revolutionsgarden den Maschinenraum und die Antriebsanlage, woraufhin ein Großbrand ausbrach. Teheran beansprucht die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge und macht deutlich, dass sich die Handelsschifffahrt seinen Anweisungen zu unterwerfen habe.

Eine Kriegserklärung an die Welt

Und damit geben sich die iranischen Machthaber längst nicht mehr zufrieden. Die Revolutionsgarden kündigten an, künftig auch außerhalb der Straße von Hormus gegen Schiffe vorzugehen, die sich den iranischen Vorgaben widersetzen. Die Drohung richtet sich gegen Reedereien aus aller Welt. Ihre Frachter könnten künftig selbst weit abseits der Meerenge unter Beschuss geraten. Damit erklären die Mullahs quasi der ganzen Welt den Krieg.

Am Freitag geriet auch der unter panamaischer Flagge fahrende Supertanker „GEM NO.2“ vor den Vereinigten Arabischen Emiraten unter Beschuss. Rund 13 Seemeilen westlich von Al Jazeera traf ein unbekanntes Geschoss das Schiff und löste ein Feuer aus, das die Besatzung später löschen konnte. Bereits zuvor hatten Geschosse den Tanker „Acers“ vor der Küste Katars getroffen. Auch Verletzte waren dort zu beklagen. Für die Besatzungen dieser Schiffe wird die Fahrt durch den Persischen Golf zunehmend zur lebensgefährlichen Angelegenheit.

Wie hoch der Blutzoll auf See inzwischen ausfällt, zeigen die Zahlen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO. Bis zum 9. Oktober verzeichnete diese bereits 100 bestätigte Zwischenfälle im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten. 24 Seeleute verloren dabei ihr Leben. Beim Angriff auf den Tanker „On Peace“ am 5. Oktober wurden zwölf Besatzungsmitglieder verletzt. Zwischen dem 28. September und dem 5. Oktober registrierten maritime Sicherheitsquellen mindestens zwölf Angriffe, Angriffsversuche und Bedrohungen gegen Schiffe. So viele Vorfälle innerhalb einer Woche hatte es seit Kriegsbeginn Ende Februar nicht mehr gegeben.

Die Frachtkosten explodieren

Schon vor den jüngsten Angriffen hatte die Gewalt auf See den Schiffsverkehr massiv beeinträchtigt. Am Dienstag, dem 6. Oktober, passierten laut Daten des Schifffahrtsanalysten Kpler nur noch sieben rohstofftransportierende Schiffe die Straße von Hormus. Das war der niedrigste Wert seit dem 23. Juli. Die täglich durch die Meerenge beförderte Rohölmenge sank auf rund 10,1 Millionen Barrel und lag damit etwa 26 Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Alternative Exportrouten über den Golf von Oman und das Rote Meer konnten die regionalen Rohölexporte insgesamt zeitweise auf Vorkriegsniveau halten. Doch der Preis dafür ist hoch: Umwege, zusätzliche Umladungen und knappe Tankerkapazitäten treiben die Transportkosten in astronomische Höhen.

80 Millionen Dollar für einen einzigen Tankertransport! So viel kostet mittlerweile die Charter eines Supertankers, der im November zwei Millionen Barrel amerikanisches Rohöl vom Golf von Mexiko nach China bringen soll. Das entspricht 40 Dollar Frachtkosten pro Barrel. Vor dem Krieg waren es auf dieser Route rund 8,60 Dollar. Damit hat sich der Transportpreis nahezu verfünffacht – und das Öl selbst ist noch gar nicht bezahlt! Der Krieg im Persischen Golf treibt die Frachtraten inzwischen selbst auf Handelsrouten in die Höhe, die Tausende Kilometer von der Straße von Hormus entfernt liegen. Die Frachtkosten für Erdöl per Supertanker aus Saudi-Arabien nach Rotterdam kosten derzeit mehr als 35 Dollar pro Barrel – 2025 waren es noch 2 Dollar! Weltweit fehlen verfügbare Tanker, weil Schiffe länger unterwegs sind und aufwendige Umladungen den Transport zusätzlich verzögern. Für manche asiatischen Raffinerien rechnet sich amerikanisches Rohöl unter diesen Bedingungen bereits nicht mehr.

Der Druck auf die Mullahs steigt

Washington verschärft unterdessen den Wirtschaftskrieg gegen Teheran. Das amerikanische Finanzministerium belegte am Donnerstag weitere 17 Schiffe der iranischen Schattenflotte sowie beteiligte Unternehmen mit Sanktionen. Finanzminister Scott Bessent will dem iranischen Regime damit jene Einnahmen entziehen, die es zur Finanzierung seines Krieges benötigt. Die amerikanische Seeblockade hat Irans Ölexporte bereits massiv eingeschränkt. Nun sollen auch die verbliebenen Möglichkeiten zur Umgehung der Sanktionen unterbunden werden. Damit stehen sich zwei Strategien gegenüber, deren Folgen längst weit über den Nahen Osten hinausreichen. Die USA wollen den Iran wirtschaftlich austrocknen, während Teheran mit militärischer Gewalt gegen die Handelsschifffahrt vorgeht. Beide Seiten erhöhen den Druck, und die Kosten treffen zunehmend auch Unternehmen und Verbraucher in anderen Ländern. Denn Ölkonzerne, Reedereien und Versicherer werden die zusätzlichen Milliardenbelastungen kaum freiwillig übernehmen.

US-Präsident Donald Trump hat zwar angekündigt, dass Washington vor den amerikanischen Kongresswahlen am 3. November keine neuen Angriffe auf den Iran durchführen werde. Zugleich sprach er von produktiven Gesprächen mit Teheran. Doch die amerikanische Blockade besteht weiterhin, während die Revolutionsgarden ihre Drohungen ausweiten. Die Diplomaten reden, die Seeleute geraten unter Beschuss. Von einem Ende der Kämpfe kann weiterhin keine Rede sein.

Die Belastungen steigen

An den Ölmärkten liegen die Nerven blank. Die Nordseesorte Brent beendete den Freitagshandel bei 104,72 Dollar pro Barrel. Zwar sorgte auch Hurrikan Isaias für zusätzlichen Preisdruck, weil Ölkonzerne im amerikanischen Golf von Mexiko zeitweise mehr als 70 Prozent ihrer Förderung einstellen mussten. Doch die anhaltenden Angriffe auf Tanker halten gleichzeitig die Risiken für den internationalen Ölhandel hoch. Eine weitere Eskalation könnte die Energiepreise erneut kräftig nach oben treiben.

Auch Europa müsste dafür tief in die Tasche greifen. Höhere Rohölpreise verteuern Benzin und Diesel, steigende Frachtraten belasten den internationalen Warenhandel. Mangelnde Raffineriekapazitäten sorgen zudem für einen Mangel an Dieselkraftstoff und Kerosin. Für die Industrie bedeuten teurere Energie und höhere Transportkosten zusätzliche Belastungen, die früher oder später zumindest teilweise bei den Kunden landen. Und das trifft eine europäische Wirtschaft, die ohnehin schon mit hohen Energiepreisen und einer schwachen Konjunktur kämpft. Ein neuer Ölpreisschock wäre das Letzte, was Unternehmen und Verbraucher jetzt gebrauchen können.

Der Iran muss die Straße von Hormus nicht einmal vollständig sperren, um erheblichen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Schon die ständige Gefahr eines Angriffs treibt Versicherungsprämien nach oben und zwingt Reedereien zu teuren Ausweichmanövern. Washington setzt auf Sanktionen und eine Seeblockade, Teheran hält mit militärischen Drohungen dagegen. Das Ergebnis sind Rekordkosten für Tankertransporte, ein Ölpreis jenseits der 100-Dollar-Marke und immer größere Risiken für den Welthandel. Die Revolutionsgarden feuern auf Tanker – und die Rechnung dafür bezahlen Menschen und Wirtschaft auf der ganzen Welt.

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