Die Staatsschuldenspirale dreht sich immer schneller. Eine Krise jagt die nächste und sorgt so für außer Kontrolle geratene Staatshaushalte. Zudem verschärfen die steigenden Zinsen die Lage. Wie lange wird das noch gut gehen?
Es gibt kaum ein Land auf dieser Erde, das noch über gesunde Staatsfinanzen verfügt. Fast überall werden nur mehr die bestehenden Schulden verwaltet, durch neue Anleihen refinanziert und noch mehr Zahlungsverpflichtungen angehäuft. Eine neue Analyse von Bloomberg zeigt zudem auf, dass die Regierungen derzeit im Rekordtempo Geld über den Staatsanleihenmarkt aufnehmen – obwohl das Zinsniveau derzeit wieder sehr hoch ist. Denn die Ausgaben steigen, während die Einnahmen schwächeln.
Staatliche Emittenten haben in diesem Jahr (also im ersten Halbjahr) bereits Anleihen im Wert von 504 Milliarden Dollar über Banken an Investoren platziert – das ist ein neuer Rekord. Das übertrifft sogar das erste Halbjahr 2020, als Regierungen weltweit während der Covid-Lockdowns enorme Summen aufnahmen. Die Haushaltsdefizite steigen bereits seit der globalen Finanzkrise 2008/2009 kontinuierlich an. Während der Corona-Zeit schossen sie förmlich in die Höhe, als die Zinsen auf Rekordtiefs gesenkt wurden. Doch nun, trotz wieder sehr hoher Zinssätze, steigt die Neuverschuldung massiv an.

Grund dafür sind unter anderem massive Rüstungsausgaben (u.A. in Bezug auf den Ukraine-Krieg, aber auch angesichts der Nahost-Krise), sowie die Energiekrise samt Preisschocks. Hinzu kommen demografische Veränderungen in den Industriestaaten (Überalterung, Zuwanderung in die Sozialsysteme) und eben auch die steigenden Zinskosten als Treiber. Gleichzeitig sorgt das allgemein eher schwache Wirtschaftswachstum für Einnahmenprobleme.
Bloomberg selbst konzentriert sich in dessen Bericht vor allem auf die sogenannten syndizierten Staatsanleihen, die über Banken an Investoren verkauft werden. Doch auch insgesamt, so die Daten der OECD, verschlechtert sich die finanzielle Lage der Staaten allgemein kontinuierlich weiter. Bloomberg zufolge war Italien in acht der vergangenen zehn Jahre der größte Schuldner am Markt für syndizierte Staatsanleihen. Auch 2026 führt das Land die Rangliste wieder an und hat bereits knapp 70 Milliarden Euro im ersten Halbjahr aufgenommen. Deutschland, das seine berühmte Schuldenbremse faktisch abgeschafft und seine Fiskalregeln zugunsten massiver Ausgabenprogramme für Verteidigung und Infrastruktur umgeschrieben hat, nahm über drei syndizierte Emissionen bereits 14 Milliarden Euro auf. Großbritannien, Belgien und Serbien platzierten ihre bislang größten Anleihegeschäfte überhaupt. Auch Australien und Mexiko gehören zu den zehn größten Emittenten des Jahres.

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich weniger die Frage, ob dieses System irgendwann ein nicht mehr tragbares Niveau erreicht, sondern vielmehr, wann dies der Fall sein wird. Verlässliche Prognosen sind unmöglich, da zu viele Faktoren eine Rolle spielen und man die Widerstandsfähigkeit des Systems nicht unterschätzen sollte – doch eines Tages werden Szenarien wie eine Hyperinflation oder Staatsbankrotte auf breiter Ebene Realität werden.
