Söders Totalversagen und das zweite gekillte Weihnachtsfest

Bild: pixabay

Ein Kommentar von Daniel Matissek

Ausgerechnet in Bayern – dem Bundesland des selbstgerechtesten deutschen Corona-Hardliners Markus Söder, dem inzwischen die Verfassungswidrigkeit seiner Ausgangsbeschränkungen in den früheren Lockdowns gerichtlich bestätigt wurde – ist die Inzidenz auf über 635 hochgeschossen, vielerorts liegt sie schon bei über 1.000. Ein Hoch auf die Wirkung der Impfung. Und Söder reagiert genau so, wie es von ihm nicht anders zu erwarten war: Mit der erneuten Stilllegung des öffentlichen Lebens, verbunden mit der Forderung nach einer von ihm selbst zuvor kategorisch ausgeschlossenen allgemeinen Impfpflicht.

Man kann es offenbar nicht abwarten, österreichische protofaschistische Verhältnisse auch in Deutschland zu errichten. In über einem Dutzend bayerischer Landkreise galt zum Wochenende bereits wieder Lockdown für alle – einschließlich Geimpfter. Tendenz steigend. Alles auf Anfang also.

Damit geht auch im Winter 2021 der Alptraum vom Vorjahr weiter – und die Gelackmeierten sind die zahllosen brav doppeltgeimpften Bürger, die nun für ihre von Söder das ganze Jahr über mit religiösem Eifer propagierten „2 Piekse“ keine Freiheit, sondern bestenfalls eine Bratwurst bekamen – und nun erneut mit massiven Alltagseinschränkungen leben müssen. Letztes Jahr hieß die Parole: Harter Lockdown ohne Impfung, Schuld an allem die Querdenker und Superspreader. Jetzt heißt es: Harten Lockdown mit Impfung, Schuld an allem sind die Ungeimpften.

Weihnachtsmärkte abgesagt

Besonders dramatisch ist die erneute Absage der Weihnachtsmärkte, die vor allem in Bayern eine jahrhundertelange Tradition haben und – Beispiel Nürnberg – Weltgeltung besitzen. Am Dienstag wurde bereits der Münchner Christkindlmarkt, der am 22. November hätte beginnen sollen, abgesagt. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) rechtfertigte den ebenso kurzfristigen wie drastischen Schritt mit der “katastrophalen Situation” in den Krankenhäusern aufgrund der massiv gestiegenen Covid-Infektionen. “Alles andere wäre eine nicht zu verantwortende Erhöhung des Infektionsrisikos und darüber hinaus auch das falsche Signal.” Es sei, so Reiter, seine Aufgabe, einen reibungslosen Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten. Dieser sei durch weitere Infektionen gefährdet. Die Stadt ließ verlauten, der Christkindlmarkt sei zwar ein schönes Zeichen für Normalität gewesen, “aber leider sind wir derzeit trotz der Möglichkeit von Impfungen weit von dieser Normalität entfernt, auch weil sich immer noch nicht genügend Menschen haben impfen lassen.”

Es dauerte keine drei Tage, bis dann – dem Münchner Beispiel folgend – bayernweit alle Weihnachtsmärkte abgesagt wurden; in einem Aufwasch mit der erneuten landesweiten Schließung von Clubs und Discotheken. Dem Beispiel folgten mittlerweile eine Vielzahl der deutschen Bundesländer und Kommunen. Inzwischen wird mit der fast gleichlautenden Ausrede der heraufbeschworenen nächsten Krise in den Kliniken (wo die zuvor unter den Augen einer untätigen Politik fahrlässig reduzierten Kapazitäten angeblich am Limit und darüber hinaus sind, übrigens maßgeblich auch dank geimpfter Patienten!), das ganze Land lahmgelegt – nicht nur in Bayern, sondern nach und nach auch in allen anderen Bundesländern. Der fliegende Wechsel von 3G zu 2G zu 2Gplus hin zum Totallockdown vollzieht sich in solchem Tempo, dass viele gar keine Zeit mehr zum Diskriminieren und Ausgrenzen der Ungeimpften finden.

Standbetreiber sind empört und verzweifelt

Die Marktbeschicker und Standbetreiber der Weihnachtsmärkte, die in Nürnberg, Regensburg, Bayreuth oder München gerade erst ihre Aufbauarbeiten abgeschlossen, Waren eingekauft und Personal eingestellt hatten, äußerten Entsetzen und Unverständnis über die überzogenen, einfallslosen und abrupten Entscheidung der Politik. Walter Kaiser, Inhaber eines Familienbetriebes, der seit 65 Jahren Mandeln und Äpfel unter anderem auf dem Münchner Christkindlmarkt verkauft, sprach seine Verzweiflung offen aus: “Unsere Branche ist auf sich alleine gestellt und ohne nennenswerte Einnahmen. Die ganze Hoffnung lag auf dem Münchner Christkindlmarkt, und die wurde uns heute jäh genommen. (…) Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass fünf Tage vor Start des Christkindlmarktes so eine Entscheidung getroffen wird. Wir hätten uns gewünscht, dass diese Entscheidung, wenn sie schon so ausfällt, früher getroffen wird.” 

Noch deutlicher äußerte sich eine weitere Standbetreiberin: “Ich könnte weinen, aber ich will nicht mehr. Wir haben letztes Jahr schon so viel geheult.”. Die alleinegelassenen Unternehmen dürfen sich nun mit denselben Phrasen trösten lassen, die sie schon im Vorjahr zu hören bekamen: Wieder einmal will Münchens OB die Verwaltung prüfen lassen, “wie wir hier einen finanziellen Ausgleich schaffen können.” Noch einen weiteren solchen Winter, und es wird niemanden mehr geben, dem zu helfen ist – weil die meisten Unternehmen dann dichtgemacht haben dürften. Und Weihnachten feiert dann auch keiner mehr.

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