Querdenker oder nicht: Wofür steht Helge Schneider jetzt eigentlich?

Bild-Copyright: Helge Schneider / Meine Supermaus

Der Mann ist schräg und ein Sonderling, und eben dies lieben seine Fans mindestens ebenso wie seine begnadete musikalische Ader, vor allem als Jazzkünstler: An Helge Schneider scheiden sich die Geister. Doch neuerdings nicht mehr wegen seiner teilweise grotesken Darbietungen voll abseitigem und teilweise dadaistischem Humor, die er und seine Band mit genialen Arrangements und Improvisationen musikalisch untermalt – sondern wegen seiner Haltung zu den Corona-Maßnahmen.

Nach seinem spektakulären Konzertabbruch in Augsburg vor knapp zwei Wochen hieß es zunächst, Schneider habe damit seinen Überdruss von Maskenpflicht und Corona-Auflagen bekundet, wofür er im Netz von Kritikern der staatlichen Restriktionen, auch aus Reihen der Querdenker, zunächst frenetisch gefeiert wurde. Wohl irritiert über soviel Applaus von der „falschen“ Seite ruderte Schneider zurück und ließ auf Twitter erklären, er wolle sich nicht instrumentalisieren lassen, er habe nur abgebrochen, weil ihm die vielen Servicekräfte auf die Nerven gingen, die vor der Bühne mit Getränken zu den Gästen im Publikum unterwegs waren. Dass diese Masken trugen, was er zunächst moniert hatte, sei nicht der Grund gewesen; ihn störe die schlechte Organisation des Veranstalters, die einen vernünftigen Auftritt nicht möglich mache.

Kritisches Video aus 2020 erneut auf Facebook zu sehen

Nachdem aber vergangene Woche ein Video auf Helge Schneiders Facebook-Seite erschien, das anscheinend schon älter ist und vermutlich von 2020, aus der Zeit vor dem zweiten Lockdown, stammt, sieht es ganz so aus, als habe der ursprüngliche Eindruck nicht getäuscht, und als wolle Schneider seine damalige Kritik wiederholen. Er hatte damals erklärt, unter den „momentanen“ Zuständen – Maskenpflicht, 1,50 Meter Abstand zwischen einzelnen und sehr begrenzten Gästen, generelle Empfehlung zu Streaming- statt Live-Auftritten – sei ein normales Künstlerdasein für ihn als „Auftreter“ nicht möglich:

Was bedeutet die Wiedereinstellung dieses Clips, hat Helge Schneider womöglich also doch ein ganz grundsätzliches Problem mit den Corona-Maßnahmen? Will er deshalb nicht mehr auftreten, weil ihn die Pandemieeinschränkungen nerven, und gibt er damit eben doch den Querdenkern recht? Das wiedereingestellte Video ist inzwischen auf seinem Profil gelöscht (oder zumindest in seiner öffentlichen Sichtbarkeit eingeschränkt). Seine Tourneeabsage für die restlichen Termine der Saison 2021 jedoch hat anscheinend weiterhin Bestand. Denn an anderer Stelle auf Facebook wird von seinem Management hierauf Bezug genommen:

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Immer mehr Künstler protestieren

Was immer seine Motive sind: Mit dem Konzertabbruch reiht sich Helge Schneider in puncto Konsequenz in eine ganze Riege von Künstlern ein, die ebenfalls die Stimme gegen eine zunehmend totalitäre Vereinnahmung der Musikbranche erheben und dagegen Sturm laufen. Man denke nur an Eric Clapton oder Nena. Letztere hatte sich bekanntlich fast zeitgleich mit dem Augsburger Konzertabbruch Schneiders demonstrativ über behördliche Auflagen hinweggesetzt und ihr Publikum zum „zivilen Ungehorsam“ in der Pandemie aufgefordert – weshalb nun reihenweise ihre Konzerte abgesagt werden.

Es bleibt abzuwarten, ob Schneider nicht wieder „umfällt“ und doch wieder Konzerte gibt – oder ob er wirklich standhaft bleibt, und sich damit – ob von ihm geplant oder nicht – immerhin den schikanösen Beschränkungen von ehemals freien und unbeschwerten Live-Konzerten widersetzt. Vielleicht will er aber auch nur dem Shitstorm im Netz entgegentreten, den er mit seiner ursprünglichen Begründung provoziert hatte, er habe den Augsburger Auftritt nur wegen der fortlaufenden Störungen durch die Gastronomiebediensteten des Veranstalters gecancelt.

Hierfür hatten nämlich viele seiner Fans kein Verständnis gehabt: Dass sich Schneider schnöselhaft-naserümpfend darüber erhob, wenn pandemiegeplagte Konzertveranstalter erstmals wieder einen bescheidenen Umsatz mit Gästebewirtungen machen dürfen (zumal das eigene Publikum beim Auftritt ja auch etwas trinken möchte), kam gar nicht gut an. Die „Querdenker-Kiste“ zieht da vermutlich besser. (DM)

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