ÖVP-Spitze unter Druck: Ganz Twitter witzelt über Foto-Leak von Diensthandy

Bild: Sebastian Kurz - MS Foto; Hintergrund: By MEDIACRAT, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11601527

Zuallererst muss man die Frage stellen, wie es in einer rechtsstaatlichen Demokratie möglich ist, dass höchst private Inhalte eines Telefons – Diensthandy hin oder her – aus der Untersuchungsakte einer Staatsanwaltschaft an die Presse geleakt werden. Doch es ist geschehen – und die Öffentlichkeit wurde zumindest via Twitter mit den schlüpfrig-ungustiösen Details konfrontiert. All jene, die den Bundeskanzler seit Jahren verächtlich „Kurac“ nannten, bekommen jetzt kräftig Auftrieb. Die Menschen in den Sozialen Medien sind so gnadenlos, wie man es Kindergartenkindern vorwirft.

Anfang 2020 wurde bekannt, dass der ÖBAG Chef Thomas Schmid der immer als enger Berater und Freund von Sebastian Kurz galt, im Visier der Staatsanwaltschaft ist. So berichtete der Kurier bereits im Februar des Vorjahres von 2.395 privaten Fotos am Diensthandy des Managers, welche dieser gelöscht hätte. Im Juni 2020 berichtete der ermittelnde Staatsanwalt dem Ibiza-U-Ausschuss, dass ÖBAG-Chef Schmid sein Handy komplett zurückgesetzt – also gelöscht hatte. „Es handle sich um Daten, die verständlicherweise von hohem politischen Interesse seien. (sic!),“ so die Kronenzeitung damals.

Drogen und männliche Geschlechtsteile

Auch wenn Medien rasch auch die schlüpfrigeren Inhalte der SMS des Diensthandys von ÖBAG Chef Schmid geleakt wurden, hielten sich alle in dem Bereich zurück, der sexuelle Belange betrifft. Davon gab es tatsächlich einiges zu finden. Und auch Inhalte über gewisse pulverförmige Substanzen konnten Ermittler aus den Daten des Telefons extrahieren und sofort fleißig an die Medien weiterspielen. Das behauptete Drogenproblem Schmids wurde auch ausführlich bei der ersten Anhörung Finanzminister Blümels vor dem Untersuchungsausschuss erörtert. Das wörtliche Protokoll der Sitzung ist hier online abrufbar.

#Beidlgate auf Twitter

Seit gestern, 10. April 2021, explodiert in der „Blase“ der österreichischen Twitter-Community der so genannte Hashtag „#Beidlgate„. Losgetreten wurde die Diskussion des dem Linksextremismus nicht gänzlich abgeneigt erscheinenden Politberater Rudi Fußi. Sie explodiert quasi im Gesicht des Noch-Bundeskanzlers Sebastian Kurz, der wegen mehrfacher angeblicher Falschaussage vor dem Untersuchungsausschuss ohnehin schon stark unter Druck ist. Der Straftatbestand ist mit 3 Jahren Haft bedroht. In den Aussagen geht es unter anderem um die Bestellung von Schmid als ÖBAG-Chef. Ja, es geht immer noch um den Schmid, auf dessem Diensttelefon nun angeblich „2.500 Penisfotos“ gefunden wurden. Denn die Ermittler haben diese offenbar in monatelanger Arbeit Pixel für Pixel rekonstruiert, ausgiebig bestaunt und offenbar anschließend an Amtsfremde weitergemeldet.

Seit der Indiskretion durch Fußi kommen die sozialen Medien nicht mehr zur Ruhe. Dem wie gesagt noch amtierenden Bundeskanzler wird von verschiedener Seite direkt und indirekt Homosexualität unterstellt. Ob der Vorwurf haltbar ist, wird die Zukunft zeigen – denn die Bilder wurden bekanntlich auf dem Handy von Schmid gefunden. Ob sie auch die Geschlechtsteile von amtierenden Politikern der Republik zeigen, ist möglicherweise Gegenstand der Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Diese wird sich jedenfalls die Frage gefallen lassen müssen: Warum? Und weshalb erachten Beamte der Republik es als legitim, diese Informationen an die Presse weiterzugeben? All jenen, die Sebastian Kurz seit langem verächtlich „Kurac“ nennen, gibt die Affäre jedenfalls kräftigen Auftrieb. Denn das Wort aus der slawischen Sprachfamilie ist eine umgangssprachliche Entsprechung von „Penis“ – zu Österreichisch auch: „Beidl“.

Wer den Schaden hat

Der angerichtete Schaden ist jedenfalls nicht mehr wiedergutzumachen. „#Beidlgate wird hängenbleiben“, erklärt einer der Twitteruser. In Folge einige Zitate:

Peter Neumayer bringt es jedenfalls auf den Punkt, was Österreich jetzt wirklich helfen könnte:

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.


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