Manuela Schwesigs SPD mag in Mecklenburg-Vorpommern trotz Verlusten nun mit Rot-Rot-Grün weiterregieren, doch der einzige Wahlsieger ist die AfD. Und in Berlin hat die Linke die Führung übernommen, während CDU, SPD und Grüne abgestraft wurden. Die Bundeshauptstadt könnte künftig von einer türkischen Kommunistin regiert werden. Die Ergebnisse sind eine Katastrophe für Merz.
Der Wahlsonntag hatte es in sich. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD laut vorläufigem Ergebnis mit 38,2 Prozent stärkste Kraft und konnte ihr Ergebnis von 2021 damit mehr als verdoppeln. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verlor mehr als vier Prozent und liegt demnach bei 35,5 Prozent. Weil die CDU mit nur mehr 4,9 Prozent der Stimmen zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus einem Landtag flog und nur Linke (6,5 Prozent) und Grüne (5,7 Prozent) es hinein schafften, wird sie um die Bildung einer linken rot-rot-grünen Koalition gegen die Alternative für Deutschland als einzige Oppositionskraft nicht herumkommen. Das BSW scheiterte mit 4,7 Prozent knapp an einem Einzug.
Mecklenburg Vorpommern hat ausgezählt.
— Raphael Volz (@ProfVolz) September 20, 2026
Ein historischer Wahlabend.
Die CDU ist nicht mehr im Parlament eines Bundeslandes und gleichzeitig in der Bundesregierung.
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Die Bundeshauptstadt Berlin, seit der Wende stets unter Führung von CDU oder SPD regiert, dürfte nun zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung kommunistisch geführt werden. Die Linke unter Führung der Türkin Elif Eralp wurde laut vorläufigem Ergebnis mit 25,7 Prozent der Stimmen zur stärksten Kraft – und könnte mit den Grünen (14,3 Prozent) und der SPD (12,1) dort ebenfalls eine rot-rot-grüne Regierung bilden. Die CDU von Skandal-OB Kai Wegner liegt bei nur mehr 18,8 Prozent, aber auch in der Hauptstadt konnte die AfD (16,3 Prozent) deutlich zulegen. Das BSW scheitert demnach auch hier mit 4,7 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die einzige Frage die sich hier stellt, ist, ob sich eine Verlierer-Koalition aus CDU, Grünen und SPD bildet, welche sich die Wegner-Partei allerdings wohl sehr teuer erkaufen müsste.
Auch ein Zeichen für Berlin
Für die Bundesregierung sind diese beiden Landtagswahlergebnisse nach jener in Sachsen-Anhalt eine weitere Schlappe. Für Friedrich Merz sind sie sogar eine Katastrophe. In Mecklenburg-Vorpommern flog seine CDU gleich komplett aus dem Landtag, während sie in Berlin weiter zusammengestutzt wurde. Doch auch wenn der „Polarisierungswahlkampf zwischen der SPD und der AfD“ im Nordosten, sowie die ölfassgroßen Fettnäpfchen von Bürgermeisten Wegner bei der Wahlentscheidung durchaus eine Rolle gespielt haben dürften – die CDU hat fertig.
Auch Berlin hat nun fertig ausgezählt. Nach unserer Berechnung wird das neue Abgeordnetenhaus 158 Mitglieder haben: Linke 47, CDU 34, AfD 29, GRÜNE 26, SPD 22. Wenn man die Ausgleichsmandate gemäß der alten Landeswahlordnung verteilt, sind diese Kandidaten gewählt. #aghw pic.twitter.com/NouTZ0aLVE
— Wahlrecht.de (@Wahlrecht_de) September 21, 2026
Nicht sonderlich viel besser sieht es für die SPD aus. Der einzige Grund, warum die Verluste in Mecklenburg-Vorpommern nicht noch größer waren, dürfte wohl im strategischen Wahlverhalten vieler AfD-Gegner gelegen haben. Und auch wenn Berlin (wie die meisten Großstädte) anders ist als die Flächenländer – künftig in der Bundeshauptstadt hinter den Kommunisten der Linken und den Grünen die dritte Koalitionsgeige zu spielen, ist auch nicht wirklich als Erfolg verkaufbar. Aber das Motto „besser mittendrin statt nur dabei“ gilt bei den Altparteien mittlerweile trotz Abstrafung durch die Wähler bereits als Erfolg.
Wieder enorme Unterschiede bei der Briefwahl
Auch wenn AfD-Anhänger mehrheitlich die Briefwahl ablehnen und die Urnenwahl bevorzugen, sind die Unterschiede doch extrem. Bei der Urnenwahl in Mecklenburg-Vorpommern führt die AfD mit 44,36 Prozent vor der SPD (32,41 Prozent). Bei der Briefwahl hingegen erhielt die Partei von Ministerpräsidentin Schwesig ganze 43,41 Prozent, während die Alternative für Deutschland auf lediglich 22,23 Prozent kommt. Auch die Linke (8,74 zu 5,68 Prozent), die Grünen (7,82 zu 4,83 Prozent) und die CDU (7,48 zu 3,88 Prozent) weisen bei den Briefwahlergebnissen deutlich höhere Zahlen aus.
Für Berlin waren zum Zeitpunkt der Artikelerstellung noch keine detaillierten CSV-Datensätze mit der Aufschlüsselung nach Wahlbezirken vorhanden. Doch auch hier zeichnen sich zumindest laut dem Landeswahlleiter für Berlin/Amt für Statistik Berlin/Brandenburg beim Gesamtergebnis große Ungleichgewichte ab. Denn die AfD erhielt bei den Urnenwählern 20,2 Prozent, bei den Briefwählern nur 10,6 Prozent. Auch die Linke verzeichnet mehr Urnen- als Briefwähler (26,6 zu 24,3 Prozent. CDU (16,8 zu 21,7), Grüne (12,7 zu 16,6 Prozent) und SPD (11,0 zu 13,8 Prozent) haben hier deutlich mehr Stimmen erhalten. In beiden Bundesländern liegt der Anteil an Urnenwählern im Vergleich zu den Briefwählern bei der AfD damit in etwa bei 2:1.
Berlin, mitten im Wahlkampf:
— Lexa 🇩🇪 (@rebew_lexa) September 18, 2026
Ein Mann öffnet Briefwahlumschläge, zerschneidet die AfD-Stimmen und lässt die CDU-Stimmen unberührt.
Tage nach dem AfD-Erdrutsch in Sachsen-Anhalt. Drei Tage vor der Wahl in der Hauptstadt.
Merz kann sich eine weitere Niederlage nicht leisten.… pic.twitter.com/jLGSRJynNY
In wie weit bei der Briefwahl betrogen wurde, lässt sich im Nachhinein kaum feststellen. Allerdings gibt es mittlerweile (siehe auch das Video oben) Hinweise darauf, dass zumindest in Berlin gezielt AfD-Stimmen vernichtet bzw. für ungültig erklärt wurden. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Anteil der ungültigen Stimmen bei der Urnenwahl bei 1,23 Prozent, bei der Briefwahl bei 0,88 Prozent, was zumindest darauf hindeutet, dass keine größere Aktion zur Ungültigmachung stattfand. Was aber nicht bedeutet, dass keine Stimmen auf falschen Stapeln gelandet sein könnten. Ganz zu schweigen von den „Wahlhelfern“ in Senioren- und Pflegeheimen, die ebenfalls Manipulationsmöglichkeiten besitzen.
Die Brandmauer ermöglicht eine linkslinke Übernahme
Das Ergebnis der Ausgrenzungspolitik – insbesondere durch die Union – gegenüber der AfD sorgt inzwischen für eine immer stärker werdende Linksverschiebung. Während die linken Parteien nämlich untereinander keine „Brandmauern“ kennen und sich irgendwie zusammenraufen, bleibt CDU und CSU eben wegen dieser Abgrenzung nach rechts nur die Zusammenarbeit mit links. Doch dadurch verliert sie ihre konservative Anhängerschaft, während sie gleichzeitig kaum Stimmen aus dem linken Wählerpool abschöpfen kann.
Die Umfragen verdeutlichen dies. Erhielten CDU/CSU und AfD bei der Bundestagswahl 2025 zusammen 49,3 Prozent der Stimmen, stehen sie bei den aktuellen Umfragen zusammen auch stets bei 47 bis 50 Prozent. Nur mit dem Unterschied, dass es damals 28,5 Prozent für die Union und 20,8 Prozent für die Alternative waren. Bei den September-Umfragen kommt die Kanzlerpartei nur mehr auf 18 bis 21 Prozent, während die AfD mit 27 bis 30 Prozent stabil die stärkste politische Kraft in Deutschland ist.
Der linke Block (SPD, Grüne, Linke und BSW) kam bei der Bundestagswahl zusammen nur auf knapp 42 Prozent der Stimmen – und lag damit deutlich hinter dem Mitte-Rechts-Block. Und auch dieser Block liegt in den aktuellen Umfragen weiterhin stabil im selben Bereich. Und trotzdem dominiert in Deutschland die linke Politik – weil sich die Union weiterhin zum Bückknecht der Linken macht. Die Mehrheit wählt Mitte-Rechts und bekommt Links. Und mit den beiden gestrigen Landtagswahlen wird es im Bundesrat wohl künftig zwei weitere Bundesländer geben, die von rot-rot-grün-regierten Regierungen geführt werden.
Auch 2027 ein Katastrophenwahljahr für die Bundesregierung?
Nach dem fulminanten Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt und den beiden weiteren Landtagswahlen gestern müssen CDU und SPD bereits drei Wahlschlappen in Folge verdauen. Doch im kommenden Jahr stehen weitere Landtagswahlen an. Schleswig-Holstein und das Saarland wählen am 18. April, Nordrhein-Westfalen wählt eine Woche darauf, Bremen am 30. Mai und Niedersachsen dann am 26. September. Und auch wenn Umfragen keine Wahlergebnisse sind, sieht es derzeit mehr als schlecht für die beiden Koalitionsparteien aus.
In Schleswig-Holstein droht beispielsweise der CDU eine massive Wahlschlappe, während AfD und Linke mit deutlichen Zuwächsen rechnen können. Im Saarland droht der SPD der Absturz, wobei auch hier AfD und Linke merkbar zulegen dürften. Auch in Nordrhein-Westfalen sieht es für Schwarz und Rot nicht gut aus. Zudem dürfte die AfD in Bremen (wo sie wegen der Kandidatur von BIW/BD zuvor nicht antrat) mit 15 bis 20 Prozent der Stimmen ein starkes Ergebnis bei der Bürgerschaftswahl erreichen, während SPD und CDU mit deutlichen Verlusten rechnen müssen. Die Niedersachsen-Wahl ist zwar noch ein Jahr entfernt, aber auch da sieht es bereits nach einer Verdoppelung der AfD-Stimmen aus.
Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, wie lange sich die Union noch „durchwursteln“ will, bevor endlich die Reißleine gezogen wird. Das System „alle gegen die AfD“ wird irgendwann nicht mehr funktionieren. Es liegt nun an CDU und CSU, sich zu entscheiden. Entweder bugsiert man sich mit einer Fortsetzung des bisherigen Linkskurses selbst ins Aus, oder aber man akzeptiert die neuen politischen Verhältnisse in Deutschland und reißt das Ruder herum. In der jüngsten YouGov-Umfrage ist die Union bereits auf 18 Prozent abgestürzt. Wollen Merz und Söder bei der nächsten Bundestagswahl nur mehr mit 15 Prozent der Wähler dastehen?
