Jahrzehntelange Klimapolitik, drastische Emissionssenkungen und am Ende gerade einmal 0,03 Grad weniger globale Erwärmung: Eine Studie in der Fachzeitschrift Nature Communications errechnet für Chinas Netto-Null-Strategie im Zeitraum 2050 bis 2070 einen verschwindend geringen zusätzlichen Temperatureffekt. Ausgerechnet die Bekämpfung der Luftverschmutzung macht den größten Teil der erhofften Abkühlung zunichte. Währenddessen veranschlagt Brüssel für seine eigene Energiewende Investitionen von jährlich 660 Milliarden Euro. Wie viel „Klimarettung“ bekommen die Bürger eigentlich für diesen gigantischen Aufwand?
China will bis 2060 „klimaneutral“ werden und krempelt dafür seine Energieversorgung und Industrie um. Die Kommunistische Partei hat sich einer gewaltigen wirtschaftlichen Transformation verschrieben, um ihre Ziele zu erreichen. Doch Wissenschaftler der renommierten Tsinghua-Universität in Peking haben nun Berechnungen veröffentlicht, die den großen Versprechen der Klimapolitiker einen gehörigen Dämpfer verpassen. Denn zwischen den milliardenschweren Anstrengungen und der erhofften globalen Abkühlung klafft eine gewaltige zeitliche Lücke.
Die Forscher um Bin Zhao untersuchten die Auswirkungen von Chinas Klimaneutralitätsplänen und zusätzlichen Luftreinhaltemaßnahmen. Ihr Klimamodell errechnet für die CO2-Reduktionen im Zeitraum 2050 bis 2070 eine durchschnittliche globale Abkühlung um 0,16 Grad gegenüber einem Szenario mit weniger strengen Maßnahmen. Gleichzeitig verursacht der Rückgang anderer Luftschadstoffe einen Erwärmungseffekt von rund 0,12 Grad. Unter dem Strich bleiben lediglich minus 0,03 Grad übrig. Bei einer statistischen Unsicherheit von plus/minus 0,09 Grad ergibt sich für diesen Zeitraum im Modell kein eindeutig nachweisbarer Netto-Kühleffekt.
Saubere Luft sorgt für mehr Erwärmung
Die am 21. Januar 2026 unter dem Titel „Air quality improvement masks global cooling from CO2 reductions under China’s carbon neutrality policies for half a century“ veröffentlichte Untersuchung vergleicht Chinas geplante „Klimaneutralität“ und verschärfte Luftreinhaltepolitik mit einer Fortführung der bis 2020 beschlossenen Maßnahmen. Selbst unter den ehrgeizigen chinesischen Annahmen heben sich die gegenläufigen Temperatureffekte bis etwa 2070 weitgehend auf.
Der Grund für diese Entwicklung liegt bei den sogenannten Aerosolen. Schwefeldioxid und andere Luftschadstoffe fördern die Bildung winziger Partikel, die Sonnenlicht reflektieren und Wolken beeinflussen. Dadurch kühlen sie die Erde. Reduziert China seine Luftverschmutzung, verschwindet ein Teil dieser Kühlwirkung. Die Luft wird sauberer, doch gleichzeitig schwächt Peking damit die übrigens ohnehin nur auf unzulänglichen Modellen beruhende Temperaturwirkung ab. Erst nach etwa 2070 erwarten die Wissenschaftler eine statistisch bemerkbare Netto-Abkühlung – und nochmal: auf Basis von Computermodellen. Für den Zeitraum von 2070 bis 2100 errechnen sie einen durchschnittlichen Temperaturunterschied von rund minus 0,21 Grad gegenüber dem Vergleichsszenario. Die sich offensichtlich voll im Klimawahn befindlichen Wissenschaftler fordern deshalb noch umfassendere Maßnahmen und noch stärkere Eingriffe.
Teuer und ineffektiv
Eine solche Denkweise dürfte den Eurokraten in Brüssel gefallen. Dort hat man die angebliche „Klimarettung“ längst zum politischen Großprojekt erhoben. Bis 2030 müssen die Netto-Treibhausgasemissionen der EU um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken. Für 2040 hat Brüssel eine Reduktion um 90 Prozent festgeschrieben, wobei ein begrenzter Anteil über internationale CO2-Gutschriften erreicht werden darf. Spätestens 2050 soll die gesamte Union „klimaneutral“ sein. Mit Emissionshandel, CO2-Bepreisung und immer strengeren Vorschriften treibt die EU-Kommission den Umbau von Energieversorgung, Industrie und Verkehr voran.
Was dieser Kurs an Kapital erfordert, hat die Kommission im März 2026 selbst vorgerechnet. Zwischen 2026 und 2030 sollen jährlich rund 660 Milliarden Euro in den europäischen Energiesektor fließen. Von 2031 bis 2040 veranschlagt Brüssel sogar 695 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Zwischen 2011 und 2021 lagen die durchschnittlichen jährlichen Energieinvestitionen bei rund 240 Milliarden Euro. Für ihre Energieziele rechnet die EU-Kommission also mit fast dreimal so hohen Investitionen wie damals. Die Summen umfassen unter anderem Stromerzeugung, Energieeffizienz und Stromnetze.
Die chinesischen Berechnungen sind eine unangenehme Nachricht für all jene Politiker, die ihre Netto-Null-Programme als Rettung des Weltklimas verkaufen. Sie zeigen, dass selbst radikale Emissionssenkungen über Jahrzehnte durch andere Klimaeffekte weitgehend ausgeglichen werden können. Man verschleudert heute Billionen dafür, um in mehreren Jahrzehnten vielleicht – aber auch nur vielleicht – ein paar Zehntelgrad an Temperaturreduktion zu erzielen. Ob dies ein gutes Geschäft ist, darf sich jeder selbst ausrechnen.