Fünf Jahre Kampf: Er will nach seinem Impfschaden doch einfach „ein bisschen Leben“

Screenshot via MWGFD

Er stand mit beiden Beinen fest im Leben – bis zur Impfung, die er sich wegen des immensen Drucks verabreichen ließ. Gegenüber Johannes Clasen vom MWGFD beschreibt Alfred, wie die zweite Spritze ihn aus seinem Alltag riss. Hirnwasserstau, sofortige OP, anhaltende Gesundheitsprobleme. Seit Jahren kämpft er um Anerkennung seines Impfschadens, Behandlungen haben bereits tausende Euro verschlungen. Sein bescheidener Wunsch: wieder „ein bisschen mehr Leben“.

Der folgende Artikel von Elisabeth Maria erschien zuerst beim MWGFD:

Es ist ein spontaner Moment, der diesem Gespräch vorausgeht. Im griechischen Restaurant von Georgios in Bingen sitzt Alfred zunächst nur als Zuhörer im Raum. Mit ihm sind noch weitere Impfgeschädigte gekommen, um dem Gespräch zwischen dem impfgeschädigten Georgios und Johannes Clasen beizuwohnen. Spontan meldet Alfred sich zu Wort. Denn auch er möchte erzählen. Seine Geschichte der letzten Jahre drängt nach draußen – ungeplant, aber mit Nachdruck. So entwickelte sich spontan ein intensives, persönliches Gespräch zwischen Alfred Wilbert und Johannes Clasen.

Ein Leben voller Energie – vor der Impfung

Alfred war ein Mann, der mitten im Leben stand und viel gearbeitet hat. Er ist „gelernter Fleischer“ und hat später sein Geld als Zusteller bei der Rheinzeitung verdient. Nacht für Nacht war er unterwegs, betreute als Gebietsleiter einen großen Bereich, lief dabei pro Tour viele Kilometer.

„Ich hatte überhaupt keine Angst vor Corona“, sagt er. Sein Alltag fand draußen statt, im Außendienst. Die Pandemie schien weit weg. Und auch eine Impfung kam für ihn zunächst nicht infrage.

„Weil ich wusste, ich war fit.“

Fit – das bedeutete für ihn: belastbar, aktiv, körperlich stark. Ein Zustand, den er selbst sehr genau einschätzen konnte.

„Ich bin ja als Zusteller nachts 12 km gelaufen, von daher wusste ich, war ich fit.“

Der Druck wuchs

Doch Alfred ließ sich schließlich doch impfen. Jedoch nicht aus Überzeugung.

Der Druck kam schleichend – aus verschiedenen Richtungen. Vom Arbeitgeber, der nach dem Impfstatus fragte. Vom Hausarzt, der die Impfung empfahl. Und aus der Familie.

Der entscheidende Punkt war der Wunsch, die Schwiegermutter im Altenheim besuchen zu dürfen. So erhielt er im November und Dezember 2021 zwei Impfungen, jeweils mit dem Impfstoff von Moderna.

Der Moment, in dem sich alles veränderte

Nach der ersten Dosis verspürte Alfred kaum etwas. Eine Schwellung am Arm, sonst nichts. Wie gewohnt arbeitete er weiter. Doch nach der zweiten Impfung, die er an einem Werktag abends zwischen 17 und 18 Uhr erhielt, war es anders. Noch in derselben Nacht ging er wie gewohnt zur Arbeit. Doch am Morgen kippte sein Zustand plötzlich:

„Gegen Morgen ging das los: stechende Kopfschmerzen, dann hat sich alles gedreht.“

Ein Gefühl, das er nicht kannte.

„Das hatte ich nie.“

Alfred konnte sich nicht einmal hinlegen. Die Schmerzen, der Schwindel – sie ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Ihm war klar:

„Irgendwas stimmt im Kopf nicht.“

Seine Frau brachte ihn zum Hausarzt. Von dort ging es sofort ins MRT, weiter ins Krankenhaus – schließlich dann mit einem „mulmigen Gefühl“ in die Uniklinik Mainz.

Dort fiel schnell eine Entscheidung:

„Die haben direkt gesagt, wir können Sie nicht mehr heimlassen, wir müssen direkt eine OP machen. Sie haben einen Hirnwasserstau.“

Keine 24 Stunden nach Einweisung in die Uniklinik Mainz wurde Alfred operiert.

Zweifel, die keine sein dürfen

Nach dem Eingriff verspürte er zunächst Erleichterung, „eine wesentliche Entlastung.“ Doch andere Symptome blieben bestehen.

Ihm war klar, was die Ursache für seinen lebensbedrohlichen Zustand war:

„Mir war eigentlich direkt bewusst, dass irgendwas mit der Impfung nicht in Ordnung sein kann.“

Er sprach es aus – im Krankenhaus, später in der Reha. Immer wieder.

„Ich hab immer gesagt: Das war die Impfung.“

Doch er stieß auf Widerstand. Oder vielmehr: auf Ablehnung.

„Ich war felsenfest überzeugt. Das ist alles abgewiegelt worden.“

Alfred wurde nicht ernst genommen, fühlte sich behandelt „wie ein Simulant, wenn ich was von der Impfung erzählt hab.“  Zudem litt er weiterhin an belastenden Symptomen.

Ein Satz einer Ärztin aus einer späteren Untersuchung an der Uniklinik in Frankfurt brannte sich tief und dauerhaft in Alfreds Gedächtnis ein:

„Wenn Sie an dem Tag Ketchup gegessen hätten, dann wär’s vom Ketchup.“

Diese Bemerkung habe ihn „total niedergeschlagen“, erzählt er mit stockender Stimme.

Ein Kampf um Anerkennung

Erst zwei Jahre später, 2023, erfuhr Alfred erstmals echte Bestätigung, fühlte sich gesehen und ernst genommen. Denn in einer psychosomatischen Klinik sagte ein Psychologe zu ihm:

„An Ihrer Lebensleistung sehe ich, dass Sie kein Simulant sind.“

Damals brach Alfred in Tränen aus.

„Was bei mir normalerweise nicht der Fall ist.“

Denn dieser Psychologe war der erste Therapeut, der ihm glaubte, dass seine anhaltenden Beschwerden von der Impfung stammen und seine Lebensqualität schwer beeinträchtigen.  

Dennoch ist Alfreds Weg zur Anerkennung lang – und teuer. Drei Ordner voller Befunde und Diagnosen hat er inzwischen gesammelt. Unzählige teure Arztbesuche und Therapieversuche hat er bereits hinter sicher.

„Das hat schon zigtausende von Euro verschlungen.“

Eine Diagnose aus Marburg, nach frustrierender zwei- bis dreistündiger Untersuchung, lautete schließlich:

„PostCovid nach Impfung“

Hinzu kommen weitere Befunde wie POTS, chronische Migräne, Entzündung der Nervengänge, Brainfog, chronische Sinusitis, Schmerzen, Verspannungen, Gelenkprobleme und ME/CFS.

„Ich hab zwei Seiten Diagnosen von der Krankenkasse zugeschickt bekommen. […] Vorher kerngesund.“

Ein Leben im Ausnahmezustand

Heute ist Alfred nicht mehr arbeitsfähig. Seit über vier Jahren ist er zu Hause. Der Antrag auf Erwerbsminderungsrente liegt beim Sozialgericht. Demnächst muss er wegen der Anerkennung des Impfschadens zum Gutachter.

Sein Alltag ist geprägt von Einschränkungen:

„Mittlerweile fast nur noch Couch oder im Garten relaxen. Mehr bleibt mir nicht. Körperliche Aktivität fast gar nicht.“

Früher war er ständig unterwegs, hatte zwei Hunde, war körperlich aktiv. Heute birgt jede Anstrengung, auch die Anstrengung dieses Gesprächs, das Risiko, einen Crash zu erleiden.

Selbst einfache Reize können zu einem Zusammenbruch führen, der Tage anhalten kann und von Schmerzzuständen und Brainfog geprägt ist.

Der Verlust des Vertrauens und das Gefühl des Alleingelassenseins

Was Alfred besonders getroffen hat, geht über seine massiven körperlichen Symptome hinaus.

Es ist der Verlust des Vertrauens. Denn:

„Mittlerweile vertraue ich den Ärzten nicht mehr so.“

So begann er, sich selbst zu informieren, las Studien, tauschte sich in Gruppen und Foren aus, und orientierte sich an anderen Betroffenen und Veröffentlichungen einzelner zugewandter und vertrauenswürdiger Ärzte wie Ralf Tillenburg, der sich verständnisoffen und intensiv mit Impfschäden auseinandergesetzt hat. Was Alfred jetzt an Medikamenten nimmt oder therapeutisch versucht, hat er sich selber angelesen. Denn:

„Auf die Ärzte braucht man eigentlich nicht zu hoffen.“

Auch finanziell gerät Alfred unter Druck. Tausende Euro hat er bereits für Ärzte, Diagnosen, Therapien, Medikamente ausgegeben. Auf der anderen Seite haben er und seine Frau außer Mieteinnahmen und der Rente seiner Frau keine Einkünfte und müssen sich einschränken.

Sein juristischer Weg endete vorzeitig nach gewonnener erster Instanz – weitere juristische Schritte sind zu teuer, zu belastend, da die Rechtsschutzversicherung die weitere Kostenübernahme verweigert.

Unterstützung erhält er also kaum: weder finanziell, noch medizinisch noch juristisch.

„Man hat sich solidarisch gezeigt, und wird jetzt im Regen stehen gelassen“,

so sein resignierendes Fazit.

Ein Satz, der trifft und viel über seine Situation und die vieler anderer Geschädigter aussagt.

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Psychisch ist Alfred durch seine Lebenssituation stark gezeichnet.

„Wenn man fünf Jahre zu Hause ist, früher topfit war, mobil war, […]  jetzt mittlerweile ans Haus fast nur gebunden bin. […] Am Anfang war ich kurz vorm Abdrehen.“

Heute hat er einen Psychologen, der ihm hilft und sich „auch mit der Thematik“ beschäftigt: „Top der Mann“, so Alfred.

Durch ihn und den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik hat er Selbstbewusstsein zurückerlangt und wieder etwas Hoffnung geschöpft. Sein Ziel ist, sein

„altes Leben zurückzugewinnen. Auch wenn es nicht mehr ganz so wird, wie es war. Aber vielleicht ein bisschen.“

So probiert er weiter aus, sucht weiter nach neuen Möglichkeiten, sich zu verbessern – Schritt für Schritt. Denn sein Wunsch für die Zukunft ist klar: Er möchte „wieder bisschen vorwärts“ kommen,

„dass ich bisschen Plus wieder in meinem Leben erfahre. […] Ich will ja irgendwann ein bisschen Leben noch haben.“

Es ist kein großer Anspruch. Kein radikaler Neubeginn. Nur der Wunsch nach ein bisschen mehr Normalität, ein bisschen mehr Leben.

Möge sein Wunsch in Erfüllung gehen.

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