Norwegens Energieminister beerdigt die Mär von der deutschen Energiewende. Norwegen baut keine neuen Stromautobahnen nach Deutschland, bohrt dafür nach Öl und Gas in der Arktis. Die Nachbarn wollen nicht länger für Berlins Energiewahnsinn bezahlen.
Am 24. August 2026 hat Terje Aasland Deutschland den Stecker gezogen. Norwegen sei nicht die grüne Batterie Europas, das Konzept sei eine falsche Idee gewesen und neue Seekabel nach Kontinentaleuropa werde es nicht geben. Gleichzeitig bleibt Oslo bei der Erschließung von Öl und Gasvorkommen in der Barentssee, unabhängig davon, was Brüssel dazu sagt. Angesprochen ist vor allem Deutschland. Das Land, das steuerbare, grundlastfähige Kraftwerke abgeschaltet und gesprengt hat und nun bei Flaute und Dunkelheit den Rest Europas um Strom bitten muss.
Aasland verlangt von den Kontinentaleuropäern (auch hier sind wieder die Deutschen gemeint), selbst wieder steuerbare Leistung aufzustellen. In Klartext übersetzt: Kraftwerke bauen, die man einschalten kann, wenn der Bedarf da ist, nicht Anlagen, die nur dann Strom liefern, wenn der Wind gerade weht.
Steuerbare Leistung. Das galt in Deutschland erstens als rechtes Märchen und zweitens als Sünde. Atomkraftwerke wurden abgeschaltet, Kohlekraftwerke gesprengt, Gas wollte man auch nicht mehr. Dafür stehen heute weit über 200 Gigawatt an installierter Leistung aus Wind und Sonne in der Landschaft herum. Zu Kosten von bis zu einer Billion Euro. Die Höchstlast liegt bei nur rund 80 Gigawatt, am Papier sieht’s also gut aus mit der Stromversorgung. Aber Photovoltaik hat an einem Winterabend eine Kapazität von, nun ja, null. Wind liefert in der Dunkelflaute auch nur einen Bruchteil der theoretischen Nennleistung. Dann bleibt in Deutschland eine Residuallast von vielen Dutzend Gigawatt, die irgendwer liefern muss. 2025 gab es kalte Dunkelflauten über zwei und acht Tage. Batterien mit ein paar Stunden Speicherdauer können das nicht ersetzen.
Die andere Seite derselben Medaille sind die negativen Energiepreise. 2024 waren es 457 Stunden unter null, 2025 schon 573 Stunden, rund 6,5 Prozent des gesamten Jahres. Strom wird dann nicht gebraucht, sondern entsorgt, gegen Bezahlung. Die Produzenten bekommen natürlich trotzdem vom Steuerzahler ihre vereinbarten Erzeugerpreise, auch wenn sie dann erzeugen, wenn’s keiner braucht. Gleichzeitig steigen die Kosten für Redispatch und Abregelung ins Unermessliche. Das System Flatterstrom produziert dann, wenn der Nutzen negativ ist, und fehlt, wenn die Industrie und Haushalte den Strom brauchen. Das ist das Gegenteil von Versorgungssicherheit, das ist Energieroulette. Und treibt die Preise ins Astronomische.
Über die Stromautobahn NordLink sind diese Preisspitzen nach Südnorwegen durchgeschlagen. Dort zahlen Haushalte oft direkt den Spotpreis. Wenn in der Nordsee Flaute herrscht und Deutschland Strom absaugt, explodieren die Preise in der Zone NO2, obwohl die norwegischen Speicher voll sein können. Die Norweger haben das bemerkt. Ihre Regierung auch.
Wenn Frankreich, Dänemark, die Niederlande und Schweden dem norwegischen Beispiel folgen und nicht länger als Ausgleich für deutsche Dunkelflauten herhalten wollen, bleiben Berlin genau zwei Möglichkeiten. Entweder wieder Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke zu bauen. Oder extreme Preisspitzen, den Lastabwurf von Verbrauchern (umgangssprachlich: kein Strom mehr) und Industrie, die fluchtartig das Land verlässt. Wenn sie nicht schon tot ist. Die Wasserkraft ist in Deutschland schon ausgereizt. Und die Hoffnung auf den Nachbarn ist keine Energiepolitik.
Aasland hat den Kontinent (Deutschland!) höflich aufgefordert, die eigene stabile Stromerzeugung wieder zu stärken, die durch Kohle- und Atomausstiege und fehlende neue Gaskraftwerke ausgehöhlt wurde. Für Ursula von der Leyen übersetzt: Hört auf, eure Planwirtschaft auf unsere Stauseen abzuwälzen. Norwegen liefert natürlich weiter Öl und Gas, weil Europa das braucht und weil Oslo über seine Ressourcen selbst entscheidet. Die EU darf da moratorieren, so viel sie will.
Die deutsche Energiewende beruhte auf dem Glauben, man könne Physik durch Moral ersetzen und den Rest importieren. Die Nachbarn haben die Schnauze voll. Das ist das Ende der Illusion, das Wetter sei grundlastfähig. Deutschland braucht wieder Kraftwerke, die liefern, wenn man sie braucht. Kohle, Gas oder Atom, was auch immer. Der Maßstab des Bedarfs an zusätzlicher Grundlast ist die Stromerzeugung durch Wind und Sonne in der schlechtesten Winterwoche. Nicht die Jubel-Pressemitteilung der Regierung im Sommer.
