Deutschlands Autoindustrie blutet aus – jetzt trifft es auch die Forschung

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Deutschlands Industrie verliert nicht nur Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze. Auch in den Forschungsabteilungen wird inzwischen gespart. Bundesweit gingen 2025 Forschungskapazitäten im Umfang von 6.654 Vollzeitstellen verloren. Besonders kräftig kürzten die Autohersteller und ihre Zulieferer – ausgerechnet jene Unternehmen, die im internationalen Technologiewettbewerb besonders unter Druck stehen.

Der Industriestandort Deutschland gerät immer stärker unter Druck. Während die Unternehmen bei Forschung und Entwicklung sparen, verlieren sie gleichzeitig qualifiziertes Forschungspersonal. Laut den am Donnerstag veröffentlichten Trenddaten des Stifterverbands sank das Forschungspersonal in den Unternehmen im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf 547.447 rechnerische Vollzeitstellen. Gleichzeitig stiegen die internen Forschungs- und Entwicklungsausgaben lediglich von 92,5 auf 92,9 Milliarden Euro. Ein nominales Plus von gerade einmal 0,4 Prozent, das nicht einmal die allgemeine Teuerung ausgleicht. Statt kräftig in neue Technologien zu investieren, treten die Unternehmen insgesamt auf die Kostenbremse.

Auch bei extern vergebenen Forschungsaufträgen wird gespart. Erstmals seit 2016 gingen die entsprechenden Aufwendungen zurück, und zwar um 0,9 Prozent auf rund 32,7 Milliarden Euro. Diese Aufträge gehen unter anderem an spezialisierte Entwicklungsunternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wenn die Industrie hier kürzt, trifft das am Ende auch Betriebe und Institute außerhalb der eigentlichen Produktionsunternehmen.

Deutschlands Autobauer streichen die Entwicklungsetats zusammen

Besonders deutlich ist der Rückgang in der Automobilindustrie. Die Hersteller und ihre wichtigsten Zulieferer reduzierten ihre internen Forschungsaufwendungen um fast 1,5 Milliarden Euro beziehungsweise 4,7 Prozent. Beim Forschungspersonal betrug das Minus sogar 5,8 Prozent. Der Stifterverband nennt sinkende Umsätze und schrumpfende Gewinne als wesentliche Ursachen. Der wirtschaftliche Druck ist inzwischen so groß, dass selbst die Entwicklungsabteilungen nicht mehr verschont bleiben.

Dabei müssen sich die deutschen Autobauer ohnehin gegen eine immer stärkere internationale Konkurrenz behaupten. Insbesondere chinesische Hersteller setzen sie bei Elektroautos und Fahrzeugsoftware unter Druck. Gleichzeitig verlangt der politisch forcierte Umbau der europäischen Autoindustrie enorme Investitionen in neue Antriebstechnologien. Die Hersteller sollen ihre Modellpaletten grundlegend umstellen, während ihre finanziellen Spielräume schrumpfen. Ausgerechnet bei der Entwicklung künftiger Produkte wird nun der Rotstift angesetzt.

Der Rückzug aus der Forschung reiht sich in den allgemeinen Niedergang der deutschen Automobilindustrie ein. Report24 berichtete bereits im August, dass binnen zwölf Monaten 42.300 Arbeitsplätze in der Branche verschwanden. Nun schrumpfen auch jene Entwicklungskapazitäten, von denen neue Modelle, Produktionsverfahren und technische Innovationen abhängen. Die Deindustrialisierung trifft damit nicht mehr nur die Fertigung, sondern zunehmend auch die technologische Basis des Standorts.

Doch nicht überall wird gekürzt. Der Maschinenbau erhöhte seine internen Forschungsausgaben um neun Prozent und stockte sein Forschungspersonal um 4,2 Prozent auf. Auch die Pharmaindustrie meldete ein Plus von 10,4 Prozent, wobei ein erheblicher Teil auf die Verlagerung bisher extern vergebener Forschung in die Unternehmen zurückgeht. In der Informations- und Kommunikationsbranche sanken die internen Forschungsaufwendungen dagegen um zwei Prozent.

Von den vollmundigen Forschungszielen der Bundesregierung entfernt sich Deutschland derweil immer weiter. Der Anteil der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben an der Wirtschaftsleistung fiel von 3,12 auf 3,07 Prozent. Angestrebt werden 3,5 Prozent. Und eine rasche Erholung zeichnet sich nicht ab: Für 2026 rechnen die befragten Unternehmen bereits mit einem weiteren Rückgang ihrer internen Forschungsaufwendungen um 1,8 Prozent.

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