Clan-Häftling befreit: Fußfesseln ließen sich mit Schlüssel für unter zehn Euro öffnen

Symbolbild: KI

Zwei Maskierte überwältigten im Oktober Justizbeamte in Essen und befreiten einen Clankriminellen aus der U‑Haft. Man sollte meinen, die Befreiung wäre für die Behörden peinlich genug gewesen, doch nun kommt auch noch heraus: Seine Fußfesseln ließen sich mit einem billigen Universalschlüssel aus dem Internet öffnen. Das Sicherheitsproblem war bereits seit Monaten bekannt.

Irre Blamage für den deutschen Justizvollzug: Ein 34-jähriger Untersuchungshäftling wurde bei einem Arztbesuch in Essen von zwei maskierten Komplizen gewaltsam befreit. Schon unmittelbar nach der Tat fragten sich die Bürger: Wie war das möglich? Jetzt stellt sich auch noch heraus, dass seine Fußfesseln mit einem Universalschlüssel geöffnet werden konnten, der für weniger als zehn Euro frei im Internet erhältlich ist.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa informierte Nordrhein-Westfalens Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) den Rechtsausschuss des Landtags über die Sicherheitslücke. Die Fesseln verfügten demnach nicht über individuelle Schlösser. Stattdessen passte ein universeller Schlüssel, der auch baugleiche Modelle öffnen kann. Nicht einmal 10 Euro kostet das gute Stück im Internet.

Häftling mit Clanbezügen auf der Flucht

Die Tat ereignete sich Mitte Oktober. Zwei Bedienstete der Justizvollzugsanstalt Essen begleiteten den 34-jährigen Dijvar Gündüz zu einer ärztlichen Untersuchung in die Innenstadt. Im Treppenhaus überwältigten zwei maskierte Männer die Justizbeamten und befreiten den Gefangenen. Anschließend flohen alle drei. Gündüz soll wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft gesessen haben und von den Behörden dem Bereich Clankriminalität zugeordnet werden.

Wie genau die Fluchthelfer an einen passenden Schlüssel gelangten, ist bislang nicht geklärt. Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit sitzt ein Beamter der JVA Essen mittlerweile in Untersuchungshaft.

Sicherheitsproblem seit Monaten bekannt

Dass sich bestimmte Hand- und Fußfesseln mit frei erhältlichen Nachschlüsseln öffnen lassen, ist nicht neu. Bereits im Februar wurde bekannt, dass sich ein Festgenommener in Bayern selbst aus seinen Handschellen befreit hatte. Auch die nordrhein-westfälische Polizei verwendete entsprechende Modelle. Die bayerischen Behörden hatten schon Ende 2025 Kenntnis von der Sicherheitslücke.

Trotzdem waren im Oktober auch beim Gefangenentransport in Essen Fesseln mit einem vergleichbaren Problem im Einsatz. Das nordrhein-westfälische Justizministerium erklärte nach der Flucht, die Sicherungsmaßnahmen hätten nach damaligem Kenntnisstand den geltenden Vorgaben entsprochen. Das hilft nur leider nichts, wenn diese Vorgaben nicht ausreichen. Wie sehr sind die Behörden um die Sicherheit der Bürger bemüht, wenn sie wissentlich Fesseln verwenden, deren Schlösser problemlos mit billigen Universalschlüsseln aus dem Internet zu öffnen sind?

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