Diebstähle, Einschüchterungen und brutale Gewalt: Die beschauliche Gemeinde Bitz (ca. 3800 Einwohner) im baden-württembergischen Zollernalbkreis wird seit Monaten von einer Gruppe Minderjähriger terrorisiert – es soll sich um die Kinder einer ukrainischen Flüchtlingsfamilie handeln. Der bisherige traurige Höhepunkt: Ein achtjähriger Junge wurde auf offener Straße zusammengeschlagen und musste ins Krankenhaus. Eltern bangen um die Sicherheit ihrer Kinder und fordern von den Behörden endlich wirksame Maßnahmen.
Was sich Mitte Oktober in der Nähe der Grundschule von Bitz abgespielt haben soll, lässt viele Eltern fassungslos zurück. Ein achtjähriger Junge war mit seinem Fahrrad unterwegs, als er nach Angaben seiner Mutter von zwei anderen Jungen angegriffen wurde. Die beiden sollen ihn vom Fahrrad gezogen und anschließend gezielt gegen den Kopf und die Schläfe geschlagen haben.
Das Kind erlitt eine Schädelprellung und musste im Krankenhaus behandelt werden. Zwar hat sich der Junge körperlich inzwischen erholt, doch die psychischen Folgen des Angriffs belasten ihn weiterhin.
Die Polizei bestätigte den Angriff auf den Achtjährigen gegenüber dem SWR. Die beiden tatverdächtigen Jungen wurden nach dem Vorfall nach Hause gebracht. Weitere Einzelheiten zu ihnen teilte das Polizeipräsidium Reutlingen unter Hinweis auf ihr Alter und den besonderen Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte nicht mit. Täterschutz vor Opferschutz – das kennt man inzwischen in Deutschland.
Der Angriff auf den Grundschüler ist kein Einzelfall. Seit Monaten berichten Einwohner von Bitz über Probleme mit einer Gruppe auffälliger Kinder und Jugendlicher. Ihnen werden unter anderem Diebstähle in einem Supermarkt, an einer Tankstelle und aus privaten Vorgärten vorgeworfen. Hinzu kommen Berichte über Einschüchterungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe.
Die Verunsicherung ist inzwischen so groß, dass manche Eltern ihre Kinder nicht mehr unbeaufsichtigt auf die Straße lassen. Was in einer kleinen Gemeinde eigentlich selbstverständlich sein sollte – unbeschwertes Spielen und ein sicherer Schulweg -, ist in Bitz offenbar keine Selbstverständlichkeit mehr.
Ukrainische Kinder unter 14 Jahren – also nicht strafmündig
Wie die „Schwäbische“ berichtet, sollen die Probleme in Bitz auf minderjährige Kinder – alle unter 14 Jahre alt – einer ukrainischen Flüchtlingsfamilie zurückgehen. Bürgermeisterin Raphaela Gonser bestätigte gegenüber der Zeitung, dass sich die Beschwerden auf diese Familie beziehen. Allerdings ist bislang nicht nachgewiesen, dass sämtliche gemeldeten Vorfälle auf diese Gruppe zurückgehen.
Nach dem Angriff auf ihren Sohn beschlossen die Eltern, nicht länger tatenlos zuzusehen. Sie gründeten die „Elterninitiative Bitz“, die inzwischen breite Unterstützung erhält.
Mehr als 330 Menschen unterstützten einen Hilferuf an das Landratsamt Zollernalbkreis. Die Polizei erhielt eine Kopie des Schreibens. Die Elterninitiative fordert unter anderem einen festen Ansprechpartner, an den sich betroffene Familien bei weiteren Übergriffen wenden können. Zudem wollen die Eltern wissen, welche konkreten Maßnahmen ergriffen werden können, um solche Vorfälle künftig zu verhindern. Auch bei einer Gemeinderatssitzung machten zahlreiche besorgte Eltern ihrem Unmut Luft.
Bürgermeisterin Gonser verwies auf die schwierige Sachlage: Besonders problematisch ist das Alter der mutmaßlichen Täter, Kinder unter 14 Jahren gelten in Deutschland als strafunmündig. Zudem lebt die Familie in einer privat angemieteten Wohnung. Da es sich um ein privatrechtliches Mietverhältnis handelt, habe die Gemeindeverwaltung keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen. Gonser betonte, dass sie bereits seit Wochen in Kontakt mit sämtlichen Behörden stehe – unter anderem mit dem Landratsamt, dem Jobcenter, der Caritas und der Polizei.
Das Landratsamt erklärte nach Erhalt des Schreibens, man nehme die geschilderten Vorfälle sehr ernst und habe Verständnis für die Sorgen und Forderungen der Eltern. Landrat Günther-Martin Pauli (CDU) stehe bereits mit der Gemeinde in Kontakt und habe Gespräche mit den betroffenen Familien geführt. Nach Angaben eines Sprechers werde derzeit geprüft, welche Behörden zuständig seien und welche rechtlichen Möglichkeiten für ein Eingreifen bestünden.
Die Polizei verweist unterdessen darauf, dass ihr bislang keine belastbaren Erkenntnisse über einen deutlichen Anstieg entsprechender Anzeigen oder Einsätze vorliegen. Für die betroffenen Eltern ändern solche Angaben und Beschwichtigungsversuche nichts. Die negativen Konsequenzen der Migrations- und Flüchtlingspolitik sind mittlerweile wohl auch im letzten Winkel Deutschlands angekommen …