Vollmundig hatte die Bundesregierung einen Bürokratieabbau angekündigt. Eine aktuelle Umfrage zeigt aber: Nichts wurde abgebaut. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen spürt statt Entlastungen sogar zusätzliche Belastungen. Ein Bericht der Bundesbank hatte bereits beleuchtet, wie viel die Regulierungswut an Umsatz verschlingt. Unternehmer haben im besten Deutschland keine Luft zum Atmen mehr.
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) killt das Narrativ des angeblichen Bürokratieabbaus in Deutschland: 98 Prozent der Unternehmen spüren demnach keinerlei Entlastung. Schlimmer noch: 53 Prozent davon berichten von einer Zunahme der Belastungen durch Vorschriften und Bürokratie.
Für 83 Prozent der Unternehmer stellen Vorschriftendschungel und Regulierungswut inzwischen das größte Risiko für den wirtschaftlichen Erfolg dar. Gefolgt wird das von hohen Arbeitskosten (ein Problem für 79 Prozent) und den hohen Energiepreisen (72 Prozent). Befragt wurden 1.006 Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitern.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger übte scharfe Kritik an der anhaltenden Belastung und sprach von einem „Sisyphos-Effekt“: Kaum kämpften sich die Betriebe durch eine Hürde, türme der Staat schon die nächste vor ihnen auf. Alles Kämpfen und Investieren nützt also nichts. Als Sofortmaßnahme fordert der Arbeitgeberverband unter anderem das ersatzlose Streichen des umstrittenen Lieferkettengesetzes für den Mittelstand sowie überflüssiger Meldepflichten.
Bürokratie frisst 7 Prozent vom Umsatz
Das Problem liegt keineswegs nur in komplizierten Abläufen und unnötigen Blockaden: Die Bürokratie kostet deutsche Unternehmen massiv Geld. Sie müssen einen immer größeren Teil ihrer Einnahmen dafür aufwenden, staatliche Vorschriften zu erfüllen. Wie teuer das geworden ist, zeigte bereits im Juli ein Bericht der Deutschen Bundesbank. Demnach stiegen die Bürokratiekosten deutscher Unternehmen zwischen 2022 und 2024 im Durchschnitt von rund fünf auf etwa sieben Prozent des Jahresumsatzes. Das entspricht innerhalb von nur zwei Jahren einem Anstieg um fast die Hälfte. Grundlage ist eine Befragung von rund 7.000 Unternehmen.
Hier bezeichnen knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen Bürokratie als drängendes Problem. 2022 waren es noch 45 Prozent. Besonders stark gestiegen sind die Belastungen bei Steuer- und Finanzberichterstattung, Arbeitsrecht und Beschäftigungsregulierung, Umweltvorschriften sowie Datenschutz. Hinzu kommen neuere Anforderungen etwa durch Nachhaltigkeitsberichterstattung, das Lieferkettengesetz und Vorschriften zur IT-Sicherheit. Häufig müssen dafür IT-Systeme, Kontrollprozesse und Dokumentationsverfahren angepasst werden. Mancher Aufwand könnte laut Bundesbank vorübergehend sein, doch an den immensen Belastungen für die Unternehmen ändert das nichts.
Kleine Betriebe sind besonders betroffen. Der Mittelständler muss sich ebenso mit Vorschriften beschäftigen wie der Großkonzern, nur fehlt ihm dafür eine eigene Compliance-Abteilung. Bürokratie bindet somit gerade bei kleineren Unternehmen Arbeitskapazität und verdrängt Tätigkeiten, mit denen tatsächlich Umsatz erwirtschaftet werden könnte.
193 Milliarden Euro für Informationspflichten
Gesamtwirtschaftlich erreichen die Belastungen aberwitzige Dimensionen. Die Bundesbank verweist auf Berechnungen des Sachverständigenrates, wonach allein die durch Informationspflichten verursachten Kosten 2024 bei 193 Milliarden Euro lagen. Zwischen 2022 und 2025 stellte zudem jeder zehnte Betrieb zusätzliches Personal ein, um gesetzliche Vorgaben und Dokumentationspflichten erfüllen zu können. Damit verbrät die ohnehin massiv strauchelnde Wirtschaft also immer mehr Ressourcen dafür, dem Staat zu erklären, was sie tut, wie sie es tut und dass sie es vorschriftsgemäß tut.