Der Staat möchte offenbar wissen, ob Sie es in Bälde wagen könnten, die Pflegekassen zu belasten, in die Sie jahrzehntelang einzahlen. Ein neues Gesetz sieht eine „Überprüfung“ der Bürger ab 60 Jahren vor: Wer „auffällt“, der bekommt dann „Unterstützung“.
Ein Kommentar von Vanessa Renner
Im Pflegebereich fließe zu wenig Geld in Prävention, so beklagt der CDU-Abgeordnete und Drogenbeauftragte Hendrik Streeck in einem aktuellen Video auf Instagram. Dabei spricht er den Zuschauer an, als wäre er ein Kind auf der Schulbank: „Stell dir zum Beispiel einen 62-Jährigen vor…“
Wer mit Anfang 60 zunehmend abbaue und schließlich gar stürze, sollte Streeck zufolge eigentlich auf Unterstützungsbedarf geprüft werden, um seine Gesundheit und Selbstständigkeit zu fördern und zu erhalten. (Übrigens ein regelrecht amüsant anmutendes Beispiel angesichts der politischen Forderungen von Streecks Partei, dass der Bürger gefälligst bis 68 oder gar 70 arbeiten sollte.) Stattdessen reagiere das System aber erst, wenn die Menschen endgültig pflegebedürftig sind.
Auf eins kann man sich einigen: Das deutsche Gesundheitssystem hat erbärmliche Zustände erreicht. Das liegt aber nicht daran, dass noch nie ein Mediziner einen Gedanken an echte Prävention verschwendet hätte. Die beginnt ohnehin weit vor Erreichen des 60. Lebensjahres – je nach Lebensstil ist das Kind in diesem Alter nämlich schon im Brunnen ersoffen.
Das System hakt vielmehr daran, dass medizinische Einrichtungen, die die ganze Welt auf Kosten der deutschen Beitragszahler versorgen sollen, längst zu einem „gerade so viel machen, dass wir’s lohnend abrechnen können“-Betrieb übergegangen sind. Hauptsache, man dokumentiert etwas, das den Geldfluss bestmöglich absichert. Aber es soll bitte nicht so lange dauern. Man hat nämlich viele Patienten, wenig Personal und generell keine Zeit. Klingt zynisch, erlebt man im Klinikalltag aber stets und ständig. Die Würde des Menschen ist im Gesundheitssystem nicht nur antastbar, sie ist vielfach abgeschafft.
Bürger auf den Prüfstand
Was soll nun die Lösung nach dem „Pflegeneuordnungsgesetz“ sein, das Streeck in seinem Video so vollmundig ankündigt? Die Bürger gehören auf den Prüfstand. Ab 60 Jahren soll man per Gesetz medizinisch unter die Lupe genommen werden: Sehen, Hören, Ausdauer, Kraft, Gleichgewichtssinn, Medikation, alles soll erfasst werden. Wer „auffällt“ (ohoh, potenzieller Kostenverursacher identifiziert!), soll die „richtige Hilfe“ bekommen, „die Unterstützung, die er braucht“. Hoffentlich bekommen Politiker auch „die Unterstützung, die sie brauchen“ – und haben den Tag, den sie verdienen. Klingt das für Sie fürsorglich? Mancher könnte da Zweifel hegen.
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— MartinaKlar (@MartinaKlar) October 27, 2026
Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz soll deshalb ein Check-up ab 60 kommen. Geprüft werden Gehen Kraft, Gleichgewicht, Sehen, Hören und Medikamente‼️
Du sollst bis 70 arbeiten und wirst ab 60 geprüft‼️
Ich lass das mal so stehen pic.twitter.com/yBljoPNo2K
Erinnern wir uns: Diese Überprüfung fordert exakt der Staat, der einen zum Gefährder erklärt hat, weil man eine umstrittene „Impfung“ abgelehnt hat. Der Staat, dessen Personal es in vielen Fällen offen befürwortete und forderte, dass die Menschen, die eine nebenwirkungsreiche Spritze mit fragwürdiger Wirkung zugunsten der eigenen Gesundheit ablehnten, vom System, das sie selbst finanzieren, verstoßen werden. Ungeimpft? Kein Intensivbett! Sollen die Ungehorsamen ihre medizinischen Behandlungen doch fortan selbst finanzieren! Die monatlichen Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung sollten sie natürlich trotzdem weiter abdrücken, die sollten aber nur mehr den Gehorsamen (und der in Deutschland besonders geschützten Art der Sozialschmarotzer) zugute kommen.
Welche Konsequenzen hat die Untersuchung?
Diese „Logik“ lässt sich auch auf diese gewünschten Check-ups anwenden. Was ist denn, wenn ein Mensch eine solche Untersuchung (oder daraufhin vorgeschlagene Maßnahmen) ablehnt? Dann ist er wieder ungehorsam. Verfallen damit vielleicht irgendwann Ansprüche auf Pflegeleistungen? Weil er „Prävention“ verweigert hat? Wird am Ende weniger bezahlt? Denn es geht ja um Entlastung des Pflegesystems. Diese Entlastungen werden für irgendjemanden zu Belastungen werden. Die letzten Jahre geben leider keinen Anlass, dem Staat auch nur ein Fünkchen Vertrauen entgegenzubringen.
Für Mediziner schafft man mit so einem Check-up eine neue Einnahmequelle, die rasch durchgeführt und – juhu! – abgerechnet werden kann. Dem Patienten bringt das nichts. Er könnte ja dann „eine Reha machen“, so Streeck. Wenn er denn einen Platz bekommt und der Arbeitgeber den Ausfall genehmigt, möchte man hinzufügen. Und dann? Drei Wochen schlechte Kost und ein bisschen Gruppen-Ergotherapie und alles ist wieder top? Wohl kaum.
Indessen kann man sich nur ausmalen, welche Konsequenzen ein paar an der falschen Stelle gesetzte Häkchen auf dem Untersuchungsbogen für den Patienten haben könnten, wenn das deutsche Gesundheitssystem die Bürger (und insbesondere die Leistungsträger) weiter zum Feindbild erklärt.