28 Tote, jahrelange Warnungen: Teslas elektrische Türöffner als Todesfalle?

Symbolbild: KI

Brennende Teslas, blockierte Türen und verzweifelte Rettungsversuche: Weltweit sollen inzwischen mindestens 28 Menschen bei Unfällen gestorben sein, bei denen sich die Fahrzeugtüren nicht öffnen ließen. In China muss der Elektroautobauer fast drei Millionen Fahrzeuge nachbessern. Auch in Deutschland soll es bereits mehrere Todesopfer gegeben haben. Dabei warnten Ingenieure offenbar schon vor zehn Jahren vor den Risiken der elektrischen Türöffner.

Ein Mann sitzt auf der Rückbank seines brennenden Tesla Model Y und tritt verzweifelt gegen die Scheibe. Ein herbeigeeilter Lkw-Fahrer versucht, die Tür zu öffnen, doch sie bleibt verschlossen. Schließlich schlägt der Helfer ein Fenster ein, aber der dichte Rauch verhindert die Rettung. Der Tesla-Fahrer stirbt in den Flammen. Der Unfall ereignete sich im Oktober 2024 im südkoreanischen Anseong. Inzwischen beschäftigt der Fall sogar das Parlament, während Verbraucherschützer Strafanzeige gegen Tesla Korea und drei Führungskräfte erstattet haben. Der Vorwurf: Sicherheitsmängel seien nicht ausreichend offengelegt und behoben worden. Das Handelsblatt hat den Fall anhand von Behördenunterlagen rekonstruiert. Weshalb sich die Türen nicht öffnen ließen, ist bis heute ungeklärt.

Eine tödliche Serie

Der südkoreanische Todesfall reiht sich in eine erschreckende Serie ähnlicher Unfälle ein. Nach einer von Focus Online veröffentlichten Zusammenstellung starben weltweit mindestens 28 Menschen bei Tesla-Unfällen, bei denen blockierte Türen die Flucht oder Rettung erschwerten. Allein in den USA ermittelte Bloomberg anhand von Polizei-, Feuerwehr- und Obduktionsberichten 15 Todesopfer bei zwölf Unfällen. In Deutschland waren es seit 2018 mindestens acht Menschen. Nicht in jedem Fall ist geklärt, welchen Anteil die blockierten Türen am tödlichen Ausgang hatten.

Report24 berichtete bereits über den schrecklichen Unfall von Schwerte im September 2025, bei dem ein Mann und zwei neunjährige Kinder in einem brennenden Tesla ums Leben kamen. Ein späteres Gutachten stellte fest, dass das Notfallsystem der Türen versagt hatte. Die Ursache des technischen Fehlers konnte der Sachverständige allerdings nicht ermitteln. Bereits 2022 starben in Brandenburg zwei Jugendliche auf der Rückbank eines brennenden Model S, dessen hintere Türen sich nach dem Aufprall nicht mehr öffnen ließen. Für die Insassen wurde die moderne Türtechnik zur Todesfalle.

Design vor Sicherheit

Teslas elektrische Türöffner können bei einem Stromausfall zur lebensgefährlichen Falle werden. Zwar gibt es mechanische Notentriegelungen, doch diese sind teilweise geradezu absurd konstruiert. Bei bestimmten Model-Y-Versionen muss man auf der Rückbank erst eine Matte aus dem Türfach entfernen, eine Abdeckung öffnen und anschließend an einem versteckten Seilzug ziehen. Laut Teslas eigener Bedienungsanleitung verfügen manche Fahrzeuge nicht einmal über eine solche Notentriegelung für die hinteren Türen. Man stelle sich diese Prozedur einmal vor, während sich der Innenraum des Autos mit giftigem Rauch füllt und die Batterie thermisch durchgeht. Da wird dieser Konstruktionsfehler schnell zum Todesurteil.

Dabei wurde offenbar schon 2016 vor diesem Design gewarnt. Nach einer Bloomberg-Recherche vom Dezember 2025 hatten Tesla-Ingenieure bereits während der Entwicklung des Model 3 Sicherheitsbedenken gegen die elektrischen Türöffner vorgebracht. Elon Musk bestand demnach trotzdem auf der futuristischen Konstruktion. Die Bedenken seiner Entwickler konnten ihn davon offensichtlich nicht abbringen. Inzwischen arbeitet der Konzern selbst an einer Lösung, welche die elektrische und mechanische Entriegelung miteinander verbinden soll. Nach so vielen tödlichen Unfällen eine reichlich späte Einsicht.

China handelt, Deutschland setzt auf Bürokratie

Ausgerechnet China hat dieser gefährlichen Designmode inzwischen einen Riegel vorgeschoben. Report24 hatte bereits Ende 2025 über die geplanten Vorschriften für mechanische Türöffner berichtet. Ab Januar 2027 müssen neue Fahrzeugmodelle entsprechende Anforderungen erfüllen. Zudem läuft seit September ein Rückruf für fast drei Millionen Teslas, weil die Notentriegelungen zu schwer erkennbar und bedienbar sind. Die vorgesehene Abhilfe? Warnaufkleber und ein Softwareupdate, das bei Unfällen die Fenster absenken soll. Auch in den USA untersucht die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA rund 174.000 Model Y wegen ausfallender elektrischer Türöffner. In vier gemeldeten Fällen mussten Eltern sogar Scheiben einschlagen, um wieder Zugang zu ihren Kindern zu bekommen.

Und in Deutschland? Das Kraftfahrt-Bundesamt war laut Focus Online bereits seit längerer Zeit über entsprechende Unfälle informiert, sah bislang jedoch keinen Anlass für einen Rückruf. Stattdessen verweist die Behörde auf die Arbeit an internationalen Sicherheitsvorschriften. Ein endgültiger Entwurf soll erst im Dezember vorliegen. Während Peking die Hersteller zum Umdenken zwingt und Washington ermittelt, arbeitet man in Deutschland also weiterhin an Regelwerken. Dabei wäre die Lösung denkbar einfach: ein Türgriff, der auch ohne Strom funktioniert. Für einen angeblichen Technikpionier wie Tesla scheint das allerdings eine größere Herausforderung zu sein als die Entwicklung selbstfahrender Autos.

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