Blutbad in Jordanien, 9 Tote: Islamistische Terroristen massakrieren Christen bei Trauerfeier

Orthodoxe Trauerfeier, Symbolbild, Report24 KI

Ein christliches Begräbnis endete in einem Blutbad: Am Freitag, dem 23. Oktober, eröffneten bewaffnete Angreifer das Feuer auf Trauergäste in einer griechisch-orthodoxen Kirche im jordanischen Gouvernement Karak. Neun Menschen wurden getötet, rund 40 weitere verletzt. Die jordanischen Behörden sprechen von einem Terroranschlag und verfolgen Hinweise auf einen islamistisch-extremistischen Hintergrund. König Abdullah II. kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen die Verantwortlichen an. Während die Fahndung nach den Tätern läuft, steht die christliche Minderheit des Landes unter Schock. ARD und ZDF scheinen sich bislang für den Vorfall nicht zu interessieren.

Am Freitag, dem 23. Oktober, ereignete sich in der Ortschaft Hammoud im jordanischen Gouvernement Karak ein schwerer Terroranschlag auf eine christliche Trauergemeinde. Bewaffnete Männer eröffneten während einer Beerdigung an der griechisch-orthodoxen St.-Georg-Kirche das Feuer auf die versammelten Gläubigen. Nach Angaben der jordanischen Nachrichtenagentur Petra starben neun Menschen, rund 40 weitere wurden verletzt. Die Behörden sprechen von einem terroristischen Angriff durch Extremisten.

Die Kirche liegt etwa 120 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Amman. Zur Trauerfeier waren nach Zeugenaussagen zwischen 150 und 200 Menschen zusammengekommen. Die Besucher wollten von einem Verstorbenen Abschied nehmen, als plötzlich Schüsse fielen. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die religiöse Zeremonie in ein Blutbad. Augenzeugen berichteten von Panik, Schreien und Menschen, die verzweifelt versuchten, vor den Kugeln Schutz zu finden.

Überwachungskameras zeigen bewaffnete Angreifer

Aufnahmen einer Überwachungskamera, die vom jordanischen Staatssender Al-Mamlaka ausgestrahlt wurden, zeigen drei bewaffnete Personen vor dem Kirchengelände. Die Männer feuern aus Richtung eines Gehsteigs auf die Kirche, suchen zwischenzeitlich hinter Bäumen und einer niedrigen Mauer Deckung und bewegen sich anschließend zum Eingang. Die Nachrichtenagentur Reuters bestätigte die Echtheit des Aufnahmeortes anhand der baulichen Gegebenheiten. Ob sämtliche Täter auf dem Video zu sehen sind, ist bislang ungeklärt.

Der Augenzeuge Nasser al-Burqan schilderte Reuters, dass der Gottesdienst gerade begonnen hatte, als er zunächst ein Geräusch hörte, das er für die Explosion einer Klimaanlage hielt. Erst als weitere Schüsse folgten, erkannte er die Gefahr. Einige Menschen flüchteten, andere suchten innerhalb des Gotteshauses Schutz. Nach dem Angriff sah er zwei Männer, von denen einer maskiert war. Ein Bewaffneter soll aus etwa zwei Metern Entfernung mit einer Pistole auf ihn geschossen haben. Al-Burqan erlitt Verletzungen durch Glassplitter; sein Sohn wurde durch einen Schuss am Bein getroffen.

Überlebende berichten von gezielten Schüssen auf Verletzte

Besonders erschütternd sind die Schilderungen des Überlebenden Saed al-Halaseh gegenüber Associated Press. Demnach eröffneten drei maskierte Männer mit automatischen Waffen das Feuer auf die Trauergäste. Die Angreifer hätten sogar erneut auf bereits verwundete Menschen geschossen. Al-Halaseh rettete sich, indem er hinter ein geparktes Fahrzeug kroch. Seine Aussagen legen nahe, dass die Täter möglichst viele Opfer treffen wollten.

Auch der orthodoxe Priester Theodoros Soueiss berichtete von dramatischen Szenen. Die Gläubigen seien aufgefordert worden, sich auf den Boden zu legen, während die Schüsse fielen. Zahlreiche Menschen erlitten schwere Verletzungen und mussten in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Die ursprünglich gemeldete Zahl von sieben Todesopfern stieg im Laufe des Samstags zunächst auf acht und schließlich auf neun. Die jordanische Sicherheitsdirektion bestätigte den neuesten Stand am 24. Oktober um 17.30 Uhr.

Behörden sprechen von terroristischem Extremismus

Jordaniens Innenminister Mazin al-Farrayeh bezeichnete die Bluttat ausdrücklich als terroristischen Angriff, der von Extremisten verübt worden sei. Ministerpräsident Jafar Hassan machte eine extremistische Ideologie für das Verbrechen verantwortlich und kündigte an, dass der Staat eine solche Radikalisierung nicht dulden werde. Die Sicherheitskräfte leiteten unmittelbar nach dem Anschlag eine großangelegte Fahndung ein.

Die Hintergründe sind allerdings noch nicht vollständig aufgeklärt. Insbesondere ist offen, ob die Täter einer bestimmten islamistischen Organisation angehören oder unabhängig handelten. Jordanische Behörden erklärten, es sei noch zu früh, um Verbindungen zu bekannten Terrorgruppen im In- oder Ausland festzustellen. Eine bestätigte Bekennererklärung des sogenannten Islamischen Staates (IS) oder einer anderen Organisation lag bis zum Samstag nicht vor. Die Ermittlungen konzentrieren sich deshalb auch auf die Herkunft der Waffen, mögliche Unterstützer und die Frage, ob weitere Personen an der Planung beteiligt waren.

König Abdullah kündigt Vorgehen mit eiserner Faust an

König Abdullah II. reagierte mit ungewöhnlich deutlichen Worten auf das Massaker. Bereits wenige Stunden nach dem Angriff reiste er nach Karak und besuchte Verletzte. Die Verantwortlichen müssten mit der ganzen Härte des Staates rechnen, erklärte der Monarch. Am Samstag leitete er eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats und ordnete umfassende Überprüfungen der Sicherheitsvorkehrungen sowie der staatlichen Maßnahmen gegen extremistische Ideologien an.

Die jordanische Regierung verhängte eine dreitägige Staatstrauer. An Ministerien, Behörden und öffentlichen Einrichtungen wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Zugleich verstärkten die Sicherheitskräfte ihre Präsenz an sensiblen Orten. Nach Angaben der amerikanischen Botschaft in Amman wurden unter anderem Einkaufszentren und ausländische diplomatische Vertretungen zusätzlich geschützt. Die Behörden befürchten offenbar weitere Sicherheitsrisiken, während die Suche nach den Angreifern andauert.

Christliche Minderheit in Jordanien unter Schock

Jordanien gilt innerhalb des Nahen Ostens als vergleichsweise stabiles Land, in dem Christen und Muslime seit Generationen zusammenleben. Die Christen stellen etwa zwei Prozent der Bevölkerung und gehören überwiegend traditionellen Kirchen an. Besonders in der Region Karak gibt es historisch gewachsene christliche Gemeinden. Die angegriffene St.-Georg-Kirche gehört zur griechisch-orthodoxen Tradition und untersteht kirchlich dem Patriarchat von Jerusalem.

Gerade deshalb trifft das Verbrechen die christliche Minderheit besonders schwer. Die Täter griffen keine militärische oder staatliche Einrichtung an, sondern Menschen, die sich zur Beerdigung eines Angehörigen versammelt hatten. Auch die Wahl des Tatortes hat erhebliche Bedeutung: Ein Gotteshaus, das den Gläubigen Schutz und religiöse Gemeinschaft bieten sollte, wurde zum Schauplatz eines Massakers. Jordanische Regierungsvertreter und Kirchenoberhäupter warnen davor, dass die Täter mit der Gewalt auch das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen beschädigen könnten.

Patriarchat von Jerusalem verurteilt das Massaker

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem verurteilte den Anschlag umgehend. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten die Patriarchen und Oberhäupter der Jerusalemer Kirchen die Tat als schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als Angriff auf grundlegende religiöse und menschliche Werte. Die Ermordung wehrloser Menschen während eines Trauergottesdienstes verletze alles, wofür das friedliche Zusammenleben der Religionsgemeinschaften stehe. Die Kirchenvertreter sprachen den Familien der Getöteten ihr Beileid aus und forderten eine konsequente Verfolgung der Täter.

Als Zeichen der Solidarität wurden die Kirchen der Region dazu aufgerufen, am Samstagmittag ihre Glocken zu läuten und für die Opfer zu beten. Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. hielt am 24. Oktober in Jerusalem einen Gedenkgottesdienst für die Getöteten ab. Nach Angaben des Patriarchats erhielt er unter anderem Beileidsbekundungen des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus sowie des griechischen Staatspräsidenten. Auch der Weltkirchenrat verurteilte den Angriff und verlangte einen wirksamen Schutz religiöser Einrichtungen.

Jordanien wurde bereits früher von islamistischem Terror getroffen

Obwohl solche Anschläge in Jordanien selten sind, ist das Land nicht zum ersten Mal mit islamistischem Terrorismus konfrontiert. Bereits im Dezember 2016 verübten bewaffnete Extremisten in Karak einen schweren Angriff auf Sicherheitskräfte und Zivilisten. Die damalige Tat wurde dem Islamischen Staat zugerechnet. Auch in den folgenden Jahren meldeten jordanische Behörden wiederholt die Aufdeckung mutmaßlicher terroristischer Anschlagspläne. Das Königreich gilt als wichtiger Partner westlicher Staaten im Kampf gegen islamistische Terrororganisationen.

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