Brüssel stellt den Energiemarkt auf den Kopf. Ein Bio-Treibstoff, der mehr als doppelt so viel kostet wie herkömmliches Schiffsschweröl, soll durch EU-Vorschriften und Subventionen plötzlich zum Schnäppchen werden. Die Brüsseler Eurokraten wollen dafür Emissionszertifikate im Milliardenwert verteilen. Der Schifffahrtslobby reicht das nicht: Sie fordert bereits Fördermittel im Wert von 30 Milliarden Euro. Ein weiterer Fall von milliardenschwerer Marktverzerrung auf Kosten anderer.
Wie die EU teure Energie künstlich konkurrenzfähig macht, zeigt eine Untersuchung des norwegischen Energieforschungsunternehmens Rystad Energy. Im Mittelpunkt steht Bio-LNG, also verflüssigtes Biogas. Die Berechnungen auf Basis der Kraftstoffpreise des dritten Quartals 2026 haben es in sich. Vereinfacht ausgedrückt: Kostet herkömmliches Schiffsschweröl 100 Euro, schlägt Bio-LNG mit mehr als 200 Euro zu Buche. Doch dank der EU-Klimavorschriften und der geplanten zusätzlichen Förderung stehen in Rystads Modellrechnung plötzlich nur noch rund 50 Euro für Bio-LNG. Das gilt für Schiffsreisen innerhalb der EU. Der Treibstoff selbst ist dadurch keinen Cent billiger geworden. Brüssel hat lediglich die Rechnung mit politisch motivierten Preisvorteilen auf den Kopf gestellt.
Eine politisch motivierte Marktpreisverzerrung
Für diesen Irrsinn sind bereits bestehende EU-Regeln verantwortlich, allen voran die FuelEU-Maritime-Verordnung. Sie belohnt Kraftstoffe mit geringeren angerechneten Emissionen durch entsprechende Gutschriften. Gleichzeitig verteuert der europäische Emissionshandel fossile Treibstoffe. Schon damit kann Bio-LNG trotz seines wesentlich höheren Einkaufspreises rechnerisch günstiger sein. Nun will die EU-Kommission mit dem neuen Förderprogramm „Sustainable Maritime Alternative Propulsion“ (SMAP) noch mehr Geld in dieses System pumpen. Zwischen 2028 und 2040 sollen bis zu 110 Millionen CO2-Zertifikate an Reedereien vergeben werden, die bestimmte alternative Treibstoffe und Antriebstechnologien einsetzen. Bei Biogas und Biokraftstoffen will Brüssel 55 Prozent der verbleibenden Mehrkosten gegenüber fossilem Treibstoff abdecken. Bei synthetischen Kraftstoffen wie E-Methanol und E-Ammoniak sind es sogar 90 Prozent. Zusätzliche Zuschläge können den gesamten verbleibenden Mehrpreis ausgleichen.
Damit belohnt Brüssel ausgerechnet hohe Kosten mit besonders hohen Zuschüssen. Ein teurer Kraftstoff kann mehr Förderung pro Tonne bekommen als ein günstigerer. Hersteller und Reedereien müssen immer weniger auf den eigentlichen Preis und immer stärker auf die Brüsseler Fördertabellen schauen. Wer besonders großzügige Vergünstigungen erhält, steht im politisch zurechtgebogenen Wettbewerb plötzlich besser da. Doch irgendjemand muss diese Milliarden bezahlen. Die kostenlosen Emissionszertifikate besitzen einen echten Marktwert. Werden sie verschenkt, fehlen entsprechende mögliche Versteigerungserlöse. Zugleich belastet der Emissionshandel die Schifffahrt mit zusätzlichen Kosten, die Reedereien über die Frachtraten an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen können. Die EU verteilt finanzielle Vorteile an ausgewählte Technologien und verlagert die Kosten auf andere Marktteilnehmer.
Subventionen ohne Ende
Wie weit die politische Steuerung reicht, zeigt auch der Umgang mit Biodiesel aus gebrauchtem Speiseöl und tierischen Fetten. Diese Kraftstoffe erfüllen die europäischen Nachhaltigkeitsanforderungen, bleiben bei der neuen SMAP-Förderung jedoch weitgehend außen vor. Bio-LNG und ausgewählte synthetische Kraftstoffe dürfen dagegen zusätzlich profitieren. Brüssel entscheidet damit selbst, welche Öko-Treibstoffe im Subventionswettbewerb die besseren Karten bekommen.
Und das Beste kommt erst noch: Kaum ist das milliardenschwere Förderprogramm vorgeschlagen, verlangt die Schifffahrtsbranche bereits das Dreifache. Der europäische Reederverband ECSA forderte am 15. Oktober mindestens 330 Millionen statt der vorgesehenen 110 Millionen Emissionszertifikate. Geschätzter Wert: satte 30 Milliarden Euro! Die geplanten Mittel würden gerade einmal ein Drittel des benötigten Fördervolumens abdecken, erklärt der Verband.
Brüssel schafft mit diesen Eingriffen in die freie Preisbildung an den Märkten jedoch einen weiteren wirtschaftlichen Zombiesektor auf Kosten der Steuerzahler. Denn nur so lange die von der Allgemeinheit finanzierten Milliarden fließen, lohnt es sich. Fällt diese Bevorzugung eines Tages weg, wird es richtig teuer. Denn die wahren Kosten verschwinden nicht einfach so – sie werden nur anderen aufgebürdet.