Flucht vor Politikversagen: Deutsche wandern nach Polen aus

(C) Report24/KI

Früher kamen Polen nach Deutschland, weil sie hier bessere wirtschaftliche Perspektiven fanden. Inzwischen zieht es immer mehr Deutsche in die Gegenrichtung. Allein 2025 verlor die Bundesrepublik netto 3.222 deutsche Staatsbürger an Polen, dessen Wirtschaft kräftig wächst. Während Berlin über Fachkräftemangel klagt, machen hohe Abgaben, Bürokratie und wirtschaftliche Stagnation den Standort Deutschland zunehmend unattraktiv.

4.942 deutsche Staatsbürger wanderten im vergangenen Jahr nach Polen aus, lediglich 1.720 kehrten zurück. So viele Deutsche zog es seit der Coronazeit nicht mehr in das östliche Nachbarland. Wie Report24 bereits berichtete, kehren mittlerweile zudem auch deutlich mehr Polen aus Deutschland in ihre Heimat zurück als umgekehrt. Der einstige Wohlstandsmagnet im Westen verliert an Anziehungskraft.

Der 33-jährige Unternehmer Kevin Wörner gehört zu jenen Deutschen, die ihre Zukunft inzwischen in Warschau sehen. Über seine damalige Freundin lernte er die polnische Hauptstadt kennen und siedelte schließlich sein Unternehmen „Channel Craft“ dort an. Im Handelsblatt schwärmt er von der Aufbruchsstimmung, niedrigeren Steuern und unkomplizierten Behördenwegen. Seine Firma konnte er innerhalb von zwei Tagen digital anmelden. In Deutschland dauern vergleichbare Vorgänge häufig Wochen. Während Gespräche mit Freunden in Deutschland von wirtschaftlichen Sorgen geprägt seien, erlebe er in Polen Optimismus und Unternehmergeist.

Polen wächst, Deutschland stagniert

Die Wirtschaftszahlen verdeutlichen den Unterschied. Polens Wirtschaftsleistung wuchs 2025 laut revidierten amtlichen Zahlen um 3,8 Prozent. Deutschland schaffte nach zwei Rezessionsjahren gerade einmal 0,2 Prozent. Auch die EU-Kommission stellte fest, dass die deutsche Wirtschaft seit 2019 praktisch stagniert. Hohe Standortkosten, schwache Investitionen und ein schwerfälliger Verwaltungsapparat bremsen die Unternehmen. Die einstige europäische Wachstumslokomotive kommt kaum vom Fleck.

Besonders deutlich wird der Unterschied bei den Arbeitskosten. Laut OECD verschlangen Steuern und Sozialbeiträge bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener ohne Kinder 2025 in Deutschland 49,3 Prozent der gesamten Arbeitskosten. In Polen waren es nur 35 Prozent. Von 100 Euro, die ein durchschnittlicher Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber kostet, fließen in Deutschland rechnerisch 49,30 Euro an Staat und Sozialkassen. Die Differenz von 14,3 Prozentpunkten belastet die deutsche Wettbewerbsfähigkeit.

Auch die Lebenshaltungskosten sprechen für Polen. Dort lag das Preisniveau für den privaten Konsum 2025 bei 73,3 Prozent des EU-Durchschnitts, in Deutschland bei 108,3 Prozent. Zwar sind die polnischen Durchschnittslöhne niedriger, doch gerade international tätige Selbstständige und Unternehmer können von den geringeren Kosten profitieren.

Deutschland schafft sich konsequent ab

Hinzu kommt die deutsche Bürokratie. Laut dem Deutschlandbericht der EU-Kommission von 2026 klagen 57 Prozent der befragten Unternehmen über Verzögerungen durch Behördenkontakte. Bund, Länder und Kommunen haben über Jahrzehnte ein Dickicht aus Vorschriften und Zuständigkeiten geschaffen. Langwierige Genehmigungen und schleppende Digitalisierung kosten Unternehmen Zeit und Geld. Während Polen seine Verwaltung zunehmend digitalisiert, kämpft Deutschland vielerorts noch immer mit umständlichen Verfahren.

Die politische Verantwortung reicht über mehrere Bundesregierungen. Angela Merkel trieb den Atomausstieg voran, während grundlegende Verwaltungsreformen ausblieben. Unter Olaf Scholz folgten zwei Rezessionsjahre, hohe Energiekosten und anhaltende Investitionsschwäche. Friedrich Merz versprach die Wirtschaftswende, doch trotz erster Entlastungsmaßnahmen bestehen die strukturellen Probleme fort. Die Folgen jahrelang verschleppter Reformen bekommt der Wirtschaftsstandort immer deutlicher zu spüren.

Der Bevölkerungsaustausch schreitet weiter voran

Auch die Abwanderung deutscher Staatsbürger ist längst ein Dauerproblem. 2025 verließen rund 97.000 Deutsche mehr das Land, als aus dem Ausland zurückkehrten. Bereits seit 2005 weist Deutschland bei eigenen Staatsbürgern Jahr für Jahr einen negativen Wanderungssaldo auf. Gleichzeitig schrumpfte die Gesamtbevölkerung trotz einer Nettozuwanderung von rund 235.000 Menschen um etwa 110.000 auf 83,5 Millionen. Der Grund ist der massive Sterbeüberschuss: 654.241 Geburten standen 1.006.588 Todesfällen gegenüber. Selbst die anhaltend hohe Zuwanderung konnte dieses Defizit nicht ausgleichen. Während Deutschland sich also weiterhin fleißig dem Bevölkerungsaustausch durch Zuwanderung widmet, wandern weiterhin zehntausende eigene Staatsbürger netto ins Ausland ab.

Wie groß die Unzufriedenheit ist, zeigte auch eine INSA-Umfrage, über die Report24 bereits berichtete. 14 Prozent der befragten Erwachsenen erwägen, innerhalb der kommenden fünf Jahre auszuwandern. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es sogar 27 Prozent. Gerade jene Altersgruppe, die mitten im Berufsleben steht, Unternehmen aufbaut und Familien gründet, denkt besonders häufig über einen Abschied aus der Heimat nach. Das ist ein Armutszeugnis für die deutsche Politik.

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