Volvo gehört zu den Befürwortern des Brüsseler Verbrenner-Aus und wollte selbst schon ab 2030 ausschließlich Elektroautos verkaufen. Das eigene Elektro-Versprechen musste der Konzern längst zurücknehmen. Jetzt meldet der Autobauer 504 Millionen Euro operativen Quartalsverlust und kündigt weitere 2.500 Stellenstreichungen an. Zusammen mit den bereits 2025 angekündigten Kürzungen stehen damit rund 5.500 Stellen auf der Streichliste.
Bei Volvo Cars geht der Job-Kahlschlag weiter. Allein 2.000 der neuen Stellenkürzungen betreffen Schweden. Bereits im Mai 2025 hatte der Autobauer angekündigt, rund 3.000 Positionen abzubauen. Nun folgt die nächste Sparrunde. Betroffen sind reguläre Beschäftigte ebenso wie externe Berater. Auch auslaufende Verträge und natürliche Fluktuation sollen die Personalkosten reduzieren.
Mit Stromern auf Verlustkurs
Im dritten Quartal 2026 verwandelte sich ein operativer Vorjahresgewinn von umgerechnet rund 576 Millionen Euro in einen Verlust von 504 Millionen Euro. Bereinigt um Sonder- und Beteiligungseffekte blieb ein Minus von rund 333 Millionen Euro. Der Umsatz brach um 23 Prozent ein, die weltweiten Verkäufe schrumpften um 10,7 Prozent. Beim freien Cashflow stand ein Minus von umgerechnet rund 800 Millionen Euro. Die Aktie verlor nach Bekanntgabe der Zahlen zeitweise fast 30 Prozent.
Noch 2021 hatte Volvo angekündigt, ab 2030 weltweit ausschließlich reine Elektroautos zu verkaufen. Im September 2024 musste der Konzern seine Pläne korrigieren. Plug-in-Hybride und in begrenztem Umfang Mild-Hybride sollten weiterhin angeboten werden. Als Gründe nannte Volvo unter anderem die schleppende Ladeinfrastruktur, veränderte Marktbedingungen und die Kundennachfrage. Report24 berichtete damals über Volvos Abschied vom selbst verordneten Elektro-Zeitplan.
Nur 26 Tage später setzte sich der damalige Volvo-Chef Jim Rowan gemeinsam mit 49 weiteren Unternehmensvertretern für die Beibehaltung des EU-Verbrenner-Aus ab 2035 ein. Brüssel sollte das vollständige CO2-Reduktionsziel für Neuwagen keinesfalls aufweichen. Das eigene weltweite Elektro-Ziel für 2030 hatte Volvo gerade aufgegeben, doch an den verbindlichen Vorgaben für den europäischen Automarkt wollte Rowan festhalten. Für den eigenen Konzern wurde der Zeitplan gelockert, für die gesamte europäische Autoindustrie verteidigte man weiter die gesetzliche Festlegung auf emissionsfreie Neuwagen.
Peking gibt den Ton an
Volvo Cars gehört mehrheitlich dem chinesischen Geely-Konzern. Doch auch in China steht die schwedische Marke unter massivem Druck. Die Umsätze brachen dort binnen Jahresfrist um fast die Hälfte ein. Chinesische Konkurrenten setzen Volvo mit aggressiven Preisen zu. Nun will das Management stärker auf Technik und gemeinsame Bauteile aus dem Geely-Konzern zurückgreifen. Selbst eine gemeinsame Nutzung von Produktionsstätten steht zur Diskussion. Gleichzeitig sollen in Schweden weitere 2.000 Stellen wegfallen.
Auch bei neuen Elektromodellen gibt es Probleme. Beim EX60 läuft die Produktion wegen Schwierigkeiten mit neuen Fertigungsverfahren und der Batterietechnik langsamer an als geplant. Mehr als 50.000 Bestellungen aus Europa liegen bereits vor. Weltweit konnte Volvo den Absatz reiner Elektroautos sogar steigern. Dennoch belasten der Preiskampf in China, US-Zölle, gestrichene Kaufprämien und hohe Kosten die Bilanz.
Volvo verteidigte das Verbrenner-Aus für die europäische Autoindustrie, obwohl der Konzern seinen eigenen, noch ehrgeizigeren Elektro-Zeitplan bereits aufgeben musste. Jetzt folgen auf die Kurskorrektur weitere Verluste und Stellenstreichungen. Die Ursachen reichen vom chinesischen Preiskampf bis zu hausgemachten Produktionsproblemen. Dafür bezahlen müssen nun tausende Mitarbeiter, die ihren Job verlieren.