Ein besonderes Gustostückl der Desinformation hat sich der ORF am 20. Oktober mit der Sendung REPORT geleistet. Mit dem Beitrag „Wie Windkraftgegner durch Österreich touren“, wurden Bürgerinitiativen, die sich austauschen, wie eine Horde unwissender, unbedarfter Kasperln hingestellt. Sie würden durch das ganze Land fahren und den Menschen Märchen vom Infraschall erzählen und Angst machen, wurde da behauptet. Die Sendung war so tendenziös wie manipulierend und ist ein klassisches Musterbeispiel für Framing! Ja, mehr noch. Sie wirkt, als käme sie direkt aus der Marketingabteilung der Windkraft.
Von Angelika Starkl
Die beiden blutjungen Redakteurinnen fuhren mit ihrem Team zu einer Veranstaltung nach Königswiesen in OÖ, wo die dortige Bürgerinitiative auch Univ. Doz. Dr. Manfred Maier zu einem Vortrag über Infraschall durch Windräder eingeladen hatte. Als der Vortragende sagte, dass man gesundheitliche Schäden nicht ausschließen könne, wurde nur dieses Statement gesendet, aber nichts von seinem Vortrag, noch von den anderen Referenten der drei Stunden dauernden Veranstaltung. Es kam Dr. Moshammer ins Bild, mit der Überleitung auf Dr. Maiers Aussage: „Seriös sei das sicher nicht, sagt der Leiter für Umwelthygiene und Umweltmedizin der MedUni Wien. Er erstellt selbst Gutachten für Windräder und kennt die Szene.“ Dieser sagt im Report dann, dass Infraschall in Verfahren geprüft würde und man mit Sicherheit ausschließen kann, dass es zu gesundheitlichen Schäden kommt.
„Wie groß die Gruppe der Personen ist, die mit derartigen Argumenten von Projekt zu Projekt zieht, ist unklar“, so weiter die Moderation. Damit wird der Verdacht in den Raum gestellt, die Windenergiegegner wären umherstreunende Unwahrheitsverbreiter. Als Nächstes kommt Mimikarma ins Bild, und zwar André Wolf, der „Faktenchecker“. Er wirft den Windindustriegegnern ein perfides Spiel mit Unwissenheit, Ängsten und Emotionen vor. Die Moderation: „Das Ziel: die Stimmung in der jeweiligen Gemeinde gegen Windkraft zu drehen.“ Man versäumt nicht, die alternativen Medien anzupatzen und die Verbindung zu Corona herzustellen.
Das ach so böse Netzwerk der streunenden Verschwörer
Das „Netzwerk der Windkraftgegner“ habe laut WINDKRAFT schon 16 Projekte verhindert, bedauert GF Florian Maringer, wieder auf diese unheimliche Gruppe hinweisend, die den Windprojekten so sehr schadet. Den Vogel schießt dann Traismauers Bürgermeister Pfeffer ab, der ins gleiche Horn bläst und den Eindruck einer ganzen Verschwörerkollonie in seiner Gemeinde entstehen lässt. Ein Ankünder auf die Sendung Report wird schon im Abendprogramm des ORF in der Sendung OÖ Bundesland heute gebracht, damit ja genug Leute später zusehen.
Damit wird dem Zuseher ein Narrativ gehörig aufs Aug gedrückt: die Erzählung, Windkraftgegner wären ein Netzwerk, das böse Mythen verbreitet, gut organisiert ist und gar so wunderbare Windprojekte verhindern will. Ein Feindbild wird geschaffen. Selbst die Besucher der Veranstaltung in Königswiesen wurden bewusst so ausgewählt, sodass sie möglichst naiv, unbedarft und unwissend wirkten. Leute, die sich brilliant auskennen, wurden nie gefragt. Es ging nicht um Fakten!
Bravo ORF! Welch gelungene Desinformation!
Bestinformierte Gegner kommen nicht zu Wort und können ihre Argumente nicht vorbringen. Infraschall wird von den bezahlten Experten als völlig harmlos eingestuft. Dr. Manfred Maier wird als Obmann von Pro Thayatal seiner medizinischen Kompetenz beraubt und beschnitten. Ein Bürgermeister kommt zu Wort, der ein Windprojekt durchboxen will, weil er viel Geld dafür bekommt. Bürgerinitiativen, die um ihre Lebensqualität kämpfen, werden als Verschwörer-Netzwerk geframed, kritische Menschen werden bloßgestellt und es gibt kein Wort im ganzen Beitrag über die Nachteile der Windenergie.
Kein Wort über Naturschutz, Landschaftsschutz, Vogelschutz, Insektenschutz, Waldvernichtung. Kein Wort über PFAS und Mikroplastik an den Rotoren, kein Wort über Entsorgung der Rotoren oder deren Transport mit Schiffsdiesel übers Meer aus China. Kein Wort von SF6. Und kein Wort über Lärm, Schattenwurf, Rotblinken oder Bodenverdichtung auf Feld und im Wald.
Schon gar nichts über die finanziell lukrativen Hintergründe von Betreibern und Pächtern, wie auch Gemeinden. Das interessiert die Redaktion auch gar nicht. Wichtig ist das Werbebild, für die Öffentlichkeit: Windkraft ist super! Wer dagegen argumentiert, ist ein böser Verschwörungstheoretiker und hat keine Ahnung! Machen Sie bitte weiter mit diesem Framing, lieber Report! Die Windkraft wird’s Ihnen entlohnen. Welch gelungene Bericht-Bestattung!
Der ORF-Report muss sich den Vorwurf des subtilen Framings und der journalistischen Voreingenommenheit gefallen lassen. Das österreichische Politmagazin wird von Yilmaz Gülüm moderiert, der die Sendung seit Mai 2025 übernommen hat. Unterstützt wird er von der Sendungsverantwortlichen Eva Linsinger.
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