365 Meter hoch, mehr als 2.000 Tonnen Stahl und rund 25 Millionen Euro Baukosten: In der Lausitz baut man aktuell das höchste Windrad der Welt. Für eine große Turbine reicht es aber nicht: Ganz oben soll eine Turbine mit gerade einmal 3,8 Megawatt Leistung arbeiten. Für ein paar zusätzliche Gigawattstunden wird hier geklotzt, als gäbe es bei Material und Kosten kein Morgen. Doch wenn kein Wind weht, hilft auch der Höhenrekord nicht.
In Schipkau steht inzwischen der gewaltige Gitterturm, auf dessen ausfahrbarem Innenteil die Turbine bereits montiert ist. Am Sonntag sollte dieser auf 300 Meter Nabenhöhe geschoben werden, doch das Wetter verzögerte die Arbeiten. Mit den Rotorblättern erreicht die Anlage später 365 Meter Gesamthöhe – fast so viel wie der Berliner Fernsehturm. Der Plan dahinter: Dort oben weht der Wind stärker und gleichmäßiger, weshalb aus demselben Standort mehr Strom herausgeholt werden soll.
Bei der Berechnung dieses Höhenvorteils wurde allerdings eine wesentlich größere Turbine herangezogen: eine Vestas V164 (aus Dänemark) mit 9,5 Megawatt Leistung und 164 Metern Rotordurchmesser. Auf dem Rekordturm sitzt dagegen eine VENSYS 126 (das chinesische Unternehmen Goldwind hält 70 Prozent am Hersteller) mit rund 126 Metern Rotordurchmesser. Mit dieser tatsächlich verbauten Maschine fällt der zusätzliche Ertrag deutlich geringer aus. Nach den veröffentlichten Windmessungen und Leistungsdaten bleiben 50 bis 65 Prozent mehr Strom gegenüber einer normalen Aufstellung.
So eine schlimme Naturvernichtung 😡😡 einfach furchtbar 😡 https://t.co/UhCGOjTVXb
— Jane Marple 🇩🇪🚜 (@ErikaSiegel8) September 14, 2026
Das 3,5-Fache an Baukosten für 50 Prozent Mehrertrag
Für den Turm werden mehr als 2.000 Tonnen Stahl und rund 22.000 Einzelteile verbaut. Die Baukosten des Prototyps liegen bei rund 25 Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt über die staatliche SPRIND-Tochter Beventum; die Grünen-Politikerin Franziska Brantner sitzt seit 2022 im Aufsichtsrat der SPRIND. Eine normale Onshore-Anlage mit vergleichbarer Leistung kostet überschlägig etwa sieben Millionen Euro. Rund das Dreieinhalbfache an Kosten steht damit einem Mehrertrag von grob 50 bis 65 Prozent gegenüber. Das geht nicht auf.
In der Serie sollen größere Turbinen und niedrigere Kosten die Rechnung irgendwie retten. Doch Fundamente, Schwerlasttransporte, Spezialkräne, Korrosionsschutz und die Montage einer Anlage mit 300 Metern Nabenhöhe bleiben in der Kalkulation bestehen, ungeachtet der Menge an Anlagen, die aufgestellt werden. Damit das Projekt wirtschaftlich betrachtet überhaupt erst einmal in die Nähe einer normalen Anlage kommt, müssten die heutigen Kosten um mehr als die Hälfte fallen.
Bei Flaute nützt das höchste Windrad nichts
Und auch dann bleibt das Windkraftwerk noch vom Wetter abhängig. Fabriken, Krankenhäuser, Bahnen und Haushalte brauchen Strom rund um die Uhr – der Wind richtet sich nicht danach. Dazu kommen Netzausbau, Speicher, Reservekapazitäten und steuerbare Kraftwerke für windarme Zeiten. Bei Netzengpässen können Windkraftanlagen zudem abgeregelt werden, obwohl eigentlich genügend Wind vorhanden wäre. 365 Meter Gesamthöhe ändern daran nichts.
Der Windpark Märkerwald im Westerwald wird nicht gebaut. Acht geplante Anlagen mit zusammen 54,4 Megawatt scheitern an stark gesunkenen EEG-Zuschlagswerten und damit fehlender Wirtschaftlichkeit. Selbst weit vorbereitete Windprojekte geraten inzwischen durch den Preisverfall…
— Blackout News (@BlackoutNews_DE) September 17, 2026
Der Rekord von Schipkau ist damit vor allem ein Sinnbild dieser Energiewende: Millionen von Euro werden in einem grünen Show-Projekt versenkt, und bei Flaute ist man trotzdem auf Backup-Kraftwerke angewiesen. Bei Netzengpässen kann der teuer erzeugte Windstrom nicht einmal vollständig abtransportiert werden. Die Politik jagt jeder theoretischen zusätzlichen Kilowattstunde Windstrom hinterher – die Rechnung landet bei Bürgern und Wirtschaft.
