88 Cent für einen Liter Diesel in Japan. 2,23 Euro in Österreich, zuletzt 2,47 Euro in Deutschland. Ausgerechnet das Land, das praktisch sein gesamtes Rohöl importieren muss, hält den Kraftstoff deutlich billiger als zwei der wohlhabendsten Staaten Europas. Tokio hat alte Spritsteuern gestrichen und drückt in der aktuellen Krise zusätzlich den Endpreis. Die Deutschen und Österreicher hingegen werden nach Strich und Faden verarscht.
Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. In Japan besitzt die Politik den Willen und findet Wege, die eigenen Bürger und die eigene Wirtschaft zu entlasten. Und das, obwohl der eigene Staatshaushalt selbst mit Problemen kämpft und das Reich der aufgehenden Sonne extremst von Öl- und Spritimporten abhängig ist. Doch am 14. September kostete Diesel landesweit durchschnittlich 159,3 Yen je Liter – beim aktuellen Wechselkurs rund 88 Eurocent. Und wie sieht es in Europa aus? In Österreich lag der gemeldete Medianpreis am 19. September bei 2,229 Euro je Liter Diesel. In Deutschland meldete der ADAC bereits zwei Tage zuvor einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,471 Euro und damit einen neuen Rekord. Der österreichische Autofahrer zahlt also rund zweieinhalbmal, der deutsche fast dreimal so viel wie der japanische. Und das, obwohl die Einkaufspreise faktisch dieselben sind.
Tokio hat bei den Steuern nämlich inzwischen neue Tatsachen geschaffen. Bis Ende März wurden auf Diesel 32,1 Yen sogenannte Light Oil Delivery Tax je Liter erhoben. Seit dem 1. April sind es nur noch 15 Yen. Der jahrzehntelang mitgeschleppte Zusatzsteuersatz von 17,1 Yen verschwand aus dem Gesetz – nicht für drei Monate, nicht als Rabattcode und nicht als Wahlkampfversprechen, sondern dauerhaft. Beim Benzin ging Japan bereits Ende vergangenen Jahres denselben Weg. Auch dort wurde die jahrzehntelang weitergeschleppte Zusatzbelastung gestrichen. Tokio verzichtet damit ganz bewusst auf Steuergeld – und gängelt seine Bevölkerung und seine Wirtschaft auch nicht mit unsinnigen CO2-Abgaben. Die Botschaft ist simpel: Wenn der Staat Kraftstoff billiger machen will, kann er seine eigene Hand aus der Tasche der Autofahrer nehmen.
Japan tankt unter einem Euro. Wir liegen über 2,20. Und jetzt kommen 17 Cent zurück. Ernsthaft?
— 爪卂ㄒ丂ㄩ卄丨爪乇 Prinzessin der Sonne (@Shinsho_ni) September 20, 2026
Die haben praktisch kein eigenes Öl. Trotzdem stand Regular da Mitte September bei so 170 Yen. Das teurere Zeug knapp über 180. An einer Tafel waren es 160 und 171. Rechnet man den… pic.twitter.com/TBvQc26IS1
Staatliche Abzocke in Deutschland
Deutschland fährt den entgegengesetzten Kurs. Auf jeden Liter schwefelarmen Diesel entfallen regulär 47,04 Cent Energiesteuer. Zusätzlich verteuert der CO2-Preis den Kraftstoff, danach kommen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Verkaufspreis. Bei einem Dieselpreis von 2,471 Euro stecken allein rund 39 Cent Mehrwertsteuer im Liter. Der Ölpreis kann steigen und fallen, Raffinerien und Mineralölkonzerne können ihre Margen verändern – der Fiskus sitzt bei jedem getankten Liter zuverlässig mit am Tisch und kassiert ab.
Erst nachdem der Dieselpreis Mitte September auf 2,471 Euro geklettert war, übte Berlin sich in Symbolmaßnahmen. Ab Oktober soll die Energiesteuer bis Jahresende um 14 Cent je Liter sinken; inklusive Mehrwertsteuer spricht die Bundesregierung von rund 17 Cent Entlastung. Selbst wenn diese vollständig beim Kunden ankommt und man sie einfach vom Rekordpreis abzieht, bleiben rund 2,30 Euro je Liter übrig. In Japan stehen 88 Cent auf der Rechnung. Deutschland hatte das gleiche Spiel in diesem Jahr schon einmal gespielt. Die Energiesteuer wurde vorübergehend gesenkt, danach sprang sie wieder auf den regulären Satz zurück. Nun folgt im Oktober der nächste befristete Rabatt bis Silvester. Japan hat seinen alten Diesel-Steueraufschlag abgeschafft; Deutschland schaltet bei Rekordpreisen für einige Wochen auf Sondertarif und anschließend wieder zurück.
Österreich ist nicht viel besser
Österreich ist kaum großzügiger. Die reguläre Mineralölsteuer beträgt dort 39,7 Cent je Liter Diesel, dazu kommen 2026 weitere 16,5 Cent CO2-Bepreisung inklusive Umsatzsteuer. Und weil das noch nicht reicht, wird die 20-prozentige Umsatzsteuer auch auf die Mineralölsteuer und die CO2-Bepreisung erhoben. Und was macht die Ömpel-Koalition zur Entlastung von Bürgern und Wirtschaft? Nicht viel. Im April wurde die Mineralölsteuer vorübergehend um fünf Cent gesenkt, im Mai um zwei Cent, im Juni um 1,7 Cent und im Juli um 0,8 Cent. Im August und September beträgt der Abschlag 1,9 Cent. Der reguläre Steuersatz von 39,7 Cent bleibt das Fundament – und der Diesel stand am 19. September trotzdem bei 2,229 Euro.
Besonders lukrativ bleibt für die Regierung und den Staatshaushalt die CO2-Bepreisung. Österreich hält 2026 am Preis von 55 Euro je Tonne fest; beim Diesel macht das inklusive Umsatzsteuer 16,5 Cent je Liter aus. Der ursprünglich als Ausgleich gedachte „Klimabonus“ wurde bereits 2025 abgeschafft. Die zusätzliche Belastung an der Tankstelle blieb bestehen.
Japans Glück, kein EU-Mitglied zu sein
Japan geht angesichts der aktuellen Ölpreiskrise noch einen Schritt weiter. Tokio stützt die Kraftstoffpreise zusätzlich, damit der internationale Preisschock nicht ungebremst bei Pendlern, Speditionen, Bauern und Unternehmen landet. Erst wurden alte Zusatzsteuern gestrichen, dann wird bei außergewöhnlichen Weltmarktpreisen zusätzlich eingegriffen. Dort behandelt die Regierung hohe Spritpreise als Belastung, die sie senken will.
Berlin und Wien stoßen allerdings auch EU-seitig auf Grenzen. Zwar hat die deutsche Bundesregierung die Dieselsteuer von zuvor 47,04 Cent je Liter auf nunmehr 33 Cent gesenkt – doch das ist die absolute Untergrenze, welche Brüssel vorgibt. Österreich liegt mit 37,8 Cent pro Liter noch leicht darüber und könnte ebenfalls noch 4,8 Cent reduzieren. In Japan liegt diese Dieselsteuer bei 15 Yen, bzw. rund 8 Cent. Weiters schreibt Brüssel einen Mindestsatz von 15 Prozent bei der Normal-Mehrwertsteuer vor – doch dies ist generell eine der wichtigsten Einnahmen, so dass Ermäßigungen ausgeschlossen sind.
Bei den CO2-Preisen sieht es allerdings anders aus. Denn noch gelten die nationalen Systeme (also könnten Berlin und Wien sie theoretisch aussetzen). Erst ab dem Jahr 2028 gilt das EU-ETS2 für Straßenverkehr und Gebäude. Würde man diese für Kraftstoffe aussetzen, könnte der Dieselpreis – inklusive Mehrwertsteuer – in Deutschland um satte 20,5 Cent fallen, der Benzinpreis um bis zu 18,6 Cent. In Österreich würden die Preisreduktionen bei 16,5 Cent pro Liter Diesel und 15 Cent beim Benzin liegen.
Tokio hat den Willen und Wege gefunden. Berlin und Wien hingegen scheinen weder den Willen zur Entlastung zu haben, noch an entsprechend wirkungsvollen Maßnahmen interessiert zu sein. Stattdessen verarscht man die Bevölkerung und die Unternehmen mit billigen Symbolmaßnahmen. Vielleicht sollte man sich in Zukunft besser überlegen, welcher Partei man seine Stimme gibt.
