Lehrer rechnet ab: In Wiener Klassen ist Deutsch schon die Ausnahme

Symbolbild: KI

Eine Wiener Lehrkraft schreibt anonym unter dem Namen Teacher-X, was in unseren Klassenzimmern passiert, aber nie den Weg an die Öffentlichkeit findet. Es ist ein Lagebericht aus den 80 Prozent Brennpunktschulen und eine Kampfansage an ein System, das jede Kritik mit Kündigung beantwortet.

Teacher-X bleibt aus gutem Grund anonym. Wer in Wien die Zustände in der Schule beim Namen nennt, riskiert die eigene Stelle. Sein Befund stützt sich auf jahrelange Erfahrungen und auf Rückmeldungen von Kollegen und Kolleginnen quer über Parteien, Regionen und Religionen hinweg. X zeigt auf, was täglich in den Klassenzimmern passiert. Ohne den Filter von Politik und Bildungsdirektion.

Schon die Schriftproben aus einer dritten Volksschulklasse im Jahr 2025 zeigen einen Teil des Problems. Kinder schreiben über die Weihnachtsferien: „Wir sint auf im zewsto im Schtefan Plaz.“ „ich war in an Gebutzagt. gefarat.“ Wer das für niedlich hält, hat den Auftrag der Schule nicht verstanden. Nach drei Pflichtschuljahren ist das kein Sprachfehler. Das ist gescheiterter Spracherwerb.

Die Zusammensetzung der Klassen erklärt, warum. Eine volle 25er-Gruppe in einer Wiener Brennpunktschule besteht Teacher-X zufolge aus höchstens zwei bis drei Kindern mit deutscher Muttersprache. Bis hin zu Klassen ohne ein einziges. Darunter acht bis zehn Kinder aus bereits integrierten Familien. Acht bis fünfzehn hier Geborene, deren Eltern schlecht oder gar nicht Deutsch sprechen. Zwei bis acht Seiteneinsteiger der letzten zwei Jahre, die dem Unterricht kaum folgen können. Die Altershomogenität der Schüler ist nicht mehr vorhanden. Differenzen von bis zu drei Jahren sind Alltag, als Resultat von Vorschulzeiten, Klassenwiederholungen und geschätzten Geburtsdaten. Vier, fünf überaltrige Kinder in einer Klasse sind keine Ausnahme.

Niederösterreich zeigt, dass es besser gemacht werden könnte. Auch dort steigt zwar der Anteil nicht-deutschsprachiger Kinder. Aber bei fünf bis sieben pro Klasse funktioniere integrativer Spracherwerb noch. Wien, schreibt Teacher-X, ist das eigentliche Problem. In vergleichbarer Schärfe taucht es sonst nur in städtischen Ballungsräumen auf.

Auch bei Pädagoginnen herrschen sprachliche Defizite

Der Lehrermangel macht aus der Schieflage eine Dauerbaustelle. An Wiener Volksschulen unterrichten bereits viele nicht fertig ausgebildete Kräfte als Klassenvorstände. Studenten im Unterricht findet Teacher-X richtig, aber als Teamlehrkräfte neben Erfahrenen, nicht als Lückenbüßer. Dadurch gäbe es mehr Zeit für Kinder mit Defiziten und Drop-Outs aus dem Beruf ließen sich vermeiden.

Das Personalproblem setzt sich am Nachmittag fort. Mehr als die Hälfte der Freizeitpädagoginnen in Brennpunktschulen sei nicht-deutscher Muttersprache. Engagement allein reicht nicht, wenn der überwiegende Teil sehr fehlerhaft Deutsch spricht und genau jene Kinder, die Deutsch erst lernen müssen, den ganzen Nachmittag falsche Sprachmuster hören. Unter den Lehrern und Lehrerinnen sei das Niveau im Schnitt höher. Es gebe aber Fälle, in denen Lehrpersonen mit unsicherem Deutsch ausgerechnet in Vorschul- oder Deutschförderklassen stehen.

Fehlzeiten der Schüler sind inzwischen selbstverständlich. Teacher-X zitiert eine Elternnachricht vom 17. Juni 2024: Das Kind dürfe wegen Festtagen nicht kommen. Der Feiertag lag am Sonntag davor. Wer das als Lehrer ablehnt, erntet Streit und Konflikte. Andere schreiben „Krankheit“, weil einzelne Fehltage ohne ärztliches Attest durchgehen. Islamische Kinder nähmen sich so bis zu zwölf zusätzliche schulfreie Tage im Jahr. Dass der verpasste Stoff nachgeholt wird, nennt Teacher-X einen frommen Wunschtraum.

Die Parteipolitik verhindert jede Lösung. Am 17. Oktober 2024 demonstrierte die ÖVP-Gewerkschaft FCG vor der SPÖ-dominierten Bildungsdirektion Wien. Warum nicht auch vor dem ÖVP-Ministerium? Im Gegenzug ziehen sozialistische Gewerkschafter vor das Ministerium, weil es der politische Gegner ist. Sogar im absoluten Ernstfall, schreibt Teacher-X, ziehen die Verbände nicht an einem Strang.

Konflikte mit dem Islam

Der religiöse Aspekt der Schulkrise wird von der Politik unter der Tuchent gehalten. Teacher-X listet ein paar Beispiele auf. Die Halal-Einkaufsliste an einer Mittelschule. Volksschulkinder, die im Klassenzimmer Hinrichtung spielen. Eine Deutschlehrerin, die Bibellesen untersagt, während islamische Schüler im Koran lesen. Eine Mutter, die einer Volksschullehrerin eine Burka überreicht. Die Aufforderung an Pädagoginnen, sich für muslimische Väter züchtig zu kleiden.

Der Großteil der nicht deutsch sprechenden Kinder stamme aus dem islamischen Kulturkreis, viele aus der zweiten und dritten Generation, in der die Integration jahrzehntelang ausblieb. Rund ein Drittel aller Wiener Schulkinder sei islamisch. In Mittelschulen träten bereits Sittenwächter auf und gingen gegen nicht orthodox-strenggläubig muslimische sowie nichtmuslimische Kinder vor.

Bildungs- und Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr verkündete eine „Deutsch-Offensive“ in den Kindergärten. Teacher-X fragt, was in den von der Stadt Wien subventionierten Häusern mit islamischen Betreibern tatsächlich stattfindet. Laut Teacher-X alles, nur nicht Deutscherwerb und Integration.

Gewalt und Belästigung

Zwei konkrete Fälle von Gewalt und Belästigung zeigen, dass das Schulsystem die Kontrolle verloren hat. Alfred tritt nach dem Unterricht auf den am Boden sitzenden Yusuf und würgt ihn. Die Lehrkraft zieht den kräftigen Buben weg, es bleiben zwei blaue Flecken und ein Kratzer. Trotz ausführlichem Bericht folgt die Suspendierung erst einen halben Monat später und erst nach der Intervention dreier betroffener Elternteile.

Nuri beschuldigt mindestens zweimal pro Stunde andere Kinder, sie hätten ihm das oder jenes angetan, auch dann, wenn die Lehrerin genau die Situation gesehen hatte und es gar nicht möglich war. Gleichzeitig lacht er Kinder aus und provoziert. Die Mutter einer Mitschülerin aus dem gleichen Herkunftsland berichtet von Schulangst wegen Nuris Verhalten. Das Mädchen wechselt die Schule. Nuri zieht vor mehreren Kindern Hose und Unterhose herunter. Die Freizeitpädagogin informiert die Klassenlehrerin nicht sofort. Erst zwei Tage später landet der Vorfall bei der Lehrerin. Die Kinder berichten zusätzlich, Nuri fahre sich regelmäßig mit der Hand in die Hose und versuche, sie dann zu berühren. Die Eltern fragen zu Recht, warum nichts geschieht.

Begabte Kinder drohen, unter die Räder zu kommen

Die Begabten sind die anderen Opfer des dysfunktionalen Systems. Alexander (übrigens sind alle Namen geändert) sitzt in einer zweiten Klasse mit fast ausschließlich nicht-deutschsprachigen Kindern, ist zweisprachig, kreativ, musikalisch, unterfordert. Das Lehrerteam schlägt einen Aufstieg in die dritte Klasse vor, der Direktor setzt den Stufenwechsel gegen erste Bedenken bei der Schulqualitätsmanagerin durch. Alexander schreibt Einser, geht später ins Gymnasium, lernt Geige. Teacher-X stellt die Frage: „Was wäre ohne dieses engagierte Lehrerteam passiert?“ Alexander wäre verkümmert. Jede Wiener Klasse sei inzwischen eine nicht anerkannte Mehrstufenklasse, ohne die Mittel, die echte Mehrstufenklassen bekommen.

Sogar der Übertritt nach der vierten Klasse Volksschule wird zum Problem. Eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht, also mit öffentlicher Förderung, empfiehlt den Eltern eines AHS-reifen Kindes den Wechsel noch im zweiten Halbjahr der vierten Klasse in die angegliederte Volksschule. Sonst sei der Gymnasialplatz unsicher. Fünf Monate neue Gruppe, danach wieder Trennung. Laut Teacher-X ist das unpädagogisch und problematisch.

Veränderung gefordert

Teacher-X fordert konkrete Änderungen. Jede Klasse brauche zwei gleichzeitig anwesende Lehrkräfte, in Migrantenklassen eine dritte, muttersprachliche. Mindestens drei Lehrpersonen für zwei Parallelklassen, plus eine Freizeitlehrkraft. Es braucht Gruppenräume, Pausenräume, Bewegung mit Experten. Kinder, die ihre Muttersprache nicht beherrschen, sollten zuerst in dieser unterrichtet werden, danach gezielt in Deutsch. Es braucht ein Jahr Intensivklasse für Seiteneinsteiger. Scheitert Deutsch am Elternhaus, muss es Sanktionen geben. Teacher-X fordert eine Mitwirkungs- und Integrationspflicht für Kinder UND Eltern, bei Verweigerung die Kürzung von Beihilfen. Offizielle Mehrstufenklassen sollten zum Regelfall werden, Überaltrige nach dem Spracherwerb in kleinere, eigene Klassen überwechseln. Die Schule sollte den Unterricht an die Interessen der Kinder koppeln, aber die kulturellen Grundwerte erhalten.

Teacher-X wünscht sich eine erlebnisorientierte Pädagogik nach Freinet und Kästner mit Exkursionen, eigenständigen Notizen der Kinder und gemeinsamer Sicherung des Schulstoffes. Tägliche feste Blöcke für Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Üben, Bewegung und Kreatives. Die Nachmittagsbetreuung sollte optional und zu bezahlen sein. Überhaupt dürfe die Schule nicht mehr vorbehaltlos gratis sein, sonst verkomme sie zu „umsonst“. Die Beiträge könnten einkommensabhängig für Material, Essen und die Nachmittagsbetreuung eingehoben werden.

Peter Rosegger schrieb 1901, die Lehrer mühten sich ab und erreichten wenig, weil am System etwas nicht klappe. 1904 schrieb er, wer die Schule hat, der hat die Zukunft. Teacher-X hat das für 2026 zusammengefasst. Die Zukunft Österreichs sitzt in Klassen, in denen Deutsch die Minderheitensprache und der Einfluss des radikalen Islam unübersehbar ist. In denen die Kontrolle verloren geht und die Begabten sowie die Unbegabten unter die Räder kommen. Und die Lehrkraft, die das benennt, darf ihren Namen nicht offenlegen, weil sie sonst gekündigt würde.

Teacher-X hat zu diesem Thema übrigens ein sehr spannendes Buch geschrieben, das ich zur Wahrung seiner/ihrer Anonymität gern versende. Bei Interesse bitte eine Nachricht über Telegram (@ChrisVeber), X (@ChrisVeber1) oder Facebook (chris.veber) schicken.

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: