NoBlogs: Neue Karte legt das internationale Antifa-Netzwerk offen

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Jahrelang bot NoBlogs Antifa-Gruppen, Anarchisten und anderen linksradikalen Strukturen eine gemeinsame digitale Infrastruktur. Seit dem 26. August steht der italienische Betreiber Autistici/Inventati unter amerikanischen Antiterror-Sanktionen. Gleichzeitig hat DataRepublican tausende Blogs dieses Milieus zusammengeführt und auf einer interaktiven Weltkarte sichtbar gemacht – darunter auch zahlreiche Strukturen aus Österreich und Südtirol.

Seit vielen Jahren organisiert sich die extreme Linke dezentral. Gruppen kommen und gehen, sie reorganisieren sich und schließen sich auch für einzelne Kampagnen zusammen. Es gibt weder feste Hierarchien noch fixe Strukturen. Stattdessen gibt es ein Milieu aus lokalen Antifa-Gruppen, anarchistischen Kollektiven, autonomen Zentren und dergleichen. Zur Organisation nutzen diese extremistischen Zellen auch gemeinsame Internetplattformen – wie beispielsweise Autistici/Inventati. Die italienische Linksextremisten-Organisation stellte über Jahre Webhosting, verschlüsselte E-Mail-Konten, Chats, Videokonferenzen und weitere digitale Dienste zur Verfügung. Zum Angebot gehörte auch NoBlogs, das sich zu einem wichtigen Veröffentlichungsort der internationalen Antifa- und Anarchistenszene entwickelte.

Am 26. August setzte das US-Finanzministerium Autistici/Inventati auf Grundlage der Antiterror-Verordnung Executive Order 13224 auf die Sanktionsliste. Washington weist darauf hin, dass diese Organisation die digitale Infrastruktur, Werkzeuge und Dienstleistungen für gewaltbereite linksextreme Gruppen bereitstellt. Zu den Nutzern zählt das Finanzministerium auch die PKK, die in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union als Terrororganisation geführt wird. Damit gilt diese Organisation als Terrorunterstützer.

DataRepublican macht das Geflecht sichtbar

Fast gleichzeitig hat DataRepublican einen großen Teil dieses Milieus in eine durchsuchbare Datenbank gepackt. Die Anwendung trägt den spöttischen Namen „TrumpBlogs, formerly known as NoBlogs“ und kartiert nach Angaben der Betreiber mehr als 7.000 Blogs aus dem antifaschistischen, anarchistischen und linksradikalen Umfeld. Statt tausende einzelne Seiten durchsuchen zu müssen, lassen sich Namen, Orte, Schlagwörter und Textstellen zentral recherchieren. Die Oberfläche zeigt Gruppen auf einer Weltkarte, ordnet Blogs geografisch zu und macht Verbindungen zwischen einzelnen Strukturen sichtbar.

Damit bekommt ein über Jahre verstreutes Netzwerk plötzlich klare Konturen. Lokale Antifa-Gruppen stehen neben anarchistischen Projekten, Gefangenen-Unterstützern, Migrationsaktivisten, revolutionären Gruppen und anderen Teilen des linksradikalen Milieus. DataRepublican weist darauf hin, dass diese automatischen Klassifizierungen und geografischen Zuordnungen Fehler enthalten können. Das ändert am Wert der Datenbank wenig. Sie zeigt, wo gesucht werden muss. Die entscheidenden Inhalte stammen aus den Veröffentlichungen der Gruppen selbst.

Dezentral organisiert, gemeinsam vernetzt

Die Karte zeigt auch, warum die übliche Behauptung von der „Antifa, die es gar nicht gibt“ (also als zentrale Organisation) am Kern vorbeigeht. Natürlich existiert keine internationale Antifa-Zentrale mit Präsident, Mitgliedsausweisen und Hauptquartier. Doch das ist das Prinzip, das dahinterliegt. Das Milieu funktioniert über lokale Gruppen, wechselnde Bündnisse, gemeinsam genutzte Infrastrukturen, gegenseitige Mobilisierung und ideologische Nähe. Eine Organisation verschwindet, eine andere entsteht. Aktivisten wechseln zwischen Projekten. Neue Bündnisse werden für Demonstrationen oder Kampagnen gegründet.

NoBlogs passte perfekt zu diesem Modell. Gruppen konnten eigene Seiten betreiben, Mobilisierungsaufrufe veröffentlichen, Veranstaltungen ankündigen und andere Strukturen verlinken. Autistici/Inventati stellte gleichzeitig weitere Kommunikationsmittel – wie beispielsweise verschlüsselte Mailserver – bereit. DataRepublican führt diese verstreuten Spuren nun so zusammen, dass man die bestehenden Zusammenhänge leicht finden kann.

Auch Österreich hängt in diesem Netz

Der Österreich-Filter zeigt schnell, dass dieses Netzwerk nicht nur Berlin, Paris oder Rom betrifft. Auch Wien, Graz, Innsbruck und der Tiroler Raum sind mit einschlägigen Strukturen vertreten. Darunter finden sich das Offene Antifa Treffen Wien, die Gruppe für organisierten Antifaschismus Wien, die Autonome Antifa Graz, antifaschistische Recherchegruppen und weitere anarchistische sowie linksradikale Strukturen. Über Innsbruck reicht das Netzwerk in den gesamten Tiroler Raum; auch die Antifa Meran in Südtirol gehört seit Jahren zu diesem Milieu.

Die unzähligen einzelnen Gruppen müssen gar nicht alle aufgezählt werden. Entscheidend ist das Muster: Antifa-Strukturen stehen neben anarchistischen Projekten, „Antirepressionsgruppen“, Solidaritätsorganisationen und Szeneplattformen. Gemeinsame politische Kampagnen und dieselbe Infrastruktur verbinden diese Gruppen über Städte und Staatsgrenzen hinweg.

Auch Österreichs Verfassungsschutz beschreibt die linksextreme Szene ausdrücklich als ideologisch stark vernetzt – auch auf internationaler Ebene. Die DSN warnt, dass Teile der linksextremen Szene illegale Aktionen und politische Gewalt ausdrücklich in Kauf nehmen. 2025 registrierten die österreichischen Sicherheitsbehörden 136 Tathandlungen mit erwiesenem oder vermutetem linksextremem Motiv. Daraus resultierten 243 angezeigte Delikte. 24 Personen wurden festgenommen, sechs Hausdurchsuchungen durchgeführt.

Washington greift das technische Rückgrat an

Washington beschränkt sich nicht darauf, einzelne Täter oder Gruppen ins Visier zu nehmen. Die US-Behörden greifen die Infrastruktur an, über die solche Netzwerke kommunizieren, publizieren und sich organisieren. Das ist für ein dezentrales Milieu wesentlich gefährlicher als das Verbot einer einzelnen Gruppe. Namen lassen sich ändern, Nachfolgeorganisationen schnell gründen. Eine über Jahre gewachsene technische Infrastruktur mit tausenden Nutzern und Verbindungen lässt sich hingegen nicht so leicht ersetzen.

Das US-Finanzministerium erklärt ausdrücklich, jene Infrastruktur zerschlagen zu wollen, die gewaltbereiten Gruppen ermöglicht, zu operieren, sich zu koordinieren und über Grenzen hinweg Gewalt und Terror zu verbreiten. Autistici/Inventati wird dabei ausdrücklich als Dienstleister für gewaltbereite linksextreme Gruppen genannt – und damit als Terrorunterstützer.

Doch hier wird es für Europa unangenehm. Antifa-Gruppen konnten hierzulande seit Jahren faktisch unbehelligt von den Sicherheitsbehörden nach Belieben agieren, weil man sich seitens der Politik lieber auf den „Kampf gegen Rechts“ konzentriert. Die Linksextremisten verüben Anschläge und Sabotageakte – und die Verantwortlichen in Europa zeigen nicht einmal ansatzweise ein Interesse daran, diese Strukturen zu zerschlagen.

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