Jahrelang geschlafen: Nun entdeckt Berlin chinesische Autos als rollende Datensammler

(C) Report24/KI

Kameras, Mikrofone, GPS und permanent aktive Datenverbindungen machen moderne Autos längst zu rollenden Sensorplattformen. China behandelt solche Fahrzeugdaten seit Jahren als Sicherheitsfrage und schützt Militäranlagen entsprechend. In Berlin erstellt man 2026 dagegen erst einmal eine Risikoanalyse.

Die Bundesregierung prüft die Sicherheitsrisiken vernetzter Fahrzeuge und arbeitet laut „Spiegel“ derzeit an einer nationalen Risikoanalyse. Das Innenministerium spricht bislang von „abstrakten Missbrauchsgefahren“. Konkrete Spionagefälle seien nicht bekannt. Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt man gleichzeitig davor, dass Kameras, Mikrofone, Sensoren und Kommunikationssysteme moderner Fahrzeuge große Mengen an Daten erfassen und übertragen können.l

Besonders neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Das BSI beschäftigt sich seit Jahren mit den Sicherheitsproblemen vernetzter Fahrzeuge. Bereits 2017 wurden Cyberangriffe und Manipulationsmöglichkeiten thematisiert, 2021 beschrieb die Behörde moderne Autos ausdrücklich als umfangreiche Datenquellen. Auch Report24 berichtete bereits im Jahr 2024 über die Datensammelei durch die chinesischen Stromer.

China schützt sich längst schon

Noch deutlicher wird die deutsche Verspätung beim Blick nach China. Peking hat bereits 2021 detaillierte Regeln für den Umgang mit Fahrzeugdaten beschlossen. Als besonders sensibel gelten dort unter anderem geographische Informationen über Militärgebiete, Rüstungsbetriebe und staatliche Einrichtungen, Verkehrs- und Personenströme, Logistikdaten sowie Außenaufnahmen mit Gesichtern oder Kennzeichen.

China weiß also längst, welchen Wert ein dichtes Netz vernetzter Fahrzeuge für Nachrichtendienste besitzen kann. Entsprechend streng geht Peking mit Fahrzeugdaten um. Hersteller müssen zahlreiche Daten im Land speichern, Auslandsübertragungen unterliegen Beschränkungen. Auch ausländische Fahrzeuge wurden in der Vergangenheit von sensiblen Bereichen ferngehalten. Die Ironie ist kaum zu übersehen: China schützt seine eigenen Militär- und Staatsgeheimnisse vor vernetzten Autos, während Deutschland fünf Jahre später untersucht, ob chinesische Fahrzeuge auf deutschen Straßen vielleicht ein Sicherheitsproblem darstellen könnten.

Polen handelt, Berlin analysiert

Auch Polen ist längst einen Schritt weiter. Die polnischen Streitkräfte beschränkten Anfang 2026 den Zugang chinesischer Fahrzeuge zu geschützten Militärbereichen. Ausschlaggebend sind deren Kameras, Mikrofone, Ortungssysteme und weitere Sensoren. Auch die Kopplung dienstlicher Mobiltelefone mit den Infotainmentsystemen entsprechender Fahrzeuge wurde eingeschränkt. Paulina Uznańska vom Warschauer Centre for Eastern Studies bezeichnet vernetzte Fahrzeuge deshalb treffend als mögliche „Drohnen auf Rädern“. Ihr Bericht aus dem Dezember 2025 beschreibt ausführlich, wie moderne Autos ihre Umgebung erfassen und warum chinesische Hersteller angesichts der Zugriffsmöglichkeiten des chinesischen Staates ein besonderes Sicherheitsproblem darstellen können. Peking könne diese Daten dabei auch an Moskau weiterleiten, behauptet sie.

Die Dimension ist nicht zu unterschätzen. Hunderttausende Fahrzeuge mit Kameras, GPS, Mobilfunk und weiteren Sensoren können Bewegungsmuster, Infrastruktur, Verkehrsströme und ihre unmittelbare Umgebung erfassen. Besonders interessant sind solche Daten rund um Kasernen, Rüstungsbetriebe, Häfen, Flughäfen, Bahnknoten und Energieanlagen. Ein flächendeckendes mobiles Sensornetz besitzt dabei erheblichen nachrichtendienstlichen Wert. Je mehr Informationen gesammelt und ausgewertet werden können, desto umfangreicher wird nämlich das Gesamtbild.

Doch in Deutschland setzt man weiterhin auf die Elektrifizierung des Verkehrs. Zwar liegt der Anteil an China-Elektromodellen bei den Verkaufszahlen in Deutschland noch im unteren einstelligen Bereich, doch Peking muss nicht die Mehrheit der Fahrzeuge „kontrollieren“, um umfangreichere Einblicke zu erhalten. Hier steht auch die strategische Sicherheit auf dem Spiel.

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