Orwell reibt sich die Augen: Angela Merkel bekommt Preis für ihren Einsatz für „Zusammenhalt“

Symbolbild: KI / R24

Sie hängen sich wieder gegenseitig Preise um: Im September wird Altkanzlerin Angela Merkel den Elisabeth-Preis des Caritasverbands der Diözese Augsburg erhalten. Für ihre „Haltung“. Und weil es Menschen brauche, die für „Menschlichkeit und Miteinander stehen“. Die Laudatio hält übrigens Sarah Bosetti – Sie wissen schon, die, die unliebsame Menschen zu Blinddärmen erklärt.

Ein Kommentar von Vanessa Renner

Mit dem Elisabeth-Preis sollen Angela Merkels „Haltung“ (wenn man dieses Wort schon hört!) und ihr „Einsatz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ gewürdigt werden. Dieses Neusprech hatte Orwell wohl damals vergessen: Spaltung ist Zusammenhalt. Wissen Sie Bescheid. Illegale Massenmigration, grüner Wahn, Corona-Maßnahmen – das alles hat die deutsche Bevölkerung zweifelsfrei geeint wie sonst nichts.

„Gerade jetzt braucht unser Land Menschen, die für Menschlichkeit und Miteinander stehen“, befand Caritasdirektor Markus Müller als Begründung für diese fragwürdige Ehrung. Man würdige damit auch „die herausragenden Verdienste von Angela Merkel und ihr Wirken für Solidarität, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander“.

A propos respektvolles Miteinander: Die Laudatio hält Sarah Bosetti. Das ist ein Anwärter auf den Witz des Jahres. Erinnern Sie sich an Bosettis Hetze gegen Ungeimpfte? Damals befand sie sinngemäß:

„Wäre die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie würde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes.“

Eine Spaltungs-Befürworterin, die Menschen, deren Ansichten sie nicht mag, in Nazi-Manier als Blinddärme bezeichnet, hält eine Laudatio bei einer Preisverleihung über „Menschlichkeit und Miteinander“. Da weiß man, dass man im besten Deutschland aller Zeiten ist.

Merkel wird am 25. September im frisch sanierten Goldenen Saal des Augsburger Rathauses empfangen und soll dann den Preis erhalten. Benannt ist dieser nach der Heiligen Elisabeth von Thüringen, die die Schutzheilige der Caritas ist. Die Auszeichnung wird an Menschen verliehen, die durch ihr beispielhaftes christliches und soziales Verhalten eine Vorbildfunktion ausüben.

Wie in der DDR

Immerhin dürfte Angela Merkel dieses emsige Verleihen von Orden und Preisen noch aus DDR-Zeiten kennen. Karl-Marx-Orden, Vaterländischer Verdienstorden, Banner der Arbeit, Held der Arbeit – man beweihräucherte sich schon damals mit etlichen Ehrentiteln und Preisen selbst und bestätigte sich gegenseitig seine „Verdienste um den Sozialismus“.

Etwa 142 staatliche und mehr als 10.000 gesellschaftliche Auszeichnungen gab es in der Deutschen Demokratischen Republik („Unsere Demokratie 1.0“, könnte man fast sagen). Insgesamt gab die DDR jedes Jahr 40 Millionen Mark für Medaillen, Orden, Banner, Urkunden und die mit den Ehrungen verbundenen Geldprämien aus. Ein alter MDR-Beitrag verweist auf einen passenden Witz:

‚Ich hab gestern‘, klagt ein Krokodil einem anderen, ‚einen Amerikaner gefressen und hab immer noch Kaugummi zwischen den Zähnen. Ekelhaft!‘ – ‚Das ist doch gar nichts‘, erwidert das andere Reptil. ‚Ich fraß letzte Woche einen Parteifunktionär, seitdem spucke ich unentwegt Orden.‘

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