Seit fünf Jahren kommen jährlich mehr als 100.000 Zuwanderer nach Irland. Fast jeder sechste Einwohner besitzt inzwischen keine irische Staatsbürgerschaft, während die Zahl der Einbürgerungen den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt erreicht hat. Nun will Dublin die Wartezeit verlängern, Sprachtests einführen und Sozialleistungsbeziehern den irischen Pass verwehren.
Fünf Jahre Aufenthalt genügen bislang, um die irische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Künftig könnten es acht Jahre werden. Hinzu kommen sollen ein Nachweis ausreichender Englischkenntnisse, strengere Hintergrundprüfungen und die finanzielle Eigenständigkeit der Antragsteller. Bestimmte Sozialleistungen bezogen zu haben, könnte ebenfalls zum Ausschluss führen. Migrationsstaatssekretär Colm Brophy bestätigte die Pläne gegenüber der Times; über die endgültige Aufenthaltsfrist entscheidet das Kabinett.
Die Zahlen liefern der Regierung genügend Gründe für eine Verschärfung. In den zwölf Monaten bis April 2026 wanderten 110.600 Menschen ein – bereits das fünfte Jahr in Folge mit mehr als 100.000 Zuwanderern. Darunter befanden sich 30.200 zurückkehrende Iren, 20.700 Bürger anderer EU-Staaten und 4.300 Briten. Die größte Gruppe stellten mit 55.500 Personen jedoch Zuwanderer aus Staaten außerhalb der EU und Großbritanniens. Gleichzeitig verließen 62.500 Menschen das Land, womit unter dem Strich 48.100 zusätzliche Einwohner blieben. Bei irischen Staatsbürgern fiel die Wanderungsbilanz dagegen mit minus 5.200 negativ aus – mehr Iren verließen die grüne Insel, als irische Staatsbürger zurückkehrten.
Innerhalb eines Jahres wuchs Irlands Bevölkerung um 66.900 Menschen auf 5,526 Millionen. Davon besitzen 931.000 beziehungsweise 16,8 Prozent keine irische Staatsbürgerschaft. Im Jahr 2020 lebten noch rund fünf Millionen Menschen auf der Insel. Dublin allein zählt inzwischen knapp 1,6 Millionen Einwohner.
Parallel zur Zuwanderung läuft auch die Einbürgerung auf Hochtouren. 24.059 Menschen erhielten 2024 den irischen Pass – fast 5.800 mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 2014 nicht mehr. An der Spitze standen Inder mit 3.946 Einbürgerungen, gefolgt von Brasilianern, Briten, Rumänen und Nigerianern. Auch Philippiner, Polen, Chinesen, Pakistaner und Südafrikaner gehörten zu den zehn größten Herkunftsgruppen.
Die Folgen des Bevölkerungsdrucks werden auf dem Wohnungsmarkt sichtbar. Im April 2026 lebten 17.548 Menschen in staatlich finanzierter Notunterbringung, darunter 5.604 Kinder – ebenfalls ein Rekord. Anfang Februar standen gleichzeitig im ganzen Land weniger als 1.800 Mietwohnungen zur Verfügung. Hunderttausende zusätzliche Einwohner treffen damit auf einen Wohnungsmarkt, der schon mit der bisherigen Bevölkerung nicht fertigwird.
Deutschland marschierte zuletzt in die andere Richtung. Die Ampel verkürzte die Einbürgerungsfrist 2024 von acht auf fünf Jahre. Die schwarz-rote Bundesregierung strich zwar die zusätzliche „Turboeinbürgerung“ nach drei Jahren, ließ die reguläre Fünf-Jahres-Frist jedoch bestehen. 2025 erhielten 332.524 Menschen den deutschen Pass – mehr als jemals zuvor. Report24 hat diese Entwicklung erst gestern ausführlich analysiert.
Irland denkt nun über die Rückkehr zu genau jenen acht Jahren nach, die Deutschland erst 2024 abgeschafft hat. Nach fünf Jahren mit jeweils mehr als 100.000 Zuwanderern, einer explodierenden Wohnungsnot und Rekordwerten bei den Einbürgerungen verschärft Dublin nun die gesetzlichen Grundlagen. Berlin hält unterdessen an jenem Kurs fest, dessen Folgen die Iren gerade zu korrigieren versuchen.
