Angebliche Gefahr für irakischen Nachbarn? Polizei warf 80-jährige Linzerin aus ihrer Wohnung

Symbolbild: KI

In einem Linzer Mehrparteienhaus kam es am 1. August zu einem Streit und offenbar Handgreiflichkeiten zwischen einem 56-jährigen Iraker und einer 80-jährigen Linzerin. Es steht Aussage gegen Aussage. Die Polizei kam zum Schluss, dass der Iraker vor der Pensionistin geschützt werden müsse: Die alte Dame wurde kurzerhand aus ihrer Wohnung gewiesen.

Die „Krone“ lässt die Pensionistin Ehrengard E. aus Linz, die schon seit 1969 in ihrer Wohnung in Kleinmünchen lebt, zu Wort kommen: Der 80-Jährigen zufolge war sie an jenem Tag mit einem Mistsack in den Keller gegangen und dort auf ihren irakischen Nachbarn gestoßen. Offenbar streifte sie ihn im Vorbeigehen: „Ich bin an ihm vorbei und dürfte ihn berührt haben. Er hat mich dann beschimpft, mir mehrmals ins Gesicht gespuckt, mich gegen die Kellerwand gedrückt und die Hand gehoben. Ich habe mir gedacht, der haut mir eine, und habe mit dem Müllsack zugeschlagen.“

Der Iraker dagegen behauptet, die Pensionistin habe ihn unvermittelt bespuckt und geschlagen. Er trug eine kleine Platzwunde an der Stirn davon und „musste“ angeblich im Krankenhaus versorgt werden. Die Linzerin wies ihrerseits Schürfwunden an Arm und Hals auf. Die hinzugerufene Polizei sprach mit beiden Parteien – und machte die 80-Jährige als Täterin aus.

Nach § 38a Sicherheitspolizeigesetz darf die Polizei Personen aus einer Wohnung wegweisen, wenn auf Grund bestimmter Tatsachen ein gefährlicher Angriff auf Leben, Gesundheit oder Freiheit einer dort lebenden Person zu erwarten ist. Offenkundig befürchtete man, dass Ehrengard E. einen gefährlichen Angriff auf den Iraker tätigen könnte, und verwies sie der Wohnung.

„Die Polizisten haben dann gesagt, ich muss sofort gehen und darf vorerst nicht in meine Wohnung. Ich bin dann zu meiner Schwester, hab‘ nicht einmal was mitgenommen, ich war völlig aufgelöst“, schildert die 80-Jährige.

Die Pensionistin erörterte dem Medium gegenüber auch, wie sehr sie die Situation belastet: „Ich esse kaum, habe zwei Kilo abgenommen und bin mit den Nerven am Ende. Eigentlich will ich nur noch weg.“ Jahrzehntelang lebte sie dort; fünf Kinder hat sie in dieser Zeit dort aufgezogen.

Iraker zog Rassismus-Karte

Jetzt steht sie als Ausländerfeindin da, denn der Iraker wirft ihr Rassismus vor. „Ich werde von dem Mann als ausländerfeindlich hingestellt, dabei war mein Vater selbst ein Flüchtling aus Ungarn. Ich lebe seit vielen Jahren hier mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Mit niemandem hab ich Probleme. Das ist eine Lüge“, stellt die Pensionistin gegenüber der Krone klar. Doch die Polizei zog es offenbar vor, dem Iraker zu glauben.

Es mag Aussage gegen Aussage stehen, doch dass Migranten gegenüber westlichen Behörden eilig die Rassismus-Karte zücken, ist nicht neu. Erinnern Sie sich an Henry Nowak? Der britische Student wurde von einem Sikh mit dessen zeremoniellem Messer mehrfach in die Brust gestochen. Die herbeigerufene Polizei glaubte dem Sikh, der Nowak einen rassistischen Angriff vorwarf, und fesselte kurzerhand das Opfer und nicht den Täter. Nowak verblutete, von den Beamten verspottet („I don’t think you have [been stabbed], mate“), in Handschellen, behandelt wie ein Lügner und Verbrecher.

Anwalt der Pensionistin kündigt Widerspruch an

Ehrengard E. durfte mehrere Tage nicht in ihr Zuhause zurück. Inzwischen ist sie wieder in ihre Wohnung eingezogen, darf aber per Verfügung des Bezirksgerichts Linz dem 56-jährigen Migranten und seiner Familie nicht nahekommen. Eine Anzeige gegen sie soll nach aktuellem Stand nicht vorliegen. Ihr Anwalt bereitet einen Widerspruch gegen die gerichtliche Entscheidung vor. „Meine Mandantin wurde noch nicht einmal befragt. Wir müssen jetzt einen Widerspruch machen“, gab er gegenüber der „Krone“ an.

Mehrere Medien griffen den Fall auf; in den sozialen Netzen sorgt er für massiven Ärger. „Wo ist da Gerechtigkeit?“, fragen etwa Nutzer auf Facebook. Andere sprechen von einer „bodenlosen Frechheit“ und Schikane gegen die eigene Bevölkerung. Viele prangern Täter-Opfer-Umkehr an und fragen, was aus Österreich geworden ist.

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