In Wien muss man in jungen Jahren nur besonders kriminell auffallen, dann winken Luxus-Reisen zu den schönsten Tourismusorten. Diesen Eindruck erweckt zumindest ein aktueller Bericht des „Kurier“, der beleuchtet, wie die Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) „Problemkindern“ Urlaube auf beispielsweise Madeira finanziert. Das wären aber „intensiv betreute pädagogische Maßnahmen“ und bestimmt keine Belohnungen, so betont man seitens der Behörde.
Auszeit im Waldviertel? Offenbar nicht gut genug für junge Delinquenten in der Obhut der Wiener MA 11. Laut „Kurier“ sollen hier schon seit Jahren wochenlange Reisen zu touristischen Traumzielen ermöglicht werden. Der Hinweis für die Recherche kam aus der Sozialarbeiter-Branche, in der wohl Kritik an den Reisen für Wiener Problemkinder vorherrscht – auch wenn ein Informant zu bedenken gab, dass die Kinder dann ja während der Reise immerhin in Wien „nichts anstellen“ könnten.
Aufgrund der „schiefen Optik“ würden solche Aufenthalte lieber verschwiegen werden, so heißt es. Angegeben wird aber auch, dass die Betreuung in Wien so teuer sei – die Rede ist von bis zu 2.000 Euro pro Person pro Tag! – dass die Reisen, die über Partnervereine abgewickelt werden, sogar billiger kämen. Fragt sich: Was verdient wohl der linke Sumpf aus NGOs und Vereinen an den „pädagogischen“ Angeboten für „Problemkinder“? Es wird auf „lokale Strukturen mit Agenturen und Vereinen“ hingewiesen, die sich auf die Klientel „spezialisiert“ hätten. So werde Madeira auch von der deutschen Jugendwohlfahrt gerne gebucht.
MA-11-Skandal um Fenstersprung: Auch dieser Verein bietet Auslandsprojekte an
Die MA 11 hatte erst kürzlich wegen des Fenstersprungs einer 12-Jährigen einen handfesten Skandal am Hals: Obwohl bekannt war, dass das schwer traumatisierte Mädchen Angst vor Männern hat, erschien der Geschäftsführer des von der Stadt Wien fürstlich finanzierten Vereins „Homebase“ zu ihrer Abholung zur Überstellung. Der Mann hat großflächige Tätowierungen, Fleischtunnel und aufschraubbare Stirnimplantate in der Form von Teufelshörnern. Das Mädchen schloss sich in Panik in einem Zimmer ein, weigerte sich, mit ihm mitzugehen, und sprang schließlich aus dem Fenster, als der Mann ankündigte, das Zimmer auch gegen ihren Willen zu betreten.
Wirft man einen Blick auf die Website des Vereins „Homebase“, so ist übrigens auch hier die Rede von erlebnispädagogischen „Auslandsprojekten“. Inwieweit „Homebase“ auch an den vom „Kurier“ aufgedeckten Reisen mitwirkt, ist freilich offen.

Mangelnde Transparenz
Der „Kurier“ weist jedenfalls auf mangelnde Transparenz im Hinblick auf die Reisen hin. Informationen sind rar. Zu finden sei aber immerhin ein Medienbericht über einen Gerichtsprozess wegen Nötigung im Jahr 2023, bei dem der 15-jährige Angeklagte nicht erschien, weil er sich gerade für sechs Monate auf einem Insel-Camp auf Madeira aufhielt. Die Kosten der „Resozialisierungsmaßnahme“ sollten sich auf schlappe 30.000 Euro belaufen.
Auf Anfrage des Mediums bestätigte die MA 11, dass „Auslandsunterbringungen“ in Europa – genannt werden Mittelmeerländer, Skandinavien und Länder am Atlantik – stattfinden. Aufschlüsselungen der Kosten gibt es nicht. Die Dauern der Reise unterscheiden sich stark, weil es sich um ein „individuelles Angebot“ handelt. Verschiedene Vereine, aber auch Wohngemeinschaften würden diese Projekte im „Bedarfsfall“ als „Interventionsmöglichkeit“ anbieten, wobei zumeist Sozialpädagogen aus den Einrichtungen mitreisen. Es handele sich um „Einzelfälle“. Erwähnt wird zudem ein weiteres „erlebnispädagogisches Projekt mit vier Minderjährigen pro Schuljahr“ auf einem Schiff.
Wer darf reisen?
Mit den Reisen werden Personen bedacht, „bei denen im Rahmen einer individuellen fachlichen Einschätzung geprüft wird, ob eine vorübergehende Herausnahme aus dem gewohnten Umfeld sinnvoll ist“. Es wäre eine „intensiv betreute pädagogische Maßnahme“ und „keine Belohnung“. Es gehe darum, „an individuellen Traumata bzw. Defiziten zu arbeiten oder Delinquenz oder Aggressivität zu durchbrechen“. Trauma, Aggression, Delinquenz – welche Klientel damit besonders assoziiert wird, steht wohl außer Frage. Der konkreten Frage des Kuriers, ob hier In- oder Ausländer und vielleicht gar unbegleitete minderjährige „Flüchtlinge“ profitieren, wich man bei der Behörde aus.
Evaluierungen und somit Wirksamkeitsnachweise dieses Projekts gibt es nicht.
Stand 2025 befanden sich 4.150 Kinder und Jugendliche in MA-11-Obhut. Die Tagessätze der Betreuten liegen laut einer Sprecherin zwischen rund 200 und 1.400 Euro. 2020 lag das Budget der MA 11 noch bei 333 Millionen – heuer sind es mehr als 500 Millionen Euro.






