Anthony Fauci schätzte die Corona-Sterblichkeit persönlich auf lediglich 0,2 bis 0,3 Prozent, wie sein Tagebuch zeigt. Nur wenige Wochen später erklärte er dem US-Kongress unter Eid, das Virus töte wahrscheinlich rund ein Prozent der Infizierten und sei damit zehnmal gefährlicher als die Grippe. Warum hat er seine Schätzungen so massiv übertrieben?
Am 8. Februar 2020 telefonierte Anthony Fauci mit dem früheren CDC-Direktor Tom Frieden. Anschließend hielt Fauci in seinen persönlichen Aufzeichnungen fest, dass beide das neue Coronavirus hinsichtlich seiner Übertragbarkeit für vergleichbar mit einer schweren Grippe hielten. Vor allem aber gingen sie davon aus, dass die damals bekannten Fallzahlen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Infektionen erfassten. Der Nenner sei wesentlich größer, schrieb Fauci – die Fallsterblichkeit liege daher „eher bei 0,2 bis 0,3 Prozent statt bei 2,0 Prozent“.
Fauci wusste damit früh, dass die dramatischen Todesraten aus China auf einem grob verzerrten Bild beruhten. Gezählt wurden vor allem schwer Erkrankte, während milde und symptomlose Infektionen weitgehend unsichtbar blieben. Wer nur die Kranken und Toten erfasst, aber einen großen Teil der Infizierten nicht kennt, erhält zwangsläufig eine aufgeblähte Sterblichkeitsrate. Fauci verstand dieses Problem. Er schrieb es sogar auf. Doch damit konnte man keine Zwangsmaßnahmen begründen.
Fauci privately estimated COVID-19 death rate far lower than he gave Congress, diary shows https://t.co/BlfFMkaoXx
— DarrenUtd 🇺🇸 (@DarrenUtd) August 3, 2026
Aus 0,3 wurden vor dem Kongress plötzlich ein Prozent
Nur einen Monat später klang Fauci öffentlich völlig anders. Am 11. März 2020 erklärte er vor dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses, die offiziell zu nennende Sterblichkeit liege bei rund drei Prozent. Unter Einrechnung milder und symptomloser Infektionen sinke sie wahrscheinlich auf etwa ein Prozent. Das Virus sei damit zehnmal tödlicher als die saisonale Grippe. Doch ein Prozent ist mehr als das Dreifache von 0,3 Prozent und das Fünffache von 0,2 Prozent.
Bei einer landesweiten Epidemie bedeutet dieser Unterschied nicht ein paar statistische Nachkommastellen, sondern Hunderttausende angenommene Todesfälle mehr oder weniger. Genau solche Zahlen entschieden darüber, ob die Bevölkerung ein schweres Gesundheitsproblem oder eine unmittelbar bevorstehende Katastrophe erwartete. Natürlich kann ein Wissenschaftler seine Einschätzung ändern. Dann muss er aber erklären, welche neuen Daten zu dieser Änderung geführt haben. Fauci tat das nicht. Er erwähnte vor dem Kongress weder seine deutlich niedrigere Schätzung vom Februar noch erläuterte er, weshalb er sie verworfen hatte. Stattdessen lieferte er jene eingängige Formel, die fortan weltweit durch Nachrichtensendungen, Regierungsauftritte und Panikschlagzeilen geisterte: zehnmal tödlicher als die Grippe.
Diese Übertreibung ermöglichte erst die Zwangsmaßnahmen
Diese Aussage fiel dabei genau in jenen Tagen, in denen Regierungen ihre Bevölkerungen auf Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und die Stilllegung des öffentlichen Lebens vorbereiteten. Diese hätte man mit einer Sterblichkeitsrate von 0,2 bis 0,3 Prozent nicht durchdrücken können – mit einem bis drei Prozent hingegen schon. Faucis Wort hatte Gewicht. Der damalige NIAID-Direktor war das Gesicht der amerikanischen Corona-Politik und eine der weltweit meistzitierten Autoritäten.
Die intern notierten 0,2 bis 0,3 Prozent hätten Covid-19 zwar auch nicht harmlos gemacht, doch sie hätten aber ein völlig anderes Risikobild vermittelt als die öffentlich verbreiteten ein bis drei Prozent. Aus einer insbesondere für bestimmte Risikogruppen schweren, grippeähnlichen Atemwegserkrankung wurde in der politischen Kommunikation eine allgegenwärtige Todesdrohung. Die höhere Zahl erzeugte Angst, und die Angst schuf jene Zustimmung, ohne die viele der späteren Eingriffe kaum durchsetzbar gewesen wären.
Der Epidemiologe Harvey Risch spricht deshalb von „gigantischer Hybris und toxischem Paternalismus“ im öffentlichen Gesundheitswesen. Fauci habe öffentlich Angst geschürt, während er privat eine wesentlich niedrigere Sterblichkeitsrate festhielt. Rischs Schlussfolgerung ist hart, aber naheliegend: Hätte Fauci offen ausgesprochen, was er intern für plausibel hielt, wäre die gesellschaftliche Reaktion womöglich deutlich gemäßigter ausgefallen.
Mehr als 110 Mal: Fauci verweigert die Antwort
Nun hätte Fauci Gelegenheit gehabt, den Widerspruch zu erklären. Im Juli 2026 wurde er vor den zuständigen Senatsausschuss geladen, nachdem dessen Vorsitzender Rand Paul mehr als 1.100 Seiten aus Faucis persönlichen Aufzeichnungen veröffentlicht hatte. Doch der Mann, der während der Pandemie Millionen Menschen mit größter Gewissheit erklärte, was sie zu tun und zu unterlassen hätten, wollte zu seinem eigenen Verhalten plötzlich nichts mehr sagen. Mehr als 110 Mal berief sich Fauci auf den Fünften Verfassungszusatz, das verfassungsmäßige Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen. Dieses Recht steht ihm zu. Aber es nimmt dem Vorgang nichts von seiner politischen Wucht.
Jahrelang wurde Fauci als Stimme der Wissenschaft inszeniert, Kritiker wurden als verantwortungslose Spinner abgekanzelt und abweichende Einschätzungen diffamiert und diskreditiert. Sobald seine eigenen Notizen auf dem Tisch liegen, endet die angeblich so transparente Wissenschaftskommunikation in konsequentem Schweigen. Seine Verteidiger sprechen von einer parteipolitischen Hexenjagd. Doch kein parteipolitisches Motiv kann den Eintrag vom 8. Februar aus Faucis Tagebuch entfernen. Kein Angriff Rand Pauls erklärt, weshalb Fauci privat 0,2 bis 0,3 Prozent für plausibel hielt und öffentlich wenig später ein bis drei Prozent nannte. Und kein Hinweis auf politische Interessen beantwortet die Frage, warum der Kongress von der niedrigeren Einschätzung nichts erfuhr.
Intern Zweifel, öffentlich Gewissheit
Die Sterblichkeitsfrage fügt sich in ein größeres Muster. Faucis Aufzeichnungen und die internen Nachrichten mehrerer beteiligter Wissenschaftler zeigen, dass Anfang Februar 2020 auch der Ursprung des Virus keineswegs geklärt war. Bei jener Telefonkonferenz, aus der später die einflussreiche „Proximal Origin“-Arbeit hervorging, hielt nur eine Minderheit der Teilnehmer einen natürlichen Ursprung bereits für überzeugend. Die meisten Wissenschaftler sahen auffällige Merkmale des Virus und hielten eine Laborverbindung zumindest für möglich.
Wenig später wurde der natürliche Ursprung öffentlich mit einer Sicherheit präsentiert, die es intern offenkundig nicht gab. Die Laborthese wurde zur Verschwörungstheorie erklärt, obwohl führende Wissenschaftler sie zuvor angesichts vieler Merkmale des Virus selbst selbst ernsthaft diskutiert hatten. Wieder dasselbe Muster: Hinter verschlossenen Türen gab es Zweifel und offene Fragen, vor den Kameras wurde mit angeblich absoluter Gewissheit und moralischer Überlegenheit der Teufel an die Wand gemalt.
Dasselbe gilt für die Impfkommunikation. Der frühere CDC-Direktor Robert Redfield erklärte inzwischen offen, die Impfstoffe hätten eine Infektion nie verhindert. Auch schon lange zuvor war dies eigentlich weitestgehend bekannt. Die Botschaft, Kinder müssten geimpft werden, damit sie ihre Großmutter nicht ansteckten, sei falsch gewesen. Trotzdem wurde genau diese Behauptung jahrelang eingesetzt, um Menschen moralisch unter Druck zu setzen und weitreichende Zwangsmaßnahmen sowie Impfmandate zu rechtfertigen.
August 13, 2022: we cannot admit that the shots don't work because that would undermine our policy to force people to get them. pic.twitter.com/9MrU7EKsWo
— Jeffrey A Tucker (@jeffreytucker) July 31, 2026
Es ging nie nur um einen Irrtum
Der Skandal besteht nicht darin, dass Behörden zu Beginn einer neuen Krankheit mit unsicheren Daten arbeiten mussten. Der Skandal besteht darin, dass diese Unsicherheit vor der Bevölkerung verborgen wurde und stattdessen Zahlen mit einer Gewissheit präsentiert wurden, die so einfach nicht gegeben war. Intern wurde gerechnet, gezweifelt und gestritten. Öffentlich trat Fauci auf, als sei jede zentrale Frage bereits entschieden und jeder Widerspruch ein Angriff auf die Wissenschaft selbst.
Diese Überheblichkeit hatte jedoch reale, sehr negative Folgen. Schulen wurden geschlossen, Kinder isoliert, Existenzen zerstört, Kranke von ihren Angehörigen getrennt und Millionen Menschen in Angst versetzt. Kritische Ärzte und Forscher verloren ihre Stellen, Reichweite oder Reputation. Unzählige Menschen erlitten schwere Impfschäden und wie viele Leute infolge der Massenverabreichung dieser experimentellen Vakzine starben, lässt sich bis heute nur schwer beziffern. All das wurde mit Zahlen und Gewissheiten begründet, die Faucis eigene Aufzeichnungen nun in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.
Anthony Fauci wusste bereits Anfang Februar 2020, dass die tatsächliche Corona-Sterblichkeit in Wirklichkeit erheblich niedriger lag als die damals kursierenden Horrorzahlen. Einen Monat später sagte er dem Kongress etwas anderes. Heute verweigert er die Erklärung. Das ist kein erledigtes Kapitel und kein belangloser Streit über irgendwelche Prozentwerte. Es ist die Frage, ob die mächtigsten Gesundheitsfunktionäre der Welt die Bevölkerung bewusst mit der dramatischeren Zahl steuerten – und ob sie glaubten, dafür niemals Rechenschaft dafür ablegen zu müssen.






