Gründer des Museumsdorfs Niedersulz schlägt Alarm: „Mein Lebenswerk geht zugrunde“

Collage basierend auf Videos von Museumsdorf Niedersulz (C) Museumsdorf Niedersulz

„Ich, Josef Geissler, muss mit großer Traurigkeit, vielen schlaflosen Nächten und unter massivem Leidensdruck feststellen, dass mein Erbe für die niederösterreichische Heimat von so manchen gar nicht gewünscht ist. Ich habe mit Herz, unendlich viel Zeit und viel Geld aus meiner privaten Kassa dieses Museumsdorf aufgebaut, das heute in ganz Österreich Anerkennung findet. Es erfüllt mich mit Stolz, dass es das größte Freilichtmuseum meines Bundeslandes ist und von Fachleuten im ganzen Land gelobt wird. Doch aufgrund meines Alters kommt es mir heute so vor, als würden sich manche ins Fäustchen lachen und sich freuen, wenn ich schon bald das Zeitliche segne.“ Das schreibt mir Josef Geissler im Juni 2026. Es ist ein Hilferuf.

Von Angelika Starkl

Durch meine Tätigkeit als Kirchenrestaurator in zahlreichen Weinviertler Kirchen kam ich mit vielen Menschen in Kontakt, die mir weitere Objekte vermittelten. Auch kirchliche Einrichtungen überließen mir, im Zuge der Liturgiereform, nicht mehr benötigte Objekte wie Seitenaltäre, Tumben oder Heilige Gräber. Unterstützt wurde ich unter anderem vom Ziegelwerk Stillfried, vom Landesjugendheim Korneuburg sowie von meinem langjährigen Freund und Wegbegleiter Wolfhart Redi und der Familie des pensionierten Regierungsrates Johann Kiessling.

Trotz großer Begeisterung waren Mitarbeiter und finanzielle Mittel stets knapp. Im Jahr 2009 wurde ich im Zuge einer Neuorganisation durch das Land Niederösterreich unter der Geschäftsführung von Edgar Niemecek und Günther Fuhrmann, nach 30 Jahren Bautätigkeit aus dem Museumsbetrieb gedrängt. Obwohl mir ein Wohnrecht zustand, lebte und arbeitete ich zehn Jahre lang – bis zu meiner Pension – außerhalb des Dorfes. Hätte der „Spinner“ Geissler vor Jahrzehnten das Museumsdorf nicht gebaut, wäre Niedersulz in der niederösterreichischen Kulturlandschaft heute nicht einmal ein Beistrich in einem Aufsatz!

Leidensweg eines weltflüchtigen Romantikers?

Sämtliche Baulichkeiten des Museumsdorfs waren einst dem Untergang geweiht. Nur durch ihre Wiedererrichtung im Rahmen eines Freilichtmuseums konnten sie erhalten werden. Dasselbe gilt für die dazugehörige Ausstattung und Einrichtung. Mehrere Personen regten an, ich möge über die Entstehung und meine jahrzehntelange Sammeltätigkeit berichten. Bereits als Jugendlicher besuchte ich häufig das Marchfeldmuseum im „Prandtauer-Pfarrhof“ in Weikendorf. Dort beeindruckten mich bemalte Bauernmöbel sowie zahlreiche Objekte der Volks- und Kirchenkunst. Dieses Museum besteht leider nicht mehr. Als Ministrant begleitete ich oft Versehgänge und sah in den Häusern schwerkranker Menschen viele alte Kulturgüter. Diese Eindrücke führten dazu, dass ich begann, selbst solche Gegenstände zu sammeln. Seit 1966 zog ich – damals 17-jährig – mit einem Schubkarren durch Niedersulz und trug alte Objekte zusammen. Neben Kästen, Truhen und bemalten Betten fanden sich darunter Stücke aus der Theresianischen, Josephinischen und der Biedermeier-Zeit.

Häufig hörte ich: „Dieses alte Klumpert wird ohnehin bald verheizt.‘“

Das Zusammentragen dieser Kulturgüter war echte Pionierarbeit (besonders bemalte Möbel) denn viele Stücke waren akut von der Vernichtung bedroht. Die Objekte befanden sich oft in desolaten Gebäuden, auf Dachböden oder sogar auf Müllplätzen. Heute gilt meine Möbelsammlung mit über 100 Stücken als die größte im Weinviertel und als bedeutendes Zeugnis regionaler Volkskunst. Hier im Museumsdorf werde ich ignoriert, sogar einige Mitarbeiter berichten von einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Klima vor Ort. Sie meinen: „Das Museum ist ja wunderschön, aber die Firmenstrukturen sind unter aller Sau“. Der Einzige, der mir vor vielen Jahren in meiner tiefsten Not – als ich aus dem Museum vertrieben wurde – wirklich christlich geholfen hat, damit ich mir nicht das Leben nehme, war Bischof Dr. Küng und Museumsdirektor Dr. Wolfgang Huber aus St. Pölten.

Im Herbst meines Lebens muss ich feststellen: Die Zusagen hoher Persönlichkeiten in Niederösterreich sind anscheinend keinen Handschlag mehr wert. Ich habe das Gefühl, manche schmieren mir nur deshalb Honig ums Maul, weil sie darauf spekulieren, dass der „alte Depp“ eh bald sterben wird. Ich glaube erst an ein ehrliches Interesse an meinem Lebenswerk, wenn sofort – und ohne weitere Vertröstungen – folgende Schritte umgesetzt werden: Das gesamte Museumsdorf gehört mit Herz und Verstand wieder als das Freilichtmuseum gestaltet, als das ich es gegründet habe und wie es mir viele Menschen aus Volk und Wissenschaft beipflichten. Die gesamte Leitung und die Verantwortlichen sind durch Personen zu ersetzen, die mein Vertrauen genießen und in meinem Sinne handeln. Das sage ich nicht aus Eitelkeit, sondern weil dieses Stück Niederösterreich auch nach meinem Tod Menschen für das Landleben begeistern soll.

Ich bin kein Studierter, sondern ein einfacher Bauernbub. Aber dieses Museum gehört sofort in die Hände eines Menschen gelegt, der meine Gedanken denkt und dem ich vertraue. Derzeit wird jedoch insgesamt nur ein geringer Teil präsentiert. Auch für sakrale Objekte scheint wenig Interesse bis zur erkennbaren Ablehnung zu bestehen. Bis heute ist nicht nur im Museumsdorf, sondern auch bei meiner Sakralsammlung im Pfarrhof keine Zusammenarbeit erwünscht. Restaurierte Fronleichnamsaltäre wurden zerlegt und in einem staubigen Stadl deponiert. Die Dauerausstellung über das historische Mauern (historische Materialien und Werkzeuge) wurde gänzlich abgebaut. Auch das Lapidarium (Steinsammlung mittelalterlicher Architekturfragmente) ist nicht mehr vorhanden. (Gedankenstrich: „Der alte Depp hat sowieso nur Blödsinn gemacht“).

Und jenen, die meinen, mich jetzt mit Gerichten oder rechtlichen Schritten einschüchtern zu können, schreibe ich ins Stammbuch: Ihr seid wirklich arme Leute. So wahr mir Gott helfe, bitte ich ihn, dass er das Museumsdorf in meinem Sinne wieder erblühen lässt und die Zukunft dieses Ortes den richtigen Menschen anvertraut. Wer es ehrlich mit mir meint, handelt nicht erst in einem Jahr, sondern führt diese Wende sofort herbei. Wer sagt, das ginge nicht, dem entgegne ich das alte Sprichwort: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! In tiefer Betroffenheit, Enttäuschung und doch als Christ auf die Auferstehung des Museumsdorfs hoffend, Prof. Josef Geissler.

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