„Achilles-Schild“: Griechenland setzt auf Luftverteidigung made in Israel

Symbolbild Report24 KI

Griechenland modernisiert sein Luftabwehrsystem und setzt dabei auf israelische Technologie. Das neue integrierte Luftverteidigungssystem heißt „Achilles-Schild“. Allerdings wird der legendäre Schild diesmal nicht vom griechischen Gott Hephaistos geschmiedet, sondern von Israel produziert.

Der Schild des Achilles, ausführlich beschrieben in der „Ilias“ von Homer, wurde laut der Mythologie von Hephaistos, dem Gott der Metallurgie, auf Bitten der Göttin Thetis geschmiedet. Achilles benutzte diesen Schild im Trojanischen Krieg im legendären Kampf gegen Hektor. Der Schild ist außerdem berühmt für die detaillierten Darstellungen des Universums, die in ihn eingraviert waren. Später soll Odysseus den Schild auf seiner zehnjährigen Heimreise mit sich geführt haben.

Neuer Achilles-Schild

Nun hat die griechische Regierung den „Achilles-Schild“ zu einem aktuellen Thema gemacht. Er bezeichnet die 4,2 Milliarden Euro teure Modernisierung von Griechenlands Luftverteidigung. „Achilles Schild“ soll das Land in ein „neues Zeitalter“ der Verteidigungspolitik führen, so Verteidigungsminister Nikos Dendias auf X.

Der griechische Rat für Außen- und Verteidigungsangelegenheiten (KYSEA) hat ein bedeutsames Paket zur nationalen Verteidigungsstrategie des Landes gebilligt. Das Paket gilt als einer der wichtigsten Schritte im Rahmen des griechischen Militärmodernisierungsprogramms.

Das Paket umfasst die Entwicklung eines integrierten Luftverteidigungssystems mit dem Namen „Achilles-Schild“ sowie neue Überwachungskapazitäten, Transportflugzeuge, unbemannte Luftfahrzeuge und Modernisierungsprogramme für die griechische Marine und Armee. Der größte Teil des Beschaffungsprogramms soll in Systeme aus Israel fließen, so das polnische Portal „WP tech“.

Was steckt im Achilles-Schild?

Der Achilles-Schild ist, wie der türkische Außenpolitik-Analytiker Erkin Öncan detailliert ausführt, ein mehrschichtiges Luftverteidigungssystem, das Daten mittels künstlicher Intelligenz zusammenfasst. Das System, größtenteils in Israel produziert, soll Daten verschiedener Sensoren und Waffensysteme unter einem einzigen integrierten Befehls- und Kontrollnetzwerk (C2) integrieren.

Dies soll militärischen Kommandeuren ermöglichen, Bedrohungen in Echtzeit zu erkennen, zu priorisieren und darauf zu reagieren. Das System soll außerdem in der Lage sein, Gefechtsfelddaten zu analysieren, Ziele nach Priorität zu ordnen und Empfehlungen für taktische Reaktionen zu geben.

Bei herkömmlichen Luftverteidigungssystemen erfasst ein Radar ein Ziel und das damit verbundene Raketensystem bekämpft es. Der Achilles-Schild hingegen funktioniert nach einem anderen Konzept. Mit Unterstützung künstlicher Intelligenz bestimmt das System die geeignetste Reaktion auf eine anfliegende Bedrohung.

Die israelische Komponente des Projekts beschränkt sich nicht auf den Kauf eines einzelnen Raketensystems. Sie stellt eine umfassende Partnerschaft dar, die Radarsysteme, Abfangraketen, Befehls- und Kontrollinfrastruktur sowie Software für das Gefechtsfeldmanagement umfasst.

Bestandteile des Systems

Eine der wichtigsten israelischen Komponenten des Achilles-Schilds wird das Barak MX sein, das von Israel Aerospace Industries (IAI) produziert wird. Dieses System kann Radarsysteme, Befehls- und Kontrollzentren, Raketenwerfer sowie Abfangraketen umfassen.

Ein weiteres Schlüsselelement wird David’s Sling sein, produziert vom israelischen Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defense Systems. Dieses System ist darauf ausgelegt, ballistische Raketen, weitreichende Geschosse und Marschflugkörper abzufangen.

Ein weiteres System, das voraussichtlich in den Achilles-Schild integriert wird, ist der Rafael Spyder – ein bodengebundenes mobiles Luftverteidigungssystem mittlerer Reichweite, ebenfalls von Rafael Advanced Defense Systems. Es soll gegen Drohnen, tieffliegende Luftfahrzeuge und Hubschrauber eingesetzt werden. Seine rasche Verlegefähigkeit und Mobilität zählen zu seinen wesentlichen Vorteilen. Das System gilt als besonders geeignet für die Inselverteidigung.

Die Schritte Griechenlands können nicht allein als konventionelle Rüstungskäufe bewertet werden. Sie drücken vielmehr den Wandel in der Region aus. Mit diesem Projekt kauft Griechenland nicht lediglich Technologie. Es überträgt die israelische Luftverteidigungsdoktrin auf die Ägäis und den östlichen Mittelmeerraum.

Großteil des Geldes geht nach Israel

Der größte Anteil der eingesetzten Mittel, etwa 3 Milliarden, geht an israelische Rüstungsunternehmen. Das Abkommen enthält jedoch auch eine Anforderung zur „lokalen Beteiligung“. Mindestens 25 Prozent des Projekts werden von griechischen Unternehmen durchgeführt. Dies bedeutet, dass Geschäftsmöglichkeiten im Wert von rund 800 Millionen Dollar nach Griechenland zurückfließen.

Nach Angaben des griechischen Verteidigungsministers Nikos Dendias ist der Achilles-Schild eines der zentralen Elemente der Verteidigungsstrategie „Agenda 2030″ der Regierung. Die Strategie bedeutet: Die Verteidigung in ein technologiezentriertes, vernetztes und mehrschichtiges System umzuwandeln.

Neben dem Achilles-Schild hat der KYSEA weitere Programme gebilligt, darunter elektronische Kriegsführungssysteme zur Neutralisierung feindlicher unbemannter Luftfahrzeuge durch nicht-kinetische Mittel; HERON-1-Drohnen für weitreichende Aufklärungs-, Überwachungs- und Gefechtsfeldbeobachtungsmissionen; Mikrosatelliten mit synthetischer Apertur (SAR), die unabhängige Erdbeobachtungskapazitäten bei allen Wetterbedingungen bereitstellen sollen; zusätzlich zehn V-BAT-Drohnen mit Senkrechtstart- und Landefähigkeit (VTOL); sowie neue Militärtransportflugzeuge.

Gegenseitiger Nutzen

Das griechische Verteidigungsministerium wird voraussichtlich im September die nächste Phase des Programms bekanntgeben. In diesem Rahmen wird Griechenland vermutlich auch seinen langfristigen Verteidigungsplanungsrahmen für den Zeitraum 2027–2037 vorstellen.

Griechenlands Ziel mit diesen neuen Partnerschaften und seiner strategischen Agenda ist es, nicht mehr bloß ein Land zu sein, das Technologie kauft, sondern eines, das zum Partner in der Technologieentwicklung wird.

Für Israel geht die Bedeutung dieses Projekts jedoch weit über finanzielle Gewinne hinaus. Israels größter Nutzen aus diesem Projekt besteht in der Möglichkeit, zu beobachten, wie seine Verteidigungsarchitektur in einer weiteren kritischen Region funktioniert – in der Ägäis und im östlichen Mittelmeerraum –, einer Geographie, in der sowohl Griechenland als auch die Türkei wichtige Akteure sind.

Strategische Partnerschaft

Angesichts dessen, dass die Türkei – in Kombination mit Katar und dem internationalen Netzwerk der Muslimbruderschaft – in den kommenden Jahren der Hauptfeind Israels sein wird, ist es logisch, dass sich eine israelische Geopolitik auf ein Bündnis mit Griechenland und Zypern orientiert.

Neben politischer und militärischer Kooperation sind dabei auch gegenseitige Sicherheitsgarantien und Beistandsgarantien wesentlich – um dem türkischen Regime klarzumachen, dass es es nicht mit einem kleinen, isolierten und nur vom Goodwill der USA abhängigen Staat zu tun hat, sondern mit einem Staat, der eigene Verbündete hat.

Bereits Ende 2025 haben Israel, Griechenland und Zypern ihre strategische Partnerschaft vertieft (wir haben berichtet). Es geht dabei besonders um Kooperation im Sicherheits- und Energiebereich, um die Stabilität im östlichen Mittelmeer zu fördern und gemeinsame Bedrohungen, insbesondere aus der Türkei, abzuwehren. Sie sicherten sich gegenseitigen Beistand zu.

Vorgesehen ist u.a. die Schaffung einer gemeinsamen Schnellen Eingreiftruppe mit 1000 Soldaten aus Israel, 1000 aus Griechenland und 500 aus Zypern. Sie soll Land-, Luft- und Seestreitkräfte umfassen und Stützpunkte in Israel, auf Zypern und auf Rhodos und Karpathos haben. Es soll verstärkte gemeinsame militärische Übungen geben. Ein wesentlicher Punkt dabei ist der Schutz maritimer Infrastruktur wie Pipelines und Kabeln.

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