Fauci schweigt: Tagebücher zerlegen die Corona-Legende

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Anthony Fauci verlangte von Millionen Menschen, seinen Anweisungen zu folgen, weil er angeblich für „die Wissenschaft“ sprach. Nun saß der ehemalige US-Corona-Papst unter Eid vor dem Senat und berief sich 111 Mal auf sein Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen. Seine eigenen Tagebücher erzählen derweil von manipulierten Narrativen, politisch gesteuerten Behörden, vertuschten Zweifeln, erzwungenen Schulschließungen und einem Beamten, der sich mitten in der Katastrophe vor allem für seinen eigenen Ruhm interessierte.

Am Mittwoch musste Anthony Fauci vor dem Ausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten des US-Senats erscheinen. Der ehemalige Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) war vom Ausschussvorsitzenden Rand Paul vorgeladen worden, nachdem er eine freiwillige Aussage verweigert hatte. Fauci verlas eine kurze Erklärung, beschuldigte Paul einer „wahnsinnigen Besessenheit“ und kündigte an, auf Anraten seiner Anwälte keine Fragen zu beantworten. Danach folgte 111 Mal derselbe Satz: „Auf Anraten meines Rechtsbeistands lehne ich es respektvoll ab, auf Grundlage meiner Rechte aus dem Fünften Zusatzartikel der Verfassung zu antworten.“

Fauci schwieg zum Ursprung des Coronavirus, zur amerikanischen Finanzierung von gefährlichen Virusforschungen in Wuhan, zu seinen früheren Aussagen vor dem Kongress, zu Lockdowns, Schulschließungen, Masken, Impfzwang und Booster-Kampagnen. Er verweigerte sogar die Antwort auf die Frage, welcher Wochentag sei, welche Farbe seine Krawatte habe und welche Farbe der Teppich vor ihm. Sein Anwalt David Schertler versuchte unterdessen wiederholt, sich ohne Erlaubnis in die Befragung einzumischen. Nachdem er mehrere Warnungen ignoriert hatte, ließ Rand Paul ihn vom Sicherheitsdienst aus dem Saal führen.

Bidens Begnadigung schützt Fauci

Der Fünfte Verfassungszusatz schützt jeden Amerikaner davor, sich durch eine Aussage selbst strafrechtlich zu belasten. Er ist kein formelles Schuldeingeständnis. Doch wenn ausgerechnet jener Mann, der während der Corona-Jahre unablässig Vertrauen, Gehorsam und Transparenz von anderen verlangte, zu keiner einzigen Sachfrage mehr etwas sagen will, ist das politisch verheerend. Fauci hatte jahrelang für alles eine Antwort. Nun könnten seine Antworten persönliche Folgen haben – und plötzlich verstummt „die Wissenschaft“.

Joe Biden hatte dafür zudem längst vorgesorgt. Einen Tag vor seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus erteilte der damalige Präsident Fauci eine vollständige und bedingungslose Begnadigung für sämtliche möglichen Bundesvergehen zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 19. Januar 2025, die mit seiner Tätigkeit beim NIAID, in der Corona-Taskforce oder als medizinischer Präsidentenberater zusammenhängen. Rand Paul und andere republikanische Senatoren argumentieren deshalb, Fauci könne sich wegen dieser bereits gewährten Straffreiheit nicht mehr auf eine drohende Selbstbelastung berufen. Faucis Anwälte halten dagegen, dass die Begnadigung keine möglichen Falschaussagen während der jetzigen Anhörung erfasse.

Damit liegt die Strategie offen auf dem Tisch. Die alten Taten sind von Biden gedeckt, eine neue Lüge unter Eid wäre es nicht. Fauci schweigt daher lieber selbst zu Teppichfarben, als sich in einen Widerspruch zu seinen früheren Aussagen, seinen E-Mails oder seinen Tagebüchern zu verwickeln. Der Ausschuss will in der kommenden Woche darüber abstimmen, ob er wegen Missachtung des Kongresses belangt werden soll. Aus dem gefeierten „Gesicht der Wissenschaft“ ist ein vorgeladener Ex-Regierungsmitarbeiter geworden, der nur noch hinter einem halben Dutzend Anwälten Schutz sucht.

Vom internen Zweifel zur öffentlichen Gewissheit

Rand Paul hatte wenige Tage vor der Anhörung 1.141 Seiten aus Faucis privaten Corona-Aufzeichnungen veröffentlicht. Diese Dokumente treffen den ehemaligen NIAID-Chef dort, wo seine öffentliche Selbstdarstellung am empfindlichsten ist. Denn während Fauci später behauptete, stets offen und allein der wissenschaftlichen Erkenntnis verpflichtet gewesen zu sein, zeigen seine eigenen Notizen, wie früh der mögliche Laborursprung diskutiert wurde – und wie schnell daraus öffentlich eine angebliche „Verschwörungstheorie“ gemacht werden sollte.

Am 31. Januar 2020 wurde Fauci von Jeremy Farrar, Kristian Andersen und weiteren Wissenschaftlern darüber informiert, dass die Furinspaltstelle im Spike-Protein nach ihrer damaligen Einschätzung möglicherweise nicht natürlich entstanden sein konnte. Am folgenden Tag organisierte Fauci eine Telefonkonferenz mit zwölf Fachleuten. Ron Fouchier, einer der Pioniere der Gain-of-Function-Forschung, vertrat die These eines natürlichen Ursprungs. Christian Drosten schloss sich ihm an. Nach Faucis eigener Aufzeichnung hielten die übrigen Teilnehmer eine gezielte Einfügung zumindest für möglich.

Nur drei Tage später zirkulierte bereits der Entwurf für jenen Artikel, der am 17. März 2020 unter dem Titel „The Proximal Origin of SARS-CoV-2“ in „Nature Medicine“ erschien. Darin erklärten die Autoren, ihre Analyse zeige eindeutig, dass SARS-CoV-2 kein Laborkonstrukt und nicht gezielt manipuliert worden sei. Mehr noch: Ein Laborszenario sei nicht plausibel. Fauci und der damalige NIH-Direktor Francis Collins erhielten den Text vor der Veröffentlichung. Fauci lobte das Ergebnis mit den Worten: „Gute Arbeit an dem Papier.“

Damit wurde aus einer intern ernsthaft diskutierten Möglichkeit innerhalb weniger Tage eine öffentlich geächtete Theorie. Am 17. April 2020 zitierte Fauci das Papier im Weißen Haus, um Fragen nach einem Laborunfall abzuräumen. Die Zweifel, die in seiner Telefonkonferenz geäußert worden waren, erwähnte er nicht. Auch Faucis spätere Darstellung des Treffens begann sich zu verändern: Aus den klar unterschiedlichen Lagern wurden rückblickend zwei ungefähr gleich große Gruppen, und aus den drei Tagen bis zum ersten Entwurf wurden plötzlich „einige Wochen“. Das ist keine transparente Wissenschaftskommunikation. Das ist eine nachträgliche Geschichtsfälschung.

Die Tagebücher beweisen nicht, auf welchem Weg SARS-CoV-2 tatsächlich in die Welt gelangte. Sie belegen jedoch, dass jene Gewissheit, mit der der Laborursprung öffentlich verspottet, zensiert und als gefährliche Desinformation bekämpft wurde, intern gar nicht existierte. Man wusste es nicht – behauptete aber, es zu wissen. Und ausgerechnet jene Wissenschaftler, deren Institute, Förderprogramme und Kollegen durch eine Laborpanne ins Zentrum einer weltweiten Katastrophe geraten wären, halfen dabei, den Verdacht gegen dieses Szenario abzuräumen.

„BIG DAY!“ für geschlossene Schulen

Auch bei den Lockdowns zerlegt Fauci seine spätere Verteidigung selbst. Den 15. März 2020 überschrieb er in seinem Tagebuch in roten Buchstaben mit „BIG DAY!“. Anschließend berichtete er stolz, den damaligen New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio davon überzeugt zu haben, die Schulen zu schließen. Fauci riet ihm zudem zur Schließung von Bars und Restaurants. De Blasio habe erklärt, er werde seine Entscheidung auf Faucis Empfehlung stützen.

Ähnlich lief es in Kalifornien. Ann O’Leary, die damalige Stabschefin von Gouverneur Gavin Newsom, teilte Fauci laut dessen Notizen mit, dass Kalifornien wegen seiner Fernsehauftritte Schulen, Bars und Restaurants schließen werde. Am nächsten Morgen hielt Fauci fest, die neuen Vorgaben des Weißen Hauses spiegelten seine Forderung nach einer aggressiveren 15-Tage-Strategie wider. Der Mann schrieb sich die Stilllegung ganzer Städte und Bundesstaaten selbst als Erfolg zu.

Im Oktober 2022 wollte er davon nichts mehr wissen. Gegenüber ABC erklärte Fauci, mit den Schulschließungen „nichts zu tun“ gehabt zu haben. Natürlich unterschrieb er die Anordnungen nicht persönlich. Das erledigten Bürgermeister und Gouverneure. Doch seine eigenen Aufzeichnungen zeigen, dass er sie drängte, ihnen die wissenschaftliche Deckung lieferte und sich anschließend über seinen Einfluss freute. Erst als Lernverluste, psychische Schäden, zerstörte Existenzen und die gesellschaftlichen Kosten nicht mehr zu leugnen waren, wollte der große Berater plötzlich nur noch ein unbeteiligter Beobachter gewesen sein.

Dasselbe Muster setzte sich bei Masken und Impf-Boostern fort. Im Februar 2021 schrieb Fauci, er habe bereits seit einiger Zeit auf das Tragen von zwei Masken gedrängt. Erst danach lieferte die Gesundheitsbehörde CDC eine Untersuchung an einer Schaufensterpuppe, die seine Forderung stützen sollte. Die politische Empfehlung war also längst da, bevor der angeblich passende Versuch präsentiert wurde.

Noch deutlicher wurde der Machtbetrieb im September 2021. Der unabhängige CDC-Impfbeirat ACIP lehnte mit neun zu sechs Stimmen eine bestimmte Ausweitung der Booster-Empfehlung auf beruflich besonders exponierte 18- bis 64-Jährige ab. Fauci schrieb, er habe CDC-Chefin Rochelle Walensky „angefleht“, diese Entscheidung zu überstimmen. Am frühen Morgen gab Walensky nach. Faucis Reaktion im Tagebuch: „Endlich! Rochelle hat auf mich gehört.“ So funktionierte die angeblich unabhängige Wissenschaft: Das Fachgremium stimmte nicht so ab wie gewollt, Fauci griff zum Telefon und die Behördenchefin korrigierte das Ergebnis.

Ein Fan-Album inmitten der Krise

Während unzählige Menschen ihre Arbeit verloren, Unternehmen vernichtet wurden, Kinder zu Hause saßen und Familien ihre Angehörigen nicht besuchen durften, führte Fauci ein erstaunliches Protokoll seiner eigenen Berühmtheit. 641 Einträge seines Corona-Tagebuchs tragen die Überschrift „PRESS“. Der Begriff „Award“ taucht 80 Mal auf, „Hero“ 49 Mal, „Instagram“ 36 Mal, „Bobblehead“ 23 Mal und „Selfie“ 19 Mal. „Lernverlust“ und „psychische Gesundheit“ kommen in der 1.141 Seiten starken Selbstdokumentation dagegen kein einziges Mal vor.

Fauci notierte, er werde zu einer „internationalen Berühmtheit“, sammelte schmeichelhafte Artikel über sich selbst und hielt fest, er sei der „berühmteste und meistdiskutierte Mensch des Landes“ sowie eine der bekanntesten Personen der Welt. Er bewahrte Lobhudeleien von Schauspielern, Moderatoren, Politikern und Musikern auf, vermerkte Ehrendoktorwürden, Standing Ovations, Selfies und sogar die nach ihm benannten Wackelkopfpuppen. Was als Tagebuch des wichtigsten amerikanischen „Seuchenexperten“ während einer Jahrhundertkrise bezeichnet wird, liest sich in weiten Teilen wie das Fan-Album eines Mannes, dessen liebster Forschungsgegenstand Anthony Fauci hieß.

Auch die Verbindungen zu den Medien waren enger, als es die angeblich kritische Corona-Berichterstattung vermuten ließ. Fauci notierte, dem CNN-Moderator Jake Tapper Fragen zugespielt zu haben, mit denen dieser einen anderen Regierungsvertreter im Interview unter Druck setzen sollte. Ein CBS-Korrespondent bereitete Fauci auf einen Auftritt vor und zitierte ihn anschließend als Autorität. Journalisten erhielten Zugang und exklusive Nähe, Fauci bekam dafür die Bühne und den Heiligenschein des unfehlbaren Experten. Politik, Behörden und Medien bildeten einen geschlossenen Kreislauf, in dem Abweichler nicht widerlegt, sondern ausgesperrt wurden.

Steuerfinanzierte Selbstvermarktung

Weitere 136 Seiten interner E-Mails zeigen, wie Fauci seine staatliche Behörde zur persönlichen Preisagentur machte. Bereits 2018 bat er den Duke-Forscher Barton Haynes, ihn für den mit einer Million Dollar dotierten Dan-David-Preis zu nominieren. Fauci versprach, das notwendige Material selbst zu liefern. Seine Mitarbeiter stellten Unterlagen zusammen, holten Freigaben ein und begleiteten die Bewerbungen, während sich hochrangige NIH-Funktionäre dafür einsetzten, dass der bestbezahlte Bundesbeamte der Vereinigten Staaten die Preisgelder behalten durfte.

2021 erhielt Fauci den Dan-David-Preis für seine angeblich mutige Verteidigung der Wissenschaft gegen „unwissenden Widerstand“. Nach Abzügen landeten nach Faucis eigener korrigierter Finanzmeldung 899.960 Dollar auf seinem Konto. Die Nominierung hatte er selbst angeschoben, seine steuerfinanzierten Mitarbeiter halfen bei der Abwicklung und seine öffentliche Corona-Rolle lieferte den entscheidenden Glanz. Gewinne und Ruhm wurden privatisiert, während die Opfer seiner Politik mit geschlossenen Betrieben, verlorenen Arbeitsplätzen und beschädigten Bildungsbiografien zurückblieben.

Anthony Fauci war während der Corona-Jahre kein neutraler Laborwissenschaftler, der Politik und Öffentlichkeit nüchtern mit Daten versorgte. Seine eigenen Aufzeichnungen zeigen einen Machtmenschen, der politische Entscheidungen antrieb, Behördenchefs bearbeitete, Gremien übergehen ließ, Journalisten instrumentalisierte, Kritiker beschimpfte und seine öffentliche Verehrung minutiös dokumentierte. Wenn die Fakten nicht zur gewünschten Linie passten, wurde nicht die Linie geändert. Dann wurden die Fakten zurechtgebogen, Zweifel verschwiegen oder abweichende Wissenschaftler zu gefährlichen Spinnern erklärt.

Die Vereinigten Staaten beginnen wenigstens damit, diesen Komplex öffentlich aufzubrechen. Dokumente werden freigegeben, Verantwortliche vorgeladen und unter Eid befragt. In Deutschland und der Europäischen Union ist eine vergleichbare Abrechnung weiterhin nicht in Sicht – obwohl Christian Drosten bereits bei Faucis entscheidender Ursprungskonferenz mit am Telefon saß und der amerikanische Maßnahmenkatalog von Lockdowns über Maskenzwang bis zur Booster-Kampagne nahezu vollständig übernommen wurde.

Fauci wollte als Verkörperung der Wissenschaft in die Geschichte eingehen. Nach dieser Anhörung bleibt ein anderes Bild: ein Mann, der jahrelang das Leben von Milliarden Menschen mitbestimmte, sich selbst für unantastbar hielt und plötzlich keine einzige Antwort mehr geben wollte, als seine eigenen Worte gegen ihn auf dem Tisch lagen.

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